Lehrvideos Adaptive Beweidung

Manfred
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Re: Lehrvideos Adaptive Beweidung

Beitrag von Manfred »

Teil 21:



Wie man ohne Zufütterung durchs Jahr kommt:

B. T.: „Die Weideschule unterstützt bei der Verlängerung der Weidesaison,“
W.: „Ja. Ja!“
B.T.: „und die Zeit des Zufütterns zu verkürzen, und manchmal die Zufütterungs-Saison ganz zu eliminieren. Und es hat eine enorme wirtschaftliche Wirkung, wenn man die Tiere mit Gras statt mit Heu ernährt.
Durch Adaptive Beweidung hat man für einen längeren Teil des Jahres grünen Aufwuchs.
Und wenn man dann lernt, einen stehenden Futtervorrat (Stockpile) aufzubauen, als Teil seines Beweidungsplans, dann schafft man es durch eine Periode, in der evtl. für eine Weile gar kein Grün mehr wächst.“
W.: „Ich habe viel zu viele Weiden gesehen, die viel zu kurz abgefressen wurden. Ende August wird es meist heiß und trocken in vielen Regionen des Landes. Wir wissen nicht, wann der nächste Regen kommt. Es kann bis Oktober dauern, evtl. sogar bis November. Was dann passiert, ist, dass die Weiden, die jetzt kurz abgefressen sind, eine negative Wirkung haben für den Rest dieser Weidesaison und sogar die nächstjährige Weidesaison beeinträchtigen. Solche Weiden erfordern eine viel frühere, viel intensivere und viel längere Winterfütterung. Und Winterfütterung ist nie billig. Sie kostet immer sehr viel Geld.
Was wir hier machen, das Ziel dieser Beweidung, ist, bald mit den Tieren hier runter zu sein, weil wir hier drin eine Menge Gräser haben, die in der kühleren Zeit des Jahres gut wachsen. Schwingel, Trespen usw. Deshalb möchten wir hier runter, und dieser Fläche erlauben, einen Vorrat für die Winterweide aufzubauen, statt Heu füttern zu müssen.
Dieser Vorrat erlaubt uns, unsere Ziele und Vorhaben zu erreichen: Boden aufbauen, den Boden schützen, schneller Wiederaufwuchs für den Vorrat, der unsere Winterfutterkosten senkt, und unsere Reserven in Boden und Wurzeln zu schützen, damit im nächsten Frühjahr das Wachstum eher wieder einsetzt. So bewirken wir deine deutliche Ausdehnung unserer Weidesaison, an beiden Enden. Und das ist unser Ziel. Winterfütterung ist nie billig. Und wenn wir uns die Daten des IRM (Integrated Resource Management) Programms ansehen, dann sehen wir, dass bei jedem Fleischrinderbetrieb zwischen 73 % und 85 % der jährlichen Gesamtkosten für eine Kuh für schätzt mal wofür anfallen? Für das, was sie frisst. Wenn es uns also gelingt, diese Kosten deutlich zu senken, dann haben wir den wichtigsten, den mit großem Abstand wichtigsten Kostenfaktor unseres Fleischrinder-Unternehmens reduziert.

(Schnitt)

Also, Steve und Judy, ihr seid schon eine ganze Weile hier. Zu Beginn habt ihr diesen Betrieb ganz anders gemanagt. Und ihr habt euch Sorgen um eure Ressourcen gemacht. Ihr hatten Sorgen wegen zu wenig Futter, wegen des zeitlich unregelmäßigen Wachstums, um damit durchs Jahr zu kommen, und wegen der großen Menge Heu, die ihr benötigen würdet, um über die Winter zu kommen.
Wie hat sich euer Denken verändert, und wie haben sich eure Methoden verändert, von damals bis zu dem, was ihr heute macht?“
S.F.: „Naja, wir handelten in mancher Hinsicht konventionell. Wir setzten schon auf Rotationsweide, aber weideten den Bewuchs viel kürzer und härter ab, und wir ernteten eine ziemliche Menge Heu. Das waren die größten Unterschiede zu dem, was wir heute machen.
Eine wirklich große Veränderung war der Verkauf der Heumaschinen. Danach hatten wir noch Lohnunternehmer, die für uns Heu gemacht haben, aber auch das haben wir aufgehört. Dann hatten wir in der Wachstumssaison eine ganze Farm zu managen, als Menschen, die Angst vor „überständigem“ Gras hatten. Wie sollte das klappen, ohne saisonal einen Haufen Rinder anzukarren? Das war der Punkt, als die Veränderungen wirklich begonnen haben, hin zu mehr Rest nach der Beweidung, sich keine so großen Gedanken mehr über „überständiges“ Gras zu machen, oder über (Un)Kräuter, die sich breitgemacht haben.
Wir hatten auch Land gepachtet. Und das war, wo wir gelernt haben, mit Litze streifenweise zu beweiden. Wir haben auf diesen gepachteten Farmen mit Schwingel einen stehenden Vorrat aufgebaut und diesen dann mit Litze und höheren Tierdichten abgeweidet. Und wir sind so an den Punkt gekommen… Ich war der Typ, der gerne darüber redete, dass er kein Heu füttert…
Aber wir haben uns seither etwas weiterentwickelt. Und wir nutzten manchmal wieder Heu, was uns erlaubt mehr Tiere für den starken Wachstumsschub im Frühjahr zu halten, um mehr hungrige Mäuler zu haben, um dieses viele Gras zu nutzen. Der größte Anteil unseres Wachstums ist vor dem ersten Juli abgeschlossen. Aber unser Heuverbrauch ist deutlich zurückgegangen. Wenn wir 45 Tage Heu füttern, ist das viel.
In der Zeit, in der wir mit den Rindern den ganzen Winter Schwingel streifenweise abgeweidet haben, fütterten wir maximal ein oder zwei Wochen Heu.“


Angler
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Re: Lehrvideos Adaptive Beweidung

Beitrag von Angler »

das mit dem "überständigen Gras" ist kein Hexenwerk und nichts neues -
wir haben das vor 10 Jahren gemacht, sind aber schnell wieder davon ab -
die Nährwerte im Gras gehen gen 0 und die Tiere verlieren Gewicht.


Denken ist die schwerste Arbeit, die es gibt.
Das ist wahrscheinlich auch der Grund,
warum sich so wenige Leute damit beschäftigen.

Henry Ford, amerikanischer Industrieller
Manfred
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Re: Lehrvideos Adaptive Beweidung

Beitrag von Manfred »

Das Problem hast du idR nur, wenn der Weiderest zu gering ist.
Solange sie sich das gute Zeug rauspicken können, und der Rest stehen bleibt oder niedergetrampelt wird, geht das.
Und es hilft, einen mögl. artenreichen Bewuchs zu haben. Wenn ein einzelnes Gras dominiert und dieses stark überständig ist, wird es natürlich schwierig.


Manfred
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Re: Lehrvideos Adaptive Beweidung

Beitrag von Manfred »

Teil 22:



Wo liegen die Grenzen einer Futtermittelanalyse?

S.F.: „Die Rinder sind in bester Kondition. Sie waren nie zufriedener. Und ihr Kot schaut aus, als ob wir die perfekte Fütterung haben. Woher kommen diese Nährstoffe? Woher kommt dieser Unterschied zwischen dem, was uns beigebracht wurde, dem, was die Analyse einer Futterprobe ergeben würde, und dem, was hier tatsächlich geschieht?“
W.: „Das ist eine exzellente Frage. Es waren ja sogar Agrarwissenschaftler der Universität hier draußen und haben euch prognostiziert, dass eure Rinder keine gute Leistung erbringen könnten.“
S.F.: „Mit dieser Art von Futter, ja.“
W.: „Das wurde euch also direkt von den Agrarwissenschaftlern gesagt. Aber wie du anmerkst: Offensichtlich machen eure Rinder genau das Gegenteil.
Die kurze Antwort ist, dass
-erstens wir Sachen manchmal nicht auf die richtige Weise messen.
Wenn wir darüber sprechen, wie man Proben zum Einschicken an ein Labor entnimmt, sei es ein Universitätslabor oder ein privates Lavor für Futteranalyse, welche Anleitung erhalten wir dafür?
Man sagt uns, wir sollen raus gehen und den Aufwuchs der zu beprobenden Stelle in 7,5 cm Höhe abschneiden. Wir sollen das alles abschneiden und alles einschicken.
Aber entspricht das dem, wie eure Rinder grasen?“
S.F.: „Hm. Nein.“
W.: „Nein. Überhaupt nicht. Die erste Hinsicht, in der das falsch ist, ist also, dass das, was im Labor gemessen wird… Es ist nicht so, dass die Laboranalyse falsch wäre. Was falsch ist, ist die Probe, die untersucht wird.“
S.F.: „Genau. Sie fressen ja nicht alles, was hier gewachsen ist. Sie können sich herauspicken und wählen, was sie gerne mögen.“
W.: „Richtig.“
S.F.: „Mit höherem Nährstoffgehalt.“
W.: „Die Rinder fressen also nicht das, was man als Probe einschicken soll. Das ist der Haken. Sie fressen hier eine komplett andere Diät. Da hast du recht.“
S.F.: „Sie haben die Gebrauchsanweisung nicht gelesen.“
W.: „Sie haben die Gebrauchsanweisung nicht gelesen. Sie folgen nicht der Anleitung des Labors.“
S.F.: „Ja, ja.“
W.: „Du weißt: Wenn wir auf diese Weise, adaptiv, weiden, dann sehen wir eine ziemlich signifikante Abweichung zwischen dem Ergebnis einer Laboranalyse nach Anleitung von unserer Weide und dem, wie sie die Tiere tatsächlich entwickeln hier draußen.
Und die zweite Sache, die bei einer Standard-Futtermitteluntersuchung nie berücksichtigt wird: Wir haben schon darüber gesprochen, dass jede Pflanze sekundäre Stoffwechselprodukte erzeugt, richtig? Diese werden bei einer Standard-Futtermitteluntersuchung nicht gemessen. Es werden nur die primären Nährstoffe gemessen. Rohproteingehalt, gesamtverdauliche Nährstoffe (TDN = total digestible nutrients), NDF (Neutral-Detergenz-Faser, Summe der Zucker, Stärke und Rohfaser), ADF (acid detergent fiber, Rohfaser), Netto-Energie, RFQ (relative forage quality, relative Verdaulichkeit) und diese Dinge. Nichts davon berücksichtigt die sekundären Stoffwechselprodukte, die diese Pflanzen erzeugen.
Was wir sehen ist, dass hinsichtlich der Ernährung und Gesundheit unserer Rinder, diese sekundären Stoffwechselprodukte viel, viel wichtiger sind als die primären Nährstoffe. Das gilt übrigens auch für unsere eigene Ernährung. Wenn wir den Nährstoffgehalt dessen, was wir in unserer menschlichen Diät essen, untersuchen oder versuchen zu untersuchen, machen wir den gleichen Fehler. Wir messen oft nicht die Variablen, die den größten Unterschied ausmachen. Wir messen die Dinge, von denen wir denken, dass sie den größten Unterschied machen würden.
Ich bin als Wissenschaftler selbst in diese Falle gelaufen. Als ich an der Universität war, habe ich buchstäblich hunderte von Heu- und Futtermittelanalysen ausgewertet. Auf der Basis wurden Empfehlungen macht, an die Rancher und Farmer, die diese Proben eingeschickt hatten.
Wir waren… ich bin ganz ehrlich… damals wurde uns erzählt: Sagt ihnen, sie sollen so viel Mais füttern oder so viel dies und jenes, oder was auch immer… Und das haben wir pflichtbewusst gemacht. Du musst 2 Pfund von diesem Ergänzungsfuttermittel oder 2 Pfund Mais am Tag füttern, oder 5 Pfund Sojaschrot oder was auch immer.
Heute weiß ich, dass ich tatsächlich Teil des Problems war, statt Teil der Lösung. Ich habe diese Laborergebnisse nicht richtig interpretiert. Und ich haben ihnen Empfehlungen gegeben, die sie mehr Geld gekostet haben, statt weniger. Ich habe sie dazu gebracht, ihr Gras schlechter zu nutzen, statt es besser und angemessener zu nutzen, und all die anderen Pflanzen hier draußen.“


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