Lehrvideos Adaptive Beweidung

Manfred
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Lehrvideos Adaptive Beweidung

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Teil 1) Einführung:



Was ist Adaptive (sich anpassende) Beweidung?

Fachberater Dr. Allen Willimas im Gespräch mit Steve und Judy Freeman von der Woods Fork Cattle Company in Hartville, Montana.

W: „Während der letzten Jahrzehnte wurden die meisten Rancher und Farmer dazu angeleitet, nach einem Rezept, einer Formel zu suchen, dazu, die Dinge immer wieder in gleicher Weise abzuarbeiten. Der Mensch richtet sich gerne in einer Routine ein.
Es ist in mancherlei Hinsicht geradezu gegen unsere Natur, anpassungsfähig zu bleiben, unsere Arbeit permanent und flexibel die sich ändernden Bedingungen anzupassen, an unsere Ziele und Pläne und an unsere Einschätzung der zukünftigen Entwicklungen.
Deshalb nennen wir es adaptive oder flexible Beweidung.
Sobald wir in ein Rezept oder eine Formel oder eine starre Routine verfallen, hören wir auf adaptiv zu bleiben.“

S. F.: „Das Wichtigste überhaupt bei dieser Art der Beweidung ist es, ein aufmerksamer Beobachter zu sein.

W: „Ja. Ja!“

S.F.: „Man muss es an seine Bedingungen anpassen. Man lernt so viel man kann von anderen, bringt dieses Wissen zurück auf den eigenen Betrieb, und denkt darüber nach und formt es so um, dass man es auf die Bedingungen des eigenen Betriebs anwenden kann. Es ist keine Wunderwaffe, die man einfach heimbringen, 1 zu 1 anwenden, und damit alle Probleme erledigen kann. Man darf nicht glauben, dass das, was man anderswo gesehen hat, daheim unverändert angewandt werden kann. Du musst deinen eigenen Umgang damit entwickeln, es muss komfortabel für dich sein, du musst selbst beobachten, was bei dir funktioniert und was nicht.
Aber das gelingt dir erst, wenn du ein guter Beobachter wirst, wenn du siehst, was sich wie verändert. Und genau das vernachlässigen wir gerne. Wir geben der Herde eine frische Weide, sie wirken OK, und weg sind wir.
Aufmerksames Beobachten ist wahrscheinlich für die meisten von uns eine der am schwersten zu erlernenden Fähigkeiten. Jedenfalls war es das für mich.“

W: „Du hast es auf den Punkt gebracht. Alles dreht sich ums Beobachten, und darum, unser Management jeden Tag, jeden Monat, jedes Jahr an das anzupassen, was wir hier draußen beobachten.
Daran, wie die Natur auf das reagiert, was wir tun, können wir erkennen, ob wir wirklich aufmerksam sind und die richtigen Schlüsse für unser Management ziehen.
Das zeigt uns die Richtung, in die wir uns Verändern müssen, beim nächsten Durchgang, im nächsten Jahr, in den nächsten Jahren der Beweidung.“

S.F.: „Weißt du, das ist alles ein evolutionärer Prozess,“

W: „Mhm.“

S.F.: „wir machen das schon lange Zeit, aber nichts ist in Stein gemeiselt. So wie es sich bisher entwickelt hat, denken wir, dass es ganz gut läuft, aber niemals würde ich mich darauf festlegen zu sagen, so machen wir das jetzt jedes Jahr, weil es sich ständig verändert, weil wir uns ständig verändern, und weil wir ständig Neues dazu lernen, wie wir es besser machen könnten.
Das ist für manche Besucher der frustrierende Teil unseres Beweidungsmanagements, dass es für uns eben nicht in Stein gemeiselt ist, und dass wir auf die Frage „was macht ihr hier“ mit „das kommt drauf an“ antworten. Das ist eine frustrierende Antwort. Die Leute wollen das nicht hören. Aber es ist wahr, weil bei uns nichts in Stein gemeiselt ist, und wir ständig Ausschau halten, wie wir es in Zukunft weiter verbessern können und wir deshalb heute nicht wissen, in welche Richtung sich unser Management morgen verändern wird.“


Manfred
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Teil 2:


Dr. Allen Williams im Gespräch mit Berater Burke Teichert

W.: „Heute morgen sind wir hier mit Burke Teichert.
Burke, du bist im Ruhestand nach deiner Tätigkeit als Generaldirektor und Vizepräsident von AgReserves Inc.. Du hast in deiner Karriere einige sehr große Ranches geführt. Erzähle uns doch bitte, wie sich deine Philosophie des Weidemanagements in dieser Zeit entwickelt hat, wo du heute stehst, und warum sich dein Denken in diese Richtung verändert hat, bezüglich der Beweidung und des Umgangs mit dem Boden.“

T.: „O.K. Vor vielen Jahren wurde ich Allan Savory vorgestellt. Ich war einer der ersten in den USA, die ihn kennenlernen durften. Ich besuchte einiger seiner Kurse und begann dann, etwas Rotationsweide, wenn man das heute rückblickend so bezeichnen mag, zu betreiben. Ich denke, wir haben damals einige Fortschritte gemacht. Ich meine zu erinnern, dass wir Steigerungen des Viehbesatzes, der Besatz-Tagfähigkeit der Flächen, zwischen 12% und 25% verbuchen konnten. Aber ich habe es nie auf das Niveau gebracht, auf das ich es hätte bringen sollen…
Mit Beginn meines Ruhestands bin ich in meine neue Rolle als Berater und Vortragsredner hineingewachsen. Bei meinen Vortragsterminen habe ich einige richtig gute Weidemanager kennenlernen dürfen. Und ich habe nach und nach deutliche Unterschiede erkannt zwischen etwas besserem Weidemanagement und viel besserem Weidemanagement.
2 Faktoren meine ich als besonders wichtig identifiziert zu haben:
Der eine ist die Bedeutung der Erholungszeit. Ich denke, dass viele von uns die Flächen zu früh erneut beweidet haben. Unsere Erholungsphasen waren zu kurz. Egal ob hier in einer Gegend mit höheren Niederschlägen oder in den Trockengebieten, wo ich die meiste Zeit gearbeitet habe: Ich denke unsere Erholungsphasen waren einfach nicht lange genug, weil die Pflanzen, die wir uns in Fülle gewünscht hätten, keine Chance auf eine ausreichende Erholung erhielten.
Der zweite Faktor ist, dass ich den Wert der Einwirkung der Tiere (Herdeneffekt) unterschätzt habe.
Einen intensiven Herdeneffekt erreicht man, indem man die Tiere, wenn immer möglich, in hoher Dichte auf der jeweiligen Fläche grasen lässt.
Diese 2 Faktoren möchte ich wirklich betonen.
In den Trockenregionen der westlichen USA ist ein Herdeneffekt nicht einfach zu erreichen. Man muss es evtl. selektiv durchführen und sich Orte und Zeiten dafür herauspicken. Aber wir können mit der Erholungszeit arbeiten. Ich denke, wir müssen das Meiste über die Erholungszeiten machen und dann so gut wir können zusätzlich den Herdeneffekt nutzen, an ausgewählten Plätzen, wo wir meinen, damit schnell eine Verbesserung erreichen zu können. Und von da macht man dann weiter.
So hat sich meine Sichtweise im Lauf der Zeit verändert.“

W.: „Burke, wie ich vorhin schon erwähnt habe: In deiner Karriere warst du für das Management einiger sehr, sehr großer Ranches verantwortlich, in verschiedenen Regionen der Erde, verschiedenen Regionen der USA. Du hast also Erfahrung mit unterschiedlichsten Voraussetzungen und Landschaften, von trockenen und halbtrockenen Regionen über gemäßigte Gebiete bis zu sehr warmen und feuchten Bedingungen. Du hattest die wirtschaftliche Verantwortung für diese Betriebe.
Bitte sprich etwas über die wirtschaftliche Perspektive, die Finanzen. Welche Auswirkungen hat diese
Art des Managements auf den Gewinn.“

T.: „Da fällt mir so einiges ein… Jedes Mal, wenn man so einen Betrieb übernimmt, denkt man daran, die Herden zu bündeln, größer zu machen. Es ist für einen Mitarbeiter viel einfacher, 800 Kühe in einer Herde zu betreuen als 800 Kühe verteilt auf 8 Herden.“

W.: „Richtig.“

T.: „Und 800 Kühe in einer Herde ist gut machbar. Wir haben das regelmäßig gesehen, unter verschiedensten Bedingungen. Ich rede von 800, weil das tendenziell eine optimale Herdengröße war, bei einigen der Betriebe, die ich geführt habe, hinsichtlich der Wasserversorgung und wie viele Tiere man an einem Tag handhaben kann,“

W.: „Richtig. Richtig.“

T.: „usw. Aber das muss nicht die magische Größe sein. Es ist nur eine, die für uns unter bestimmten Bedingungen funktioniert hat. Das wäre der erste Punkt.
Dann die Betreuungsdichte in Kühen pro Mann. Die ist extrem wichtig für die Wirtschaftlichkeit einer Ranch. Der Lohn ist nicht der einzige Kostenpunkt für eine Person auf der Gehaltsliste. Man braucht Geländewagen und Wohnraum, Werkzeuge, Ausrüstung, etc. Auf den meisten Ranches im Westen Sattelpferde. Wenn man das alles zusammenzählt, kommt man auf mind. das Doppelte der Lohnkosten, eher etwas mehr. So summiert sich die Betreuungsdichte in Kühen/Mann zu einem sehr wichtigen Kostenfaktor.

Beim Beweiden geht es darum, die Weidesaison so weit wie möglich zu verlängern und die Fütterungs-Saison zu verkürzen und manchmal die Fütterungs-Saison ganz zu eliminieren, speziell wenn wir uns südlich der Interstate 70 (eine Fernstraße, die von Utah quer durch die USA nach Washington führt, ca. auf dem 39 Breitengrad) bewegen. Fütterungskosten im Vergleich zu Weidekosten haben erheblichen wirtschaftlichen Einfluss.
Und das Weidemanagement ermöglicht das. Durch Adaptive Beweidung erreicht man eine längere Wachstumsperiode und damit grünes Gras für einen größeren Teil des Jahres.
Wenn man lernt, als Teil der Weideplanung, einen stehenden Futtervorrat (Stockpile) aufzubauen, kann man auch eine kurze Periode überbrücken, in der es gar kein Grün gibt. Das funktioniert.

Ein weiterer mächtiger Faktor sind die Hektar je Kuh.“

W.: „Hektar je Kuh! Ja.“

T.: „Hektar je Kuh. Diese 3 Faktoren bestimmen den Großteil der Wirtschaftlichkeit.
Also zu den Hektar je Kuh: Wenn ich mit etwas Zaun und Wasser die Besatzdichte des Betriebs verdoppeln kann, kaufe ich für den Preis von etwas Tränkewasser- und Zaun-Infrastruktur eine zweite Ranch.“

W.: „Das ist dann ein sehr günstiger Preis pro Hektar, ist es nicht so?“

T.: „Das sind viel niedrigere Kosten pro Hektar. Ich habe Steve diese Frage nie gestellt, aber ein Freund von mir, drüben in der Nähe von Baker, Montana, hat mit 12 ha je Kuh angefangen. Jetzt ist er bei 6,5 ha pro Kuh. Und er sagt, er hat ca. 125 Dollar je Hektar in Zäune und Wasserversorgung investiert. Er hat also für 125 Dollar pro Hektar eine zweite Ranch gekauft. Und für die muss er nicht mal Grundsteuer bezahlen. Er braucht keinen extra Geländewagen, keinen extra Mann, kein extra Sattelpferd. Es dauert etwas länger, die Kälber zu markieren, es dauert etwas länger, das Schlachtvieh zu verladen, wir brauchen etwas länger für die Trächtigkeitsuntersuchungen, weil es mehr Kühe sind. Aber bis auf die paar Tage im Jahr haben wir praktisch den gleichen Arbeitskraftbedarf wie vorher.
Er sagt, dadurch, dass wir die Kühe täglich mit Mobilzaun umstellen, ich bin nicht sicher, ob er es jetzt täglich macht, es waren seinerzeit glaube ich alle drei Tage, führe dazu, dass er insgesamt weniger Arbeit habe. Er wisse gar nicht, wo die ganze Arbeit hin verschwunden sei. Aber insgesamt arbeite er heute weniger als vorher, trotz des Mehraufwands für die mobilen Litzenzäune fast jeden Tag.“

W.: „Das ist wirklich erstaunlich, ist es nicht? Genau der Einwand, den wir oft aufwerfen, weshalb wir das nicht machen können, dass es uns viel mehr Zeit kosten würde, Zeit die wir nicht haben, die mobilen Zäune zu bauen, führt dazu, dass wir unter dem Strich eine Menge Zeit sparen.“

T.: „Es spart verdammt viel Zeit. Ja.
Vor gut einem Jahr brachte ich eine Reisegruppe hierher. Ich denke es war Mitte April. Da war noch an keinem Baum ein Blatt zu sehen. Die Nachbarn hatten, hoch gegriffen, 7 bis 10 cm Grasaufwuchs. Und hier standen die Kühe bis zum Bauch im Gras. Da war noch kein Blatt an irgendeinem Baum und es war grünes Gras, kein überständiger Rest aus dem letzten Jahr.“

W.: „Warte mal Burke, dann müssen Steve und Judy doch bestimmt eine Menge Dünger gestreut haben? Oder sie haben irgendwas anderes gemacht, wovon ihre Nachbarn nichts wussten, richtig?“

T.: „Ich bin sicher, die Nachbarn dachten das.“

Beide lachen laut.

T.: „Aber ich habe es verifiziert. Haben sie nicht. Sie hatten Dünger. Aber mehr von der biologischen Sorte. Der Kot, das niedergetrampelte Pflanzenmaterial, usw. waren die Quelle der Fruchtbarkeit.“

W.: „Exakt. Exakt.
Wie schwer ist es Burke, für die von uns, die seit langer Zeit Rancher sind, für den durchschnittlichen Rancher, wie schwer ist es für uns, diesen Schalter im Kopf umzulegen, unser Denken über das Weidemanagement zu verändern?“

T.: „Ich denke, für den durchschnittlichen Rancher ist das wirklich schwer, aus diesen oder jenen Gründen. Wie du eingangs gesagt hast: Es ist die uns Menschen eigene Denkweise, an der wir sehr hart arbeiten müssen, um den Schalter umlegen zu können, um den Leuten vermitteln zu können, dass sie das tun können.
Es kostet nicht viel Geld und es kostet nicht viel Zeit. Man investiert ein wenig Zeit und ein wenig Geld und etwas Infrastruktur, aber das zahlt sich sehr schnell aus.
Aber ich die Leute müssen umdenken, um das zu verstehen. Dann geht es vorwärts…“


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Teil 3:



Wie schaut ein optimaler Weideaufwuchs aus?

W.: „Es ist sehr wichtig zu verstehen, wie eine Fläche aussehen soll, bevor wie sie beweiden, welche Wirkung die Tiere während der Beweidung erzielen sollen, und in welchem Zustand die Koppel nach der Beweidung zurückbleiben sollte.
Das Wichtigste ist, dass wir ausreichend Trockenmasse auf der Koppel haben wollen, bevor wir sie beweiden, damit es überhaupt wert ist, sie zu beweiden, um ehrlich mit euch zu sein.
Wenn diese Koppel eine durchschnittliche Aufwuchshöhe von nur 15 cm hätte oder evtl. 20 cm, dann würde ich ehrlich gesagt im Juli, bei dieser Hitze, hier in Missouri, dringend davon abraten, sie zu beweiden, weil ihr bereits vorher nur eine spärliche Bodenbedeckung hättet, um die Bodenfeuchtigkeit und die Bodentemperatur zu schützen, die Mikroben im Boden und die Wurzeln der Pflanzen.
Wenn wir so eine Fläche beweiden würden, selbst wenn wir sagen, wir würden nur 50% fressen lassen, dann würde das bedeuten, dass wir sie auf 10 cm runter nehmen. Und das ist viel zu kurz in dieser Hitze und zu dieser Jahreszeit. Wahrscheinlich ist es zu diese Jahreszeit schon trocken und es wird wahrscheinlich noch trockener werden über den Rest des Sommers.
Was wir deshalb sehen wollen, um uns über diese heißen Sommer und weit in den Herbst oder gar in den Winter zu bringen, ist eine ausreichende Futter-Biomasse, bevor wir auch nur darüber nachdenken, eine Fläche zu beweiden.
Das ist, was wir hier sehen. Wenn wir diese Koppel ansehen, die die nächste Koppel sein wird, die wir heute beweiden, dann sehen wir einiges an Diversität und Komplexität bezüglich der Pflanzenarten, die hier vorkommen. Ich sehe mehrere Etagen, das ist, was ich sehen möchte. Ich will hohe Gräser, mittelhohe und niedrigwachsende Arten, und ich will eine Zusammensetzung aus den 3 primären Pflanzengruppen, Gräser, Leguminosen und Kräuter. Wenn wir alle 3 Gruppen haben, ergibt sich eine viel bessere Funktion der Pflanzen, unserer Nutztiere, der ganzen Tierwelt, wie der Vögel usw., und der Mikroben und Mikroorganismen auf und in unserem Boden. All das wollen wir haben.
Wir wurden darauf trainiert zu glauben, unsere Weiden sollten nette, penibel auf eine Höhe frisierte Monokulturen sein.
Aber hier seht ihr, wie eine hochproduktive Weidefläche wirklich ausschaut, mit der Diversität, den verschiedenen Etagen, diesem… manche Leute sagen, es sehe zottig aus, ich sage, es hat ein attraktive Erscheinung. Es schaut nicht monoton aus. Das ist für mich, was es so schön macht, diese großartigen Kontraste.
Das nächste, was uns auffällt, wenn wir durch eine Koppel wie diese laufen: Als erstes sehen wir Mengen an Schmetterlingen, die über diesem Mix fliegen. Sie sind überall. Wir hören eine Menge Vögel im Hintergrund. Auch das wollen wir haben. Da sind Bestäuber, wir sehen eingestreute blühende Pflanzen, fast die ganze Wachstumssaison lang. So ziehen wir einen großen Teil des Jahres Bestäuber an. Und wenn wir durch das Gras waten, sehen wir vor uns Massen von Insekten flüchten. Das ist genau das, was ich sehen will. Je mehr Insekten wir hier drin sehen, desto biologisch aktiver ist diese Weide. Und wenn wir viele Insekten erhalten, dann sollten wir auch viele Prädatoren sehen, z.B. viele Spinnennetze im Morgentau. Wir sehen eine Menge Bestäuber, eine Menge Bienen herumfliegen. Wir wollen in diesem Mix auch viele Spinnen sehen. Viele Spinnen sind ein Zeiger dafür, dass wir eine hohe Insektenaktivität erreichen und sich deshalb reichlich Beute findet, auf die sie lauern. Spinnen sind ein sehr guter Zeiger. Sie zeigen, dass wir anfangen, eine Menge biologischer Aktivität zurück auf unsere Flächen zu holen.
Also nochmal: Dies hier ist ein sehr, sehr gutes Beispiel für einen Aufwuchs vor der Beweidung, einen Aufwuchs, der jetzt bereit ist für die Beweidung. Wir haben einen dichten Bewuchs, wir haben Höhe, wir haben diverse Etagen, wir haben Gräser, Leguminosen und Kräuter, und wir haben hier Pflanzen, die im mittleren Wachstumsstadium oder kurz vor der Reife sind. Das ist ebenfalls wichtig. Denn was wir festgestellt haben ist, dass unsere Nutztiere die beste Leistung bringen, wenn Sie Aufwuchs fressen, er sich um die mittlere Wachstumsphase bewegt. Das tut ihnen besser als Pflanzen die noch im stärksten Wachstumsschub sind. Pflanzen in der stärksten Wachstumsphase enthalten viel zu viel Protein relativ zum Gehalt an Kohlehydraten oder Energie, was zu Verdauungsproblemen bei den Tieren führt. Das sieht man daran, dass der Kot zu dünnflüssig wird. Die Tiere riechen auch unangenehm, weil sie einen Überschuss an Harnsäure produzieren, beim Versuch, den Überschuss an Ammonium und Stickstoff aus dem überschüssigen Protein auszuscheiden.
Viele Leute würden sagen, dieser Aufwuchs sei zu überständig für die Beweidung, für eine optimale Leistung der Rinder. Jetzt schaut euch einfach diese Rinder an. Wir sehen, dass sie sich in herausragender Kondition befinden, obwohl sie genau dieses Futter fressen, jeden Tag.
Wir machen hier eine Menge Grasmast und erzeugen Rindfleisch in USDA-Premiumqualität.
Das ist die Art von Aufwuchs, der Reifezustand, den man dafür benötigt, um hohe Tageszunahmen zu erreichen und den Eiweiß- und Energiekonsum optimal auszubalancieren.“


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Teil 4:



Warum sind arteinreiche Weideflächen eine gute Investition?

(Standort: Montana)
W.: „Auf diesen Weideflächen sehe ich heute wirklichen einiges an Pflanzenarten-Vielfalt. Nach unseren Erkenntnissen ist das eine Voraussetzung dafür, eine hohe biologische Aktivität zu entwickeln und unsere Ökosysteme wieder herzustellen, so wie sie einmal waren. Deshalb macht es mich sehr, sehr glücklich, eine solche Biodiversität zu sehen, wenn ich draußen auf den Flächen unterwegs bin. Ich werde viel darüber sprechen, während des Tages. Aber was wir herausgefunden haben: Je größer die Diversität und Komplexität, die wir auf unseren Flächen entwickeln können, desto besser funktioniert alles, wisst ihr. Es schafft eine Biomimikry und Ökomimikry,“

S.F.: „Ja.“

W.: „die deutlich näher an dem ist, was die Natur tun will.“

(Schnitt mit Standortwechsel nach Missouri)

W.: „Ich habe schon erwähnt, dass wir auch über die Diversität und Komplexität der Pflanzenarten auf unseren Weiden sprechen wollen. Wenn wir uns hier umsehen, erkennen wir eine Anzahl unterschiedlicher Gräser. Wir sehen etwas Knaulgras, wir sehen Trespe, wir sehen Schwingel, wir sehen auf dieser Fläche auch etwas Rohrglanzgras, wir haben auch etwas Deutsches Weidelgras entdeckt. Es gibt also eine Zahl unterschiedlicher… es gibt auch etwas Fuchsschwanz hier drin, die Tiere fressen den Fuchsschwanz gerne im mittleren Reifezustand. Wir haben also eine Reihe von Gräsern, die hier wachsen. Wir haben eine Reihe unterschiedlicher Leguminosen. So, wir haben eine Menge Weißklee, der hier auf dieser Weide wächst. Wir haben auch einiges an Rotklee auf der Weide, ebenso wie hier und dort etwas Luzerne. Wir haben also mehrere unterschiedliche Leguminosen. Und dann sehen wir auch eine Reihe von Kräutern. Wenn wir uns umsehen, entdecken wir einigen Carolina-Nachtschatten, wir sehen einiges an Seidenpflanze. Weiter unten haben wir einige Spitzkletten, wir haben Gänsefuß, wisst ihr, und diverse andere Kräuter.
Wenn wir es schaffen, die Komplexität und Diversität auf unseren Weiden zu fördern, dann führt das zu einer viel größeren Artenvielfalt bei den Mikroben unter der Bodenoberfläche. Und das ist genau das, was wir wollen. Jede einzelne Pflanzenart erzeugt eine unterschiedliche Zusammensetzung von Wurzelausschwitzungen oder Wurzel-Zuckern. Und diese Wurzel-Zucker ernähren die Mikroben. Aber unterschiedliche Gruppen von Mikroben werden von unterschiedlichen Zusammensetzungen von Wurzelausschwitzungen angezogen. Deshalb führt eine höhere Komplexität und Diversität von Pflanzenarten zu einer höheren Komplexität und Diversität an Mikrobenarten unter der Oberfläche.
Dies ist essentiell wichtig, um das zu schaffen, was wir erreichen möchten, indem wir diese Diversität an Mikroben aufbauen, die wiederum die Aggregatbildung im Boden fördern, die im Boden Mineralien lösen und diese so für die Pflanzen verfügbar machen, die uns bei der Schaffung einer größeren Widerstandsfähigkeit unser Pflanzen gegen Schädlinge und Insekten helfen.
Das sind Vorteile, die wir durch den Aufbau der Komplexität erlangen.
Ein weiterer Vorteil ist, dass unsere Nutztiere ihre Diät besser ausbalancieren können. Wenn wir eine Reinkultur oder eine Fast-Reinkultur haben, dann ist das alles, was sie an Auswahl haben. Und wenn diese eine Pflanzenart nicht im optimalen Reifezustand ist, und sie sind in jeder Wachstumssaison nur für eine kurze Zeit im optimalen Zustand, dann werden unsere Nutztiere eine defizitäre Ernährung haben, bezüglich verschiedenster Mineralien und in Bezug auf Eiweiß und Energie usw.
Deshalb sind unsere Nutztiere auf einer Reinkultur oder Fast-Reinkultur viel weniger in der Lage, ihre Ernährung auszubalancieren und eine sehr hohe Leistung zu liefern und ihr Immunsystem stark zu halten, um Krankheiten usw. zu widerstehen.
Je mehr Komplexität und Diversität an Pflanzenarten wir haben, desto besser geling es den Nutztieren, ihre Diät auszubalancieren, die medizinischen wirksamen Stoffe zu nutzen, die anti-parasitäre Wirkung, die wir anstreben.
Es verlängert auch die Weidesaison. Reinkulturen haben ein zeitlich eng begrenztes Optimum während ihrer Wachstumssaison. Sie müssen sich bis zu diesem optimalen Futterwert entwickeln, sie bleiben nur kurze Zeit auf diesem Niveau, und für den Rest der Wachstumssaison fällt ihr Nährwert dann langsam wieder ab. Wir alle wissen das.
Deshalb habt ihr evtl. schon öfter Vorschläge gehört, das Futter zeitlich oder durch Anbau unterschiedlicher Arten auf unterschiedlichen Flächen zu staffeln. Das ist teuer. Eine zeitliche oder räumliche Staffelung des Anbaus kostet immer eine Menge Geld und erfordert hohen Aufwand.
Wir dagegen machen das praktisch auf jeder Weide, indem wir Diversität und Komplexität bei unseren Pflanzenarten erzeugen. Wenn eine bestimmte Pflanze ihr Optimum erreicht hat und anfängt an Futterwert zu verlieren, springen andere in die Bresche und füllen diese Versorgungslücke. So kann unsere Weidesaison im Frühjahr eher beginnen, sie kann die ganze aktive Weidesaison auf hohem Niveau bleiben, und sie hält länger durch, in den Herbst hinein.“


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Teil 5:



Wie man Biomimikry einsetzt, um die Gesundheit der Tiere und der Weide zu fördern.

(Standort Montana)

W.: „Was wir herausgefunden haben: Je größer die Diversität und die Komplexität ist, die wir auf unseren Weiden entwickeln können, desto besser funktioniert alles. Es erzeugt eine Biomimikry und eine Ökomimikry, die deutlich besser das simuliert, was die Natur tun möchte.
Dank all dieser Diversität und Komplexität, die ihr bereits auf euren Weiden geschaffen habt, herrscht eine stetige Sukzession von Pflanzenarten über die ganze Saison hinweg, Jahr für Jahr, Jahrzehnt für Jahrzehnt. Und diese Sukzession geschieht in verschiedener Hinsicht.
Zunächst einmal habt ihr Pflanzen, die verschwinden werden und andere werden sich ausbreiten im Lauf der Zeit. Und 4 oder 5 Jahre später werden evtl. manche dieser ausdauerenden Pflanzen verschwinden und wieder andere werden ihren Platz einnehmen. Aber trotzdem werdet ihr weiter Diversität aufbauen. Statt also zurück zu monotoneren Strukturen, in Richtung Monokultur zu fallen, wird euch diese Methode der Beweidung erlauben, 4 Dutzend, 5 Dutzend, 8 Dutzend und mehr Pflanzenarten hier anzusiedeln, im Lauf der nächsten Jahrzehnte.
Im Kern führt ihr also dies hier im Lauf der Zeit zurück hin zu einem viel natürlicheren Ökosystem. Denn wenn wir zurückblicken auf jedwede Art von Grasland, die früher existierte, Prärien usw.: Diese hatten zu jedem Zeitpunkt mehrere Hundert Pflanzenarten, die auf ihnen wuchsen. Mehrere Hundert. Und nochmal: Auch in einem völlig natürlichen Ökosystem würden bestimmte Pflanzenarten zunehmen oder zurückgehen über die Jahre und Jahrzehnte hinweg.
Wenn die Natur einen viel besseren Job für uns macht, egal für wie schlau wir uns halten und trotz all unserer Ausbildung, wenn die Natur tatsächlich einen viel besseren Job macht, bei der Selektion der Rinder, die in unserer Umgebung funktionieren, warum meinen wir dann, dass die Natur das nicht auch bezüglich der Pflanzen tun würde, mit denen wir unsere Tiere füttern? Warum denken wir, dass wir herkommen und ausgesuchte, verbesserte Sorten und Varianten von Pflanzen ansäen müssten, um irgendetwas zu erreichen, das die Natur nicht könnte?“

S.F.: „Tom Lasater pflegte zu sagen, dass die Natur intelligenter sei als wir alle zusammen. Deshalb überlasse ich ihr alles Denken und den Großteil der Arbeit.“


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Re: Lehrvideos Adaptive Beweidung

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Teil 6:




Warum sollte man mit mehreren Nutztierarten beweiden?

W.: „Einer der Sachverhalte, die wir bei unserer Arbeit erkannt haben, ist, dass wir nicht nur aus der größeren Diversität und Komplexität unseres Pflanzenarten-Mixes Vorteile ziehen, sondern dass auch durch das Hinzufügen mehrerer Nutzarten Vorteile, genauso wirkungsvolle Vorteile, entstehen.
Einige Beispiele sind z.B. die komplementären und symbiontischen Beziehungen zwischen großen Wiederkäuern, wie Fleischrindern, die zusammen mit z.B. Geflügel auf der Weide gehalten werden, oder mit kleinen Wiederkäuern und/oder Weideschweinen.
Sie alle grasen oder nutzen die Pflanzen auf unterschiedliche Weise. Und sie haben alle unterschiedliche Wirkungen auf den Boden.
Aber noch wichtiger: Sie liefern alle zusätzliche Mikrobenarten und sogar zusätzliche mikrobielle Kommunikation und mikrobielle Wechselwirkungen.
Mikroben existieren im Speichel im Maul jedes dieser Weidetiere und Mikroben werden auch über den Kot aus den Körpern ausgeschieden. Und diese Mikroben wechselwirken tatsächlich mit den Mikroben im Boden und kommunizieren mit ihnen, um deren Reaktion, um deren Reproduktions- oder Replikationsrate zu erhöhen.
Wir sehen, dass die höhere Diversität und Komplexität der Pflanzenarten in Kombination mit einer höheren Diversität bei unseren Nutztierarten tatsächlich nicht nur eine lineare Reaktion, sondern eine exponentielle Reaktion bewirkt, die sehr positiv ist.
Es erlaubt uns auch, das zu tun, was wir gestapelte Hektar nennen. Wir können mehrere Betriebszweige auf den exakt selben Hektar betreiben, die wir vorher z.B. nur für Fleischrinder genutzt hatten.
Jetzt haben wir zusätzliche Einkommensströme integriert. Wir haben Geflügel integriert, wir haben kleine Wiederkäuer integriert, evtl. haben wir die Produktion von Weide-Schweinefleisch integriert.
Jetzt erledigen wir auf den exakt selben Hektar nicht nur einen schnelleren und besseren Job beim Aufbau zusätzlicher organischer Masse im Boden und einer intensiveren Bodenreaktion, sondern wir schaffen auch zusätzliche, sehr wertvolle Einkommensquellen.“

Dan Jennings (Jennings Hidden Acres, Pope County, Minnesota):
“Ich denke, in den meisten oder allen Fällen, wo wir die Mutterschafe und Kühe zusammen in einer Herde hatten, hätte man hinterher nicht sehen können, dass wir das gemacht haben. Und ich meine das so: Wenn wir die gleiche Zahl an Kühen alleine da raus stellen, fressen sie das Gras auf. Und wenn ich die gleiche Zahl von Schafen alleine da raus stelle, fressen sie das Gras auf. Und ihr werdet visuell sehen, dass das Gras gefressen wurde. Aber wenn man diese zwei Arten zusammen weidet, dann decken beide ihren Bedarf, aber das Gras sieht hinterher genauso aus. Deshalb würde ich feststellen, dass sie sich gegenseitig ergänzen und man so mehr Produktion aus den gleichen Hektar erhält, weil man damit eine zusätzliche Tiergruppe ernährt hat.“


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Re: Lehrvideos Adaptive Beweidung

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Teil 7:



Wie man mit Rücksicht auf die Wildtiere weidet:

W.: „Es gibt noch eine Reihe weiterer Vorteile, die wir aus Landschaften wie dieser ziehen, die wir nicht unterschätzen dürfen, die sehr wichtig für unsere Ökosysteme sind.
Das hier (Anm.: Zeigt auf ein Vogelnest) ist ein perfektes Beispiel. Wenn wir solche Strukturen schaffen, wenn wir nach der Beweidung diesen Trampelmulch und diese Reste von stehendem Altgras belassen, schaffen wir damit ein wunderbares Vogel-Habitat.
Ich arbeite schon seit einigen Jahren mit Audubon (Anm.: Audubon ist die älteste Vogelschutz-NGO der Welt, gegründet 1905) zusammen, um Konzepte für mitweltgerechtes Ranching, für eine vogelfreundliche Beweidung, zu entwickeln.
Dies hier ist eines der Themen, über das wir dort sprechen, wie man durch Beweidung Lebensräume schaffen kann, die maßgeblich für unsere Vogelbestände sind, für Bodenbrüter, für Singvögel, für Zugvögel. Sie alle benötigen ein geeignetes Habitat. Und als Bewirtschafter der Flächen können wir unsere Nutztiere gezielt einsetzen, um Nist-Habitate, Brut-Habitate, Futter- und Schutzhabitate für die Vögel zu schaffen.
Dies hier ist wirklich ein großartiges Beispiel, wie man das macht. Ich wage die Aussage, dass die Wachtelpopulation deutlich zugenommen hat, hier auf Steven Judys Farm, weil sie hier, auch wenn es evtl. nicht mit Absicht geschehen ist, sie einfach durch die Art, wie diese Flächen mit den Methoden des Adaptiven Weidemanagements beweidet wurden, alle Habitate geschaffen haben, die Wachteln als Bodenbrüter benötigen, um zu prosperieren. Deshalb denke ich, sie sehen hier, wir eine Menge Wachteln zurückkommen, genau wie viele andere Vogelarten.
Wir sehen dies buchstäblich überall in Nordamerika, wo wir auf diese Weise beweiden können, dass diese Unterschiede im Habitat, die durch das entstehen, was wir nach der Beweidung zurücklassen, sich sehr positiv auf die Vogelpopulationen auswirken.
Diese Erfolge sind der Grund dafür, weshalb Audobons Naturschutz-Beweidungsprogramm so massiv ausgeweitet wurde. Und die meisten Farmer und Rancher sind echte Vogelfreunde, sie mögen die Wildtiere. Und sobald sie sehen, was erreicht werden kann, wenn man auf diese Art des Adaptiven Managements umstellt, dann triggert das etwas in ihnen, noch mehr zu machen, noch mehr positive Effekt für die Wildtiere zu erreichen.“


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Re: Lehrvideos Adaptive Beweidung

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Teil 8:



Was kann man lernen, wenn man auf der Weide ein Loch gräbt?

W.: „Wir befinden uns hier inmitten eines schönen, dichten Aufwuchses. Was ich demonstrieren möchte, ist das hohe Niveau von Bodenaggregat-Bildung, das wir sehen, wenn wir viele Wurzeln im Boden haben. Wir sehen all diese kleinen Krümel, die so ähnlich aussehen wie die Körnchen im Hüttenkäse. Wir nennen sie auch den Hüttenkäse des Bodens. All diese Krümel, die wir hier sehen, die nennen wir Bodenaggregate. Das ist es, was wir sehen wollen. Die Bodenpartikel sind durch biotische Klebstoffe zu Krümeln verbunden. Durch das Glomalin, welches von den Mykorrhizapilzen erzeugt wird, und die anderen biotischen Klebstoffe, die von anderen Arten von Pilzen und von Bodenbakterien erzeugt werden.
Je mehr biologische Aktivität wir hier drin erhalten, und je besser ausbalanciert diese biologische Aktivität ist, bezüglich des Verhältnisses von Bakterien zu Pilzen, desto mehr Aggregatbildung sehen wir. Hier sehen wir eine Aggregatbildung, die an der Bodenoberfläche beginnt und so tief nach unten reicht, wie wir heute mit dem Spaten vordringen konnten.
Wenn man es schafft, eine schöne, tiefe Aggregatschicht zu erzeugen, dann wirkt diese wie ein Schwamm. Und der Boden ist in der Lage, jeden Niederschlag, den ihr erhaltet, sehr schnell aufzusaugen und zu speichern. Obwohl sie hier durch eine Dürrephase gegangen sind, sehen wir unten noch immer feuchten, kühlen Boden. Das ist genau das, was wir erreichen möchten.

Eine weitere Sache, die wir feststellen:
Ich habe über die Pflanzen gesprochen, und wie wir die Menge an sekundären Stoffwechselprodukten, die eine Pflanze erzeugt, am Geruch erkennen können.
Auch über den Boden können wir anhand seines Geruchs eine Menge aussagen.
Boden, der ein hohes Niveau an biologischer Aktivität hat, hat eine Menge Aggregate, was bedeutet, dass er eine gute Balance von bakterieller und pilzlicher Aktivität hat, besonders Mykorrhiza-Aktivität. Ein solcher Boden hat einen sehr erdigen, angenehmen Duft. Und das ist genau, was wir haben möchten. Wir möchten einen tiefen, reichen, erdigen Duft, der sehr, sehr gut riecht.
Die Meisten von uns, die mit der Landwirtschaft aufgewachsen sind, können sich aus ihrer Kindheit an diesen Duft erinnern. Aber in den seither vergangenen Jahrzehnten haben die Böden durch die zunehmende Degradation diesen Duft verloren.
Viele unserer landwirtschaftlichen Böden sind heute stark bakteriendominiert. Das erkennen wir sowohl am Fehlen der Bodenaggregate, als auch am Geruch des Bodens. Boden, der stark von Bakterien dominiert wird, hat einen unangenehmen Geruch. Er kann wahlweise metallisch, schwefelig, säuerlich oder muffig riechen. All diese Gerüche oder Aromen sind nicht erstrebenswert. Sie deuten an, dass wir entweder einen zu hohen Anteil anaerober Aktivität, mit einer Menge anaerober Bakterien, haben, oder insgesamt einen zu hohen Anteil von Bakterien, ob aerob oder anaerob.
Dieser Boden hier entwickelt definitiv ein mehr erdiges Aroma, was genau das ist, was wir haben möchten. Und wenn wir das hier herausziehen (Anm.: Zieht am Rand des Lochs einen Büschel Gras samt Wurzeln heraus) dann sehen wir Aggregate, die an diesen Wurzeln haften. Und das ist exakt, was wir sehen wollen. All diese kleinen Krümel, die an den Wurzeln hängen, sind Bodenaggregate.

Worauf wir ebenfalls achten sollten: Dieses Ausmaß von Mulch an der Bodenoberfläche. Bei gut gemanagten Böden, die immer bedeckt sind, sehen wir immer eine gewisse Menge an Mulch auf der Bodenoberfläche. Das ist wichtig. Offensichtlich ist das altes, totes Pflanzenmaterial, das letztendlich von Käfern und Regenwürmern und Springschwänzen und anderen Organismen abgebaut wird, aber auch von saprophytischen (Anm.: Totes organisches Material zersetzenden) Pilzen, die nahe an der Bodenoberfläche leben, um dabei zu helfen, dieses Material weiter zu zerkleinern und es in neuen Humus, neue organische Substanz umzuwandeln.
Diese Mulchschicht schaut ganz gut aus. Sie ist nicht zu dick, relativ dünn, aber gerade dick genug, um unseren Boden zu schützen, um ihn bedeckt und feucht zu halten. Sie ist nicht zu dick, was darauf deuten würde, das wir keinen ausreichenden mikrobiellen Abbau und keinen ausreichenden Abbau durch Insekten hätten.
Also nochmal, wir haben hier eine gute Mulchschicht. Aber wenn wir eine Mulchschicht von mehreren Zoll Dicke hätten, dann würde das darauf hindeuten, dass sich das organische Material auf der Bodenoberfläche anhäuft, weil zu wenig Leben da ist, um es abzubauen, weil uns die biologische Aktivität fehlt, das zu erledigen.

Hier liegt ein gutes Verhältnis von Kohlenstoff zu Stickstoff vor, das für uns arbeitet, das uns erlaubt, die Mulchschicht an der Bodenoberfläche abzubauen und in neue organische Substanz umzuwandeln. Und wie ich sagte, haben wir all diese Bodenaggregate, die wir hier unten an den Wurzelhaaren haften stehen. Und wir sehen dieses hüttenkäseartige Erscheinungsbild des Bodens. Das ist besonders bei Dürre sehr wichtig. Wenn es sehr trocken wird, dann kann diese Art von Bodenaggregaten deutlich mehr Feuchtigkeit speichern, so dass dieses Gras weiter wachsen und gedeihen kann. Und offensichtlich befinden wir uns hier in einem sehr dichten Aufwuchs. Es ist schwierig, überhaupt durch den Aufwuchs bis zur Bodenoberfläche vorzudringen. Und obwohl Steven Judy hier eine wirklich starke Dürrephase hatte, wächst dieses Gras noch immer sehr gut. Es ist offensichtlich, dass diese Aggregatschicht ihren Job erledigt, Wasser aufzufangen und zu speichern.“


Manfred
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Re: Lehrvideos Adaptive Beweidung

Beitrag von Manfred »

Teil 9:



Wie man die „Herde im Boden“ managt:

W.: „Jetzt lasst uns darüber sprechen, was unter der Bodenoberfläche passiert.
Im Boden haben wir diverse Synergieeffekte. Die Pflanzen, die ein breiteres Angebot von sekundären Stoffwechselprodukten produzieren, produzieren auch ein breiteres Angebot von Wurzelexsudaten bzw. Zuckern. Diese Stoffe ernähren die Mikroben im Boden. Unterschiedliche Mikroben werden von unterschiedlichen Zusammensetzungen von Wurzelausschwitzungen angezogen. Je größer also die Diversität und Komplexität der ersten Stufe, der Pflanzen, ist, und je mehr Wurzelmasse wir haben, je tiefer die Wurzeln in den Boden reichen, desto mehr Mikroben produzieren wir.
Je mehr Wurzelexsudate die Pflanzen produzieren, desto mehr Mikrobenarten rekrutieren sie.
Dann haben wir eine größere Artenvielfalt bei den Mikroben, wir haben eine viel größere Population von Mikroben, und ihre schiere Masse ist wichtig, damit sie ihre Arbeit erledigen können.
Das ist, als ob man ein einziges Pfund Dünger nehmen und von ihm erwarten würden, dass er den Job von 200 Pfund erledigt. Das ist nicht möglich. Richtig?“

Zuschauer: „Richtig.“

W.: „Denkt in gleicher Weise über die Mikroben. Wenn wir eine sehr kleine Population von Mikroben haben, dann kann diese nicht ansatzweise die Arbeit bewältigen, die eine sehr starke Population leisten kann.
Und was ist diese Arbeit? Sie ist, die Bodenaggregatschicht aufzubauen, um unsere Wasserinfiltrationsraten zu verbessern. Sie ist, die Gesundheit der Pflanzen zu verbessern. Sie ist, gebundene Nährstoffe aus dem Boden zu lösen und sie an die Wurzeln der Pflanzen zu verfüttern, um diese Pflanzen stärker und gesünder zu machen und reicher an Mineralien, für eure Nutztiere, damit diesen eine viel höhere Mineralien- und Nährstoffdichte zur Verfügung steht.
Also verbessern wir wieder unsere Pflanzen und unsere Nutztiere. Und wenn wir diese Pflanzen im mittleren Reifestadium oder darüber halten, und wenn wir beim Grasen nicht zulassen, dass unsere Tiere die Pflanzen zu tief abfressen, wenn wir die Pflanzen 12,5 cm bis 15 cm hoch belassen, wenn wir die Tiere von der Fläche nehmen, dann wird das Wurzelwachstum im Boden nur sehr wenig gebremst. Sonst sterben die Wurzelhärchen ab und die Wurzelmasse schrumpft. Wenn das passiert, dann habt ihr eine Reihe negativer Folgewirkungen. Wenn die Wurzelmasse abstirbt und zurückgeht, dann fangen auch diejenigen Mikroben, die auf die Wurzeln als Nahrungsquelle und für ihre Wasserversorgung und ihren Schutz angewiesen sind, an abzusterben. Richtig?

Zuschauer: „Richtig.“

W.: „Wenn sie absterben, dann verlieren wir diese wichtige Mikroben-Biomasse. Wenn die Wurzelhärchen absterben, dann zieht sich auch der lebende Teil der Wurzeln mehr in Richtung Oberfläche zurück. Wenn es dann heiß und trocken ist, wenn wir jetzt August hätten, wenn es in dieser Situation heiß und trocken wird, dann sind eure Pflanzen viel anfälliger in dieser Phase. Wenn euch dann die Trockenheit erwischt, bekommt ihr ernsthafte Probleme und müsst im Herbst und Winter viel, viel eher anfangen, Heu zu füttern, als ihr geplant hattet.
Wenn wir es nicht zu kurz abweiden und ein Minimum von 12,5 cm bis 15 cm zurücklassen, dann schützen wir unsere Mikroben. Aber wir erhalten auch die Beschattung des Bodens, um die Bodenfeuchtigkeit zu schützen und die Bodentemperatur, was dann wiederum die Mikroben und all die Regenwürmer und all die Insekten, Käfer, Zerkleinerer, Zersetzer und alles andere schützt, was da unten für uns arbeitet, was wir schützen wollen.
All das arbeitet in Synergie.

Weitere Vorteile sind, dass wir anfangen, viel mehr Bestäuber zu sehen. Wir haben hier auch Bienenstöcke stehen. Es ist also sehr wichtig für eure Honigbienen und all die wilden Bestäuber, die sich hier aufhalten. Wir bieten ihnen eine Chance. Wir sehen als Lohn die Rückkehr von Bodenbrütern und vielen anderen Vögeln. Und wir sehen viele weitere Wildtierarten, die unsere Flächen attraktiver finden. Und unsere Wasserqualität wird besser. Wir sehen all diese positiven Effekte.

Wenn wir uns die Kräuter hier draußen ansehen, und ihr Fachleute wisst, dass: Disteln sind opportunistisch, richtig?“

Zuschauer: „Mhm. Ja.“

W.: „OK, und sie sind immer präsent in dieser Saatgutbank. Sie sind immer da. Sie warten nur auf die richtigen Bedingungen für sie, um sich zu entfalten.
Genauso ist es mit den Mikroben, zumindest sehr ähnlich. So wie die diese Kräuter in Form von Samen im Boden liegen und auf die passenden Bedingungen warten, um zu keimen und zu wachsen, OK, so machen es auch die Mikroben. Sie überdauern im Boden in Form von Sporen. Das ist ihre Art von Samen, OK, die darauf warten, dass die richtigen Bedingungen eintreten, damit sie, in Anführungszeichen, „keimen“ und wachsen, OK.
Es ist also das genau gleiche Prinzip.
Unsere Praktiken bestimmen, genau wie unsere Praktiken die Zusammensetzung von Pflanzenarten bestimmen, die wir hier draußen sehen, die dominieren, so bestimmen unsere Praktiken auch die Zusammensetzung der Mikrobenarten, die wie wir draußen sehen werden, die im Boden aktiv werden.
Das ist also essentiell wichtig, um die Dinge zu erreichen, die wir durch den Aufbau der Mikrobenpopulationen erreichen möchten, die da sind: Der Aufbau der Bodenaggregatschicht, das Lösen von im Boden gebundenen Nährstoffen und ihre Verfügbarmachung für die Aufnahme durch die Pflanzen, und die Förderung einer besseren Resistenz unserer Pflanzen gegen Krankheiten und Insekten.


Manfred
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Re: Lehrvideos Adaptive Beweidung

Beitrag von Manfred »

Teil 10:




Warum sind Mistkäfer wichtig?

W.: “Hier sehe ich übrigens einen Mistkämpfer, genau in dieser Vertiefung. Wir können sehen, wie der Mistkäfer über den Kuhfladen läuft.
Es gibt 3 primäre Typen von Mistkäfern. Die Bohrer, die Einnister und die Roller.
Der Mistkäfer, den wir hier über den Fladen laufen sehen, und jetzt in ihn hinein, ist ungefähr so groß wie der Nagel eures kleinen Fingers. Diese Mistkäfer werden Einnister genannt. Die Einnister sind von mittlerer Größe, und man sieht sie auf den Fladen aus ihren Tunneln kommen und wieder darin verschwinden. Sie graben gewundene Tunnel durch den Fladen bis in den Boden und sie bewegen Dung hinunter in den Boden und Boden hoch in den Dung, während sie diese Tunnel bauen.
Eine andere Gruppe von Mistkäfern sind die sehr kleinen Mistkäfer, die Bohrer oder Tunnelbauer genannt werden. Die Bohrer sind ungefähr so groß wie ein Stecknadelkopf. Sie sind also sehr klein, sehr schwer zu sehen. Aber wenn ihr diese habt, dann sieht die Oberfläche der Fladen aus, als ob jemand mit einer Nadel darin herumgestochert hätte. Sie werden Bohrer genannt, weil sie praktisch nur senkrecht rauf und runter arbeiten. Vom Fladen runter in den Boden und von dort wieder hoch in den Fladen.
Die größten Mistkäfer, die so groß wie das erste Glied eures Daumens sein können, werden Roller genannt. Diese Mistkäfer formen Kugeln aus Dung, aus den Fladen, und rollen diese dann rückwärts, indem sie sie mit ihren Hinterbeinen anschieben, zu ihrem Bau im Boden. Sie rollen all diese Dungkugeln in ihre Bauten im Boden. Und typischer Weise werden diese Bauten relativ nahe an den Mistfladen angelegt.
Während wir… Da ist schon wieder ein Mistkäfer, der sich auf diesem Fladen zeigt, ein weiterer Einnister. Während wir also unsere Biologie hier aufbauen, fangen wir an zu sehen, wie eine wachsende Zahl dieser unterschiedlichen Mistkäfer zurückkehrt.
Und wenn wir eine ausreichende Population mit Mistkäfern haben, dann passiert folgendes: Wenn genug Mistkäfer da sind, dann können diese einen Dungfladen in 3 bis 5 Tagen buchstäglich komplett zerlegen. Die Dungfladen können komplett in den Boden verschwinden.
Und wenn wir das schaffen, wenn wir diese Masse an Mistkäfern haben, dann brechen wir, dann brechen die Mistkäfer, komplett den Fliegen-Zyklus und den Zyklus der Endparasiten, der Würmer unserer Rinder, weil deren Eier und Larven in den Dungfladen stecken. Und wenn die Mistkäfer den Fladen komplett verarbeiten, dann sterben diese Eier und Larven ab, der Dung wird gereinigt.
Das ist eine großartige Methode, diese Zyklen zu brechen, von denen wir dachten, sei wären bei unseren Rindern systemimmanent.


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