Lehrvideos Adaptive Beweidung

Manfred
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Teil 11:



Wie man mittels einer Grube im Boden die Wurzeltiefe ermittelt.

W.: „Ich stehe hier auf Steve Judys Farm in einer Grube, die gestern mit einem Baggerlader ausgehoben wurde. Wie ich vorher schon angesprochen habe, war es hier sehr trocken. An den Seiten dieser Grube könnt ihr sehen, dass diese sehr schnell ausgetrocknet ist, nachdem der Bagger sie gegraben hatte.
Es gibt hier diverse sehr wichtige Dinge zu sehen, die ich euch zeigen möchte.
Eines davon ist: Wenn ich hier entlang der Wand mit meiner Schaufel eine dünne Schicht absteche, dann sehen wir, dass darunter noch immer kühler, feuchter Boden zu finden ist. Es ist also noch immer Wasser gespeichert, hier den tieferen Schichten des Bodens, trotz der anhaltenden Trockenheit.
Auf was ich euch außerdem hinweisen möchte ist, wie tief viele dieser Wurzeln in den Boden reichen. Das ist einer der Punkte, wo uns die Methoden der Adaptiven Beweidung wirklich einen sehr großen Vorteil bieten. Abgesehen davon, dass die Pflanzenvielfalt gefördert wird, wachsen auch die Wurzeln viel, viel tiefer in den Untergrund. Und wenn ihr euch diese Grube anschaut, seht ihr, dass das hier absolut der Fall ist. Wenn ihr die Wände der Grube anschaut, seht ihr Wurzeln, die in verschiedene Bodentiefen vordringen. Wir haben hier oben Wurzeln, und wir haben sogar Wurzeln, die bis ganz nach unten reichen, 60 cm, teils über 90 cm tief. Hier ist eine Wurzel, die bis 90 cm
Tiefe reicht. Wenn ich hier die Wand abkratze, finde ich immer mehr Wurzeln. Das ist eine wirklich motivierende Wurzeltiefe. Und sogar in dieser Tiefe sehen wir einige kleine Aggregate an den Wurzelhaaren hängen. Sogar in dieser Tiefe fangen wir an, Bodenaggregate aufzubauen, an unseren Wurzeln und in Zusammenarbeit mit unseren Wurzeln. Das ist sehr ermutigend. Das ist genau das, was wir sehen wollen.
Wenn es uns gelingt, die Wurzeln tiefer und tiefer in den Boden wachsen zu lassen, bringt uns das eine ganze Reihe von Vorteilen.
Ein Vorteil ist klarer Weise, dass wir Kanäle schaffen, durch die das Wasser viel tiefer in den Boden eindringen kann.
Wurzeln arbeiten mit Mikroben zusammen, wie wir wissen. Wenn wir die Wurzeln tiefer in den Boden treiben, dann schaffen wir einen viel größeren Lebensraum für unsere Mikroben.
Wenn unsere durchschnittliche Wurzeltiefe nur 15 bis 25 cm betragen würde, dann wäre unsere gesamte Mikrobenpopulation hier oben. Wenn die Wurzeln aber tiefer und tiefer in den Boden wachsen, 90 cm und tiefer, dann schaffen wir deine deutlich umfangreiche Mikrobenpopulation.
Und als Beweis dafür sehen wir an diversen dieser tieferen Wurzeln einiges an Bodenaggregaten anhaften.
Das ist offensichtlich das, was wir suchen. Das ist, was Steve und Judy versuchen zu fördern. Und ich möchte euch alle ermutigen, das einfach mal zu versuchen, an der einen oder anderen Stelle eurer Farm eine Bodengrube auszuheben und abzuschätzen, wo ihr euch aktuell befindet, herauszufinden, was eure durchschnittliche Wurzeltiefe ist und wie tief einige eurer Pflanzenarten vordringen, damit ihr wisst, wo ihr euch befindet und was ihr zukünftig aufbauen müsst.“


Manfred
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Teil 12:



Wie man die Bodentemperatur misst.

W.: „Ich habe hier (Anm.: Er steht an einer Stelle mit hohem Grasbewuchs) heute ein Bodenthermometer platziert, um zu sehen, wie hoch unsere Bodentemperatur ist, an dieser Stelle, wo wir eine gute Bodenbedeckung haben und so den Boden schützen und beschatten.
Wenn ich das Gras zur Seite schiebe, sehen wir, dass die Bodentemperatur 21 °C beträgt, an einem heißen Tag in Missouri. Wir haben 32 °C Lufttemperatur und unsere Bodentemperatur beträgt nur 21 °C. Wir haben hier reichlich Beschattung und Feuchtigkeit und diese 21 °C sind eine ideale Temperatur für das Funktionieren der Mikroben und für das Pflanzenwachstum.

(Anm.: Ortswechsel an eine Stelle, wo der Bewuchs ca. 10 bis 15 cm hoch gemulcht wurde.)
An dieser Stelle hier wurde der Bewuchs testhalber gemulcht, um zu sehen, ob das einen Vorteil bringt. Aber Steve hat bemerkt, dass auf dieser Fläche viele Bodenbrüter-Nester sind und er hat den Versuch deshalb gleich wieder abgebrochen.
Aber ich wollte euch den Unterschied bei der Bodentemperatur zeigen, zwischen dem frischen, hohen Aufwuchs und dieser gemulchten Fläche. Hier ist die Temperatur 11 °C höher. Drüben hatten wir 21°C, hier sehen wir eine Bodentemperatur von 32°C.
Wir haben noch immer einen bedeckten Boden, durch das Mulchen. Wir haben eine Mulchschicht, aber diese Mulchschicht schützt nicht annähernd so gut wie drüben die tiefen Wurzeln und die verdunstenden Pflanzen über der Bodenüberfläche.

(Anm.: Ortswechsel zu einer Stelle mit offenem Boden)
Jetzt sind wir weitergegangen zu einer Stelle neben dem Wassertrog und der Salzlecke. Und ihr könnt sehen, dass sich die Rinder hier konzentriert und den Boden etwas zertrampelt haben, und so haben wir etwas nackten, exponierten Boden um die Salzlecke.
Ich habe das Thermometer rein gesteckt und wir lesen 40 °C.
Die Lufttemperatur beträgt aktuell 30 °C. Wo wir schönen, dichten Bewuchs hatten, lag die Bodentemperatur bei 21°C. Unter der gemulchten Fläche hatten wir 32 °C Bodentemperatur, und hier, wo wir nackten Boden haben, haben wir 40 °C Bodentemperatur. Das ist ein Unterschied von fast 20 °C.
Das ist ein wirklich erheblicher Unterschied bezüglich seiner Wirkung auf die Mikrobenpopulation und die Wachstumsgeschwindigkeit der Pflanzen.

Vor zwei Wochen, nur um euch ein Beispiel zu nennen, waren wir oben in der Provinz Nord Alberta, nur ca. eine Stunde südlich der Yukon-Region, so weit im Norden Kanadas. Und wir haben dort Bodentemperaturen gemessen. Wir waren draußen auf einer Ranch und haben die Bodentemperatur gemessen, wo sie eine schöne, dichte Grasnarbe wie diese hatten. Die Bodentemperatur betrug 19 °C. Dann gingen wir an eine Stelle mit nur spärlichem Bewuchs und dort betrug die Bodentemperatur 52 °C. Im Norden Albertas! Sogar so weit im Norden kann man den Boden derart aufheizen. Wenn wir den Boden aufheizen, dann schädigen wir unsere Pflanzen, wir schädigen… unsere an der Bodenoberfläche vorkommenden Insekten verschwinden buchstäblich, weil sie keinen heißen Boden mögen. Sie suchen sich einen Ort, der ihnen besser bekommt. Und unsere Regenwürmer, was machen die? Sie graben sich tiefer in dem Boden. Sie stellen ihre Arbeit für uns ein, all dieses organische Material, dass wir auf die Bodenoberfläche getrampelt haben, zu zersetzen. Wir verlieren all das. Wir fangen auch an, unsere Mikrobenpopulation zu verlieren, wenn die Bodentemperatur zu hoch wird. Wenn die Bodentemperatur 38 °C übersteigt, und das kann sehr schnell passieren, an einem Sommertag überall in Nordamerika, wenn ihr exponierten Boden habt. Und dafür braucht der Boden nicht mal nackt zu sein. Es reicht schon, wenn ihr den Bewuchs zu tief abgeweidet habt. Dann fehlt die Beschattung. Dann ist nicht mehr ausreichend Pflanzenmaterial übrig, um den Boden zu beschatten. Wenn das Sonnenlicht direkt bis zum Boden vordringen kann, dann wird dieser Boden merklich aufgeheizt. Bei 38 °C Bodentemperatur fangen unsere Mikroben an zu sterben. Und wenn wir 54 °C bis 60°C erreichen, dann killt ihr buchstäblich eine ganze Menge dieser Bodenmikroben. Dann haben wir einen großen Teil dieser Mikrobenpopulation verloren, die wir so dringend benötigen, für den Nährstoffkreislauf, für den Wasserkreislauf, für die Ernährung der Pflanzen usw.

Ein weiter Punkt ist der Feuchtigkeitsverlust durch die Verdunstung. Wenn der Boden 38°C warm wird, dann sind bereits 85 % unserer Bodenfeuchtigkeit verloren. Dann stehen nur noch 15% für das Pflanzenwachstum zur Verfügung. Bei einer Bodentemperatur von 24 °C dagegen, wo der Boden beschattet ist, stehen uns noch 100% der Bodenfeuchtigkeit für das Pflanzenwachstum zur Verfügung und für die Mikroben.

Deshalb ist es von kritischer Bedeutung, dass wir, besonders wenn wir in den Sommer hinein gehen, sicherzustellen, dass wir unsere Weiden nicht zu kurz abfressen lassen.
Meine Empfehlung, was wir herausgefunden haben, was am besten funktioniert, besonders zu dieser Zeit, ist: Lasst eure Tiere die Weiden nicht kürzer als 12,5 cm bis 15 cm minimale Aufwuchshöhe abfressen. Wenn ihr mindestens 12,5 cm bis 15 cm zurücklasst, dann habt ihr reichlich Blattmaterial, um den Boden zu beschatten und die Bodenfeuchtigkeit und die Bodentemperatur zu schützen.
Und ihr lasst so auch ausreichend Blattfläche an den Pflanzen, ausreichend Solarmodule an den Pflanzen, für die Photosynthese, und so wachsen die Pflanzen viel schneller nach.
Was versuchen wir im August, im September zu tun? Wir versuchen einen stehenden Futtervorrat aufzubauen, um unsere Rinder, unsere Schafe, was auch immer für Nutztiere wir halten, den Winter über zu ernähren. Und wenn wir ausreichend Solarmodulfläche übrig haben, dann fällt es uns ungleich leichter, diesen Wintervorrat wachsen zu lassen. Und wir können einen sehr brauchbaren Wintervorrat wachsen lassen.“


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Teil 13:



Braucht ihr Schatten auf euren Weiden?
W.: „Es ist Mittag. Wo ist euer Schatten?“
J. F.: „Hier haben wir keinen.“
W.: „Wo sind die Kühe? Sie sind hier und grasen, richtig?“
J.F.: „Ja.“
W.: „Das ist eine Feststellung, die wir überall machen konnten, egal wo wir unterwegs waren, dass Rinder, die einen sauberen Wechsel vom Winter- zum Sommerfell aufweisen, Rinder sind, die sich viel besser an das Klima der jeweiligen Region anpassen.“
J.F.: „Wir haben Schatten auf vielen unserer Weiden. Und wir haben festgestellt, dass, außer evtl. an den allerschlimmsten Tagen, wenn wir am Nachmittag hier raus kommen, die Rinder meistens draußen stehen und grasen, oder dass, wenn wir mitten am Nachmittag kommen, und eine neue Koppel für sie öffnen, sie dann glücklich und froh sind und grasen. Und danach legen sie sich einfach mitten auf der Weide hin, sie suchen nicht so sehr den Schatten, wie es viel andere Rinder tun.“
W.: „Ja.“
J.F.: „Es ist nicht so, dass sie den Schatten nicht nutzen, wenn welcher verfügbar ist, aber sie sind nicht darauf angewiesen.“
W.: „Es ist also kaum ein Thema, obwohl ihr hier unten um Süden ansässig seid, und Hitze und Feuchtigkeit durchaus Probleme machen könnten.“
J.F.: „Ja.“
W.: „Aber es gibt auch einige andere Faktoren, die ebenfalls dazu beitragen. Ich habe beobachtet, dass auch euer Hund diese heute nutzt. Ein weiterer Faktor, der zum Komfort eurer Kühe beiträgt, ist, dass ihr eine Menge der dicken, dichten Grasnarbe belasst, und ihr so die Bodenfeuchtigkeit und den Bodentemperatur schützt.“
J.F.: „Da hast du recht.“
W.: „Richtig. Wenn wir uns durch das Gras wühlen und mit unserem Finger den Boden berühren, was fühlen wir dann?“
J.F.: „Er ist ziemlich kühl.“
W.: „Er ist ziemlich kühl! Und feucht!“
J.F.: „Und feucht. Ja.“
W.: „Und das trotz der Dürre. Richtig?“
J.F.: „Wir hatten ein paar Tropfen Regen...“
W.: „Ja.“
J.F.: „…letzte Woche. Aber vorher war es staubtrocken.“
W.: „Und trotzdem haben wir kühlen, freuchten Boden.“
J.F.: „Ja.“
W.: „Und das fühlt sich tatsächlich sehr komfortabel an. Und ich habe vorhin schon gesagt, dass sich auch euer Hund deshalb ins Gras legt.“
J.F.: „Ja, er nutzt das auch gerne.“
W.: „Genau. Da sehen wir die gleiche Wirkung. Euer Hund versteht instinktiv, das zu nutzen. Ist es nicht so?“
J.F.: „Mhja.“
W.: „Er hat sich nicht dort auf den Feldweg gelegt. Den hat er gemieden. Er hat sich hier ins dicke, üppige Gras gelegt, weil er wusste, dass es da viel kühler sein würde. Und wenn er möglichst viel seiner Körperoberfläche damit in Kontakt bringt, dann entsteht ein Kühleffekt, richtig? Und es kühlt ihn noch besser ab. Es hat also wirklich die gleiche Wirkung.“
J.F.: „Genauso verhält es bei den Rindern.“
W.: „Exakt. Im Vergleich zu Weiden, die richtig kurz abgefressen sind… Was wir herausgefunden haben, durch unsere Temperaturmessungen, die wir immer und immer wieder durchgeführt haben auf solchen Weiden, und es ist egal, ob wir uns in Minnesota, oder Wisconsin oder Saskatchewan, oder unten in Texas oder hier in Missouri aufhalten: Im Sommer, bei Außentemperaturen von 30 °C aufwärts, wenn man dann die Rinder die Weiden zu kurz abfressen lässt, dann sehen wir oft Bodentemperaturen von 55 °C und mehr.“
J.F.: „Wow.“
W.: „Und der Grund, weshalb das wichtig ist: Wenn wir unsere Bodentemperatur unter 32 °C halten, dann schützen wir die Bodenfeuchtigkeit und wir schützen unsere Mikrobenpopulation, und unsere Pflanzen wachsen deutlich besser. Es ist also von hochgradiger Bedeutung.
Und während diese Rinder… sie laufen da ja quasi barfuß herum, wenn sie also mit ihren Füßen den kühlen, kalten Boden berühren, dann bewirkt das einen gewissen Kühlungseffekt für ihre Körper. Und nach ca. einer Stunde, wenn sie sich die Bäuche vollgeschlagen haben, was machen sie dann?“
J.F.: „Sie werden sich hinlegen.“
W.: „Sie werden sich hinlegen und anfangen wiederzukäuen. Dann bringen sie viel mehr ihrer Körperoberflächen in Kontakt mit diesem kühlen und feuchten Boden. Deshalb benötigen sie den Schatten nicht. Ja? Sie bleiben kühl.
Und wenn wir es aus einer historischen, ökologischen Perspektive betrachten: Dieser Teil des Landes, und weiter westlich, hatte historisch viel, viel weniger Bäume. Es handelte sich um offenes Grasland, die Plains. Wie schafften es die Bisons, die Wapitis, all diese Tiere, ihre Körpertemperatur zu regulieren. Auf genau die gleiche Weise. Genau. Sie wussten, dass das hohe, dichte Gras diese Feuchtigkeit und diese Kühle erhielt, und dass sie das schützen würde.“
J.F.: „Da fragt man sich, wie verkrustet wohl einige dieser Böden sind, wo das Gras komplett abgefressen ist, und sie über 40°C heiß werden, wie wir es in Alaska wochenlang hatten.“
W.: „Da waren es eher 65 °C.“
J.F.: „Ja. Es war sehr heiß.“
W.: „Es war sehr heiß. Und denken wir an unseren eigenen Komfort. Wenn wir auf einem Boden mit 65 °C oder mehr stehen würden,“
J.F.: „Da würde man glühen…“
W.: „Richtig, man könnte sich an so einem Ort nicht sehr lange aufhalten. Richtig? Das wäre extrem unkomfortabel. Wie können wir dann von unseren Rindern erwarten, dass sie sich auf kurzgeschorenen Weiden wohlfühlen sollen, in der Sommerhitze. Das tun sie nicht! Deshalb versuchen sie, in Teiche zu gehen, oder in Wassertröge zu klettern, oder sie suchen dichten Schatten.
Und in diesem Teil des Landes, wo viel mit Endophyten infiziertes Schwingelgras vorkommt, wo dieses Schwingelgras eine zusätzliche Erhöhung der Körpertemperatur bewirkt, durch die Verengung der Blutgefäße, wird diese Situation noch verzweifelter.“
J.F.: „So ist das.“
W.: „Ja…
Es wird jetzt später Nachmittag. 16:30 Uhr. Jetzt ist die heißeste Zeit des Tages, und die Tiere sind viel stärker am Grasen interessiert, als daran, Schatten zu suchen.“


Manfred
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Re: Lehrvideos Adaptive Beweidung

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Teil 14:



Wie man die Beweidung strategisch plant, ausgeführt an einem Beispiel aus Illinois.

W.: „Wenn wir überlegen, wie die einzelnen Koppeln eingeteilt werden sollen,
z.B. diese Weide hier: Diese möchten wir zur Beweidung in mehrere Koppeln aufteilen.
Dann können wir z.B. von hier hinten, oder von vorne über die Rampe des Teichs an das Wasser gelangen. Also an den Wassertrog oder an die Rampe.
Es gibt hier einen Treibweg, über den die Tiere an die Rampe gelangen können, und es gibt auch hier oben einen Treibweg, der zum Wassertrog führt.
Wenn ich also diese Koppeln plane, kann ich dafür beide Treibwege nutzen, um an die Wasserstellen zu gelangen.
Ich fange immer direkt an den Wasserstellen an, und trenne hier die erste Koppel mit einer mobilen Litze ab. Dann entferne ich mich mit den weiteren Koppeln nach und nach vom Wasser.
So können die Tiere über die bereits abgegrasten Flächen zurück zur gleichen Wasserstelle laufen, sogar für mehrere Tage, falls das nötig ist.
Wenn die Koppeln mit hoher Tierdichte abgeweidet wurden, dann sind sie durch den Tritt und den Kot und Urin so unattraktiv für die Tiere, dass diese keinen Wunsch verspüren, dort in dieser Zeit erneut zu fressen, solange vorne jeden Tag frisches Futter zugeteilt wird.
So können wir diese Weide mit einer einzelnen Litze und mobilen Pfählen in mehrere Koppeln unterteilen. Und von den Treibwegen aus, kann ich auch ein Stück des benachbarten Waldes mit einzäunen, damit die Tiere Schatten haben. So können die Tiere von jeder Koppel aus ans Wasser und in den Schatten gelangen und von dort wieder raus auf die Koppeln, zum Grasen.
Es gibt noch eine andere Variante, durch die wir das auch lösen können. Wenn wir nicht möchten, dass sie zurück über schon beweidete Flächen kommen, wenn wir z.B. das Gefühl haben, dass unsere Tierdichte nicht hoch genug war, um zu verhindert, dass sie dort gleich wieder fressen, dann könnte ich z.B. mit Litze einen Treibweg hier entlang dieses Festzauns bauen, der an den Treibweg zum Wasser und zum Schatten anschließt.
Wenn ich die erste Koppel beweide, sind alle weiteren Koppeln für die Tiere versperrt.
Wenn ich zur zweiten Koppel wechsle, dann gehen sie über den temporären Treibweg dorthin.
Der Abtrennzaun zwischen der ersten und zweiten Koppel bleibt stehen, und ich verschließe die erste Koppel. Und so wiederholen wir das mit den weiteren Koppeln. Das macht es sehr einfach.
Auf der nächsten Weide machen wir genauso weiter. Wir beginnen wieder mit der Koppel, die am nächsten am Wasser liegt, und wir wiederholen den genau gleichen Ablauf.
Wir sehen, dass wir an der 2. Weide Schattenbäume entlang dieser Grenze und hier in der Ecke der Weide haben. Der Bedarf an Schatten ist abhängig von der Tageszeit. Am Morgen benötigen wir nur selten Schatten. Wenn, dann eher am Nachmittag. Wenn die Bäume an der Westseite stehen würden, hätten wir am Nachmittag reichlich Schatten entlang dieses ganzen Zaunes. Würden die Grenzbäume dagegen im Osten stehen, dann würde ich einen Treibweg bis zu der Ecke mit den Bäumen in der Weide bauen, und von diesem Weg aus die einzelnen Koppeln öffnen, damit die Tiere bei Bedarf immer in den Schatten gelangen können. Und über den vorderen Treibweg gelangen die Tiere zum Wasser.
Das erlaubt es uns, die Tiere einfach von Koppel zu Koppel umzuziehen, und gleichzeitig Zugang zu allen drei kritischen Elementen, zu haben, die wir benötigen: Futter, Wasser und Schatten.
Wenn wir auch diese Weide abgegrast haben, wechseln wir zur nächsten.
Diese Weide könnte ich hier in der Mitte teilen, und von den zwei Hälften aus diese 2 unterschiedlichen Wasserstellen nutzen.
Von dieser Hälfte der Weide aus könnte ich die Rampe des Teichs nutzen, und von dort sternförmig, wie die Speichen eines Wagenrads, mobile Abtrennzäune für die einzelnen Koppeln bauen.
Und von dort könnte ich wieder einen Treibweg zum Schatten, nach hier oben im Wald, oder nach unten, zu den Schattenbäumen in der Ecke der zweiten Weide, bauen.
Wenn ich auf die zweite Hälfte dieser Weide wechsle, kann ich die andere Tränkestelle nutzen. Auch hier kann ich wieder speichenförmig die einzelnen Koppeln anlegen. Und von der Tränke aus können wir den schon vorhandenen Treibweg in den Schatten an der ersten Koppel nutzen.
Also nochmal: Von jeder Koppel aus haben sie so Zugang zu Gras, zu Wasser und zum Schatten.“


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Teil 15:



Wie man die Tiere zum Wasser bringt.

W.: „Eine Frage, die mir oft gestellt wird, bezüglich der Adaptiven Beweidung, ist: Wie bringt ihr die Tiere zum Wasser?
Wenn ihr den Wassertrog dort unten seht: Der steht im der gestrigen Koppel. Wir sehen also kein Problem darin, wenn die Tiere zurück über bereits abgeweidete Flächen laufen, wenn sie auf einer frischen Weide stehen. Und dafür gibt es diverse Gründe. Einer davon ist, dass die Fläche, die vorher beweidet wurde, stark zertrampelt ist, und sie haben dort eine Menge Kot und Urin abgesetzt. Sie haben das Gras dort quasi vergällt. Solange sie frisches Gras vor sich haben, sind sie nicht daran interessiert, die direkt vorher genutzten Flächen erneut abzufressen. Sie wollen frisches Zeug, so wie wir auch. Wir wollen keinen verwelkten Salat, wir wollen frischen Salat.
Was euch ebenfalls auffällt: Die Tiere wechseln sich ab, zum Wasser und zurück zu laufen. Sie versuchen nicht, als geschlossene Herde zum Wasser zu gelangen. Genau dieses Verhalten möchtet ihr sehen. Ihr möchtet, dass sie lernen, sich beim Tränken abzuwechseln. Das bedeutet, dass die Durchflussrate der Ventile der Tröge besser genutzt wird und eure Tiere nie gestresst sind. (Anm.: Weil nie zu viele Tiere gleichzeitig am Trog trinken und das Wasser so schnell genug nachfließen kann. Ein Problem bei großen Herden mit mehreren hundert Tieren, die eine einzelne Wasserstelle nutzen.)
Die Methode, dieses Verhalten zu fördern, ist, die Tiere jeden Tag auf eine frische Fläche zu lassen. Ihr werdet beobachten, dass sie alleine durch dieses tägliche Umtreiben anfangen, sich selbst zu trainieren, in kleinen Grüppchen zum Wasser zu gehen. Und ihr werdet Grüppchen sehen, die zum Wasser gehen und Grüppchen, die vom Wasser zurückkommen, wie sie aneinander vorbei ziehen, entlang des Weges, jeden Tag, während sie das tun.
Und wenn wir zur nächsten Koppel wechseln, wir haben heute noch einen weiteren Umtrieb vor uns, dann laufen die Tiere noch immer zu derselben Wasserstelle zurück.
Und nochmal: Daran ist überhaupt nichts auszusetzen. Es besteht keine Notwendigkeit, eure Wasserversorgung jeden Tag zur jeweils aktuellen Koppel umzuziehen, oder sogar mehrfach am Tag.
Was wir normalerweise empfehlen: Wir bevorzugen es, die einzelnen Wasserstellen nicht länger als ca. eine Woche am Stück zu nutzen. Dann versuchen wir, für die nächste Woche zur nächsten Wasserstelle zu wechseln.
Der Grund, weshalb wir das empfehlen, ist, dass man so die Übernutzung vielbelasteter Stellen rund um die jeweilige Tränke vermeidet.
Wenn sie nicht länger als ein oder zwei Wochen von einer Wasserstelle aus arbeiten, und dann zu einer anderen Wasserstelle wechseln, dann erhält die erste Wasserstelle reichlich Zeit, sich von dieser Belastung zu erholen. So gelingt eine vollständige Erholung und wir haben nicht diese permanent niedergeprügelten Flächen, die wir oft, auf vielen Weiden, sehen.
Was wir ebenfalls vermeiden, sind diese permanenten Trampelpfade. Ihr könnt beobachten, und sie tun es im Hintergrund gerade jetzt, dass die Tiere auf einer Weide immer wieder ganz ähnliche Wege nutzen, um hin zum Wasser und zurück zu gelangen. Wenn das Woche für Woche, Monat für Monat passiert, dann würden sich hier drin deutlich sichtbare Trampelpfade entwickeln. Und wenn dann die Regenperiode im Winter beginnt, würde an diesen Stellen Erosion entstehen, und die Trampelpfade würden sich langfristig in Hohlwege verwandeln.
Das wollen wir natürlich verhindern. Und die Methode, das zu erreichen, ist, wöchentlich oder zumindest alle zwei Wochen zu einer anderen Wasserstelle zu wechseln, wenn wir die Tiere auf die nächste Weide stellen.“


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Re: Lehrvideos Adaptive Beweidung

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Teil 16:



Wie man eine gute Verteilung der Dungfladen erreicht.

W.: „Die Sache ist die: Wenn ihr eine Dauerstandweide habt, und euer Ziel ist, dass auf jedem einzelnen Quadratmeter mindestens einen Dungfladen landet, dann dauert es 27 Jahre, das zu erreichen, mit Dauerstandweide.
Wenn es dagegen mein Ziel ist, dass auf jedem einzelnen Quadratmeter mind. ein Dungfladen landet, und ich die Tiere nur einmal täglich umtreibe, jeden Tag, kann ich das in einem einzigen Jahr erreichen.
Wofür ich also 27 Jahre benötigt hätte, kann ich innerhalb nur eines Jahres erreichen, indem ich einmal täglich umtreibe.
Aber die Sache geht noch tiefer. Nicht nur, dass ich jetzt in einem Jahr erreichen kann, was vorher 27 Jahre gedauert hat, ich wiederhole das jetzt in jedem einzelnen Jahr, nicht?
Denkt darüber nach, was das für die Fruchtbarkeit bedeutet, die eingebracht wird, wenn ihr das macht.
Die Sache ist: Lange haben wir die Bauern darauf getrimmt, an N, P, K zu denken, wenn von Fruchtbarkeit die Rede ist, richtig?“
S.L.: „Ja.“
W.: „Man schickt einen Standard-Bodentest ein, erhält ihn zurück, und typischer Weise lautet die Empfehlung: Bringe soundsoviel NPK und/oder Kalk aus…
Wir denken also an NPK, NPK… Aber denken wir je an die Menge NPK, die unsere Kühe für uns ausbringen, jeden Tag?
J.L.: „Ich schon.“
W.: „Ja. Sie machen es gerade jetzt, nicht? Sie tun es gerade jetzt! Und das mit einer deutlich besseren Verteilung.“


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Re: Lehrvideos Adaptive Beweidung

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Teil 17:



Wie man die Größe der einzelnen Koppeln und die optimale Tierdichte abschätzt.

W.: „Was ich jetzt tun möchte: Die Rinder stehen bereit für den ersten Umtrieb des Tages.
Ich möchte euch bitten, zu dieser Herde hier, uns zu erzählen, wie die Herde zusammengestellt ist. Wie viele Tiere sind in der Herde? Durchschnittliches Gewicht? Und was erwarten wir von unserem Umtrieb heute? Wie groß ist die Koppel, die ihr bauen musstet, um sie für diesen Tag zu beherbergen, und warum? Und wie viele Umtriebe macht ihr heute?“

S.F.: „Nun, Judy baut all die Koppeln. Sie nutzt dafür höhere Mathematik (Anm.: Er meint das ironisch), um zu ermitteln, wie viele Hektar wir für einen Umtrieb benötigen. Sie nutzt dafür ein spezielles Computer-Programm (Anm: Er meint das als Witz), und sie ist ziemlich nah dran, jeweils die perfekte Größe zu treffen.
In dieser Herde befinden sich 86 gedeckte Färsen und dazu 60 der Zweijährigen, mit Kälbern. Um diese Zeit des Jahres arbeiten wir mit zwei Gruppen. Wir haben die Hauptherde, und dann haben wir diese Herde mit den jüngeren Zuchttieren. Wir decken jede Färse, die wir haben, außer sie haben ein echtes Problem und müssen deshalb geschlachtet werden. Ansonsten erhalten sie alle 42 Tage lang die Chance, trächtig zu werden.
Insgesamt haben wir, ich weiß nicht genau, ca. 55.000 kg hier drin. Wir messen den Aufwuchs, wir wissen, wieviel davon wir übrig lassen wollen. Am ersten Tag auf einer neuen Weide machen wir das. Wir messen den Aufwuchs nicht jeden Tag. Nach dem ersten Umtrieb haben wir eine ganz gute Vorstellung davon, was wir am nächsten Tag tun müssen.“
W.: „Ja!“
S.F.: „Judy baut die Koppeln. In diesem Fall hier treiben wir sie zweimal täglich um. Jede Koppel hat ca. 0,6 ha, also 1,2 ha am Tag insgesamt. Sie treibt sie am Morgen und am Abend um.
Wenn es richtig heiß ist, dann kommen wir am Nachmittag, um sie etwas früher umzutreiben, weil sie vergessen, wie heiß es ist, wenn sie frisches Gras zugeteilt kriegen.“

W.: „Was sind eure Überlegungen, um ihren täglichen Trockenmassebedarf zu decken? Was zieht ihr in Betracht? Was messt ihr hier draußen, um zu ermitteln, wie groß ihr die Koppel bauen müsst?“
S.F.: „Nun, das hängt vom Wachstum der Pflanzen ab, wie sie aussehen, wie viel davon die Tiere fressen werden, ob sie überständig sind, ob der Aufwuchs hochgeschossen ist, wie viel davon sie niedertrampeln, wie viel davon sie fressen sollen, und wie viel wir übrig lassen möchten.
Wenn wir richtig hohes Zeug beweiden, dann nutzen wir davon evtl. 30% bis 40%, wir zertrampeln 30 % und wir lassen 30% stehen. Dann treiben wir sie weiter, besonders im zeitigen Frühjahr, wenn wir einen sehr schnellen Umtrieb haben.“

W.: „Ich sehe, dass du einen Stock mit dir herumträgst. Du verwendest diesen Stock, um die durchschnittliche Aufwuchshöhe zu messen?“
S.F: „Ja. Ich verliere ständig meine Grasmessstäbe oder verschenke sie. Deshalb mache ich sie selbst.
Und alles, was auf diesem steht, weißt du, wir machen das schon lange genug,“
W.: „Alle 7,6 cm (3 Zoll) ein Strich?“
S.V: „Ja, alle 3 Zoll. Wir stellen den einfach ins Gras und multiplizieren die Zahl der Striche mit 340 kg/ha (300 lbs/acre). So trocken, wie es jetzt ist, evtl. 280 kg / ha (250 lbs/acre).
Wir schätzen das Gewicht der Herde. Das sind hier ca. 55.000 kg. Ich rechne üblicherweise mit 3% ihres Körpergewichts. Wir benötigen heute also ca. 1.650 kg Trockenmasse.
Und was liefert diese Fläche? Und wie viel davon soll zurückbleiben? Das ist normalerweise mindestens die Hälfte, wenn nicht mehr.
Wenn man es einmal raus hat, ist es ziemlich einfach, das zu berechnen. Wenigstens, um die erste Koppel abzuschätzen.“

W.: „Das Schöne daran, die Rinder jeden Tag umzutreiben, und manchmal sogar mehrfach am Tag, ist, dass wir die Möglichkeiten haben, zu beobachten. Und wenn wir an diesem Tag einen Fehler gemacht haben, sagen wir, die Rinder haben zu viel vom Aufwuchs gefressen, richtig, oder wir haben nicht den Trampeleffekt erreicht, den wir haben wollten, oder die Dung- und Urinverteilung, die wir haben wollten, dann ist es ziemlich einfach, das gleich am nächsten Tag zu korrigieren.
Oder, wenn man zweimal am Tag umtreibt, wie ihr es gerade macht, dann könnt ihr die erste Koppel beurteilen und schon bei der zweiten Koppel des Tages jeden Fehler korrigieren, den ihr gemacht habt. Man kann ganz automatisch und sofort die Größe der nächsten Koppeln anpassen.
Das Schöne an der Adaptiven Beweidung, und du sagtest vorhin, dass du es auch Flexible Beweidung nennst, was ich übrigens auch tue, wir nennen es Adaptive oder Flexible Beweidung, deine Terminologie trifft es genau. Und diese Worte bedeuten genau das, was wir denken, dass sie bedeuten. Wir müssen flexibel sein, wir müssen adaptiv bleiben. Und genau das ist möglich, indem wir die Tiere täglich und manchmal mehrfach täglich umtreiben. Stimmt‘s?“
S.F.: „Stimmt.“
W.: „Wir können uns einfach an das anpassen, was uns unsere Augen sagen, was immer die Rinder uns sagen, was immer der Zustand der Grasnarbe uns sagt. Und wir können unsere Fehler sofort korrigieren. Und das Schöne daran ist, gegenüber eher konventioneller Beweidung, dass wir bei der konventionellen Beweidung Fehler oft lange nicht bemerken, bis wir schon weit in der Weidesaison sind.“
S. und J.F. :“Ja. Ja.“
W.: „Und zu diesem Zeitpunkt haben wir dann schon unsere gesamte Weidesaison beeinträchtigt und oft sogar schon die nächste Weidesaison, im nächsten Jahr, oder sogar für mehrere Jahre.
Wir können also einen Einfluss auf die jeweilige Saison, aufs nächste Jahr, oder sogar mehrere Jahre haben, wenn wir die falschen Entscheidungen treffen, bei einer eher konventionellen Beweidung, die mehr in Richtung Dauerstandweide geht.
Aber mit dieser Art der Beweidung, der Schöne Teil daran ist, dass jeder Fehler, den wir machen, nur ein sehr kleiner, inkrementeller Fehler ist, den wir sofort korrigieren können.
Und wenn ich einen Fehler mache, ich weiß nicht, wie ihr das seht, wenn ich einen mache, dann mache ich lieber einen, den ich sehr schnell korrigieren kann.“
S. und J.F.: „Genau!“
W.: „Lasst und jetzt über die Tiere reden, und was du gerade vorbereitest, Judy. Wir haben über die Zahl der Tiere gesprochen, die sich in dieser Herden befinden, und über die Tiergruppen, die in dieser Herde vertreten sind. Ihr habt berechnet, wie viel Trockenmasse durchschnittlich pro Hektar vorhanden ist, auf dieser Fläche. Ihr habt abgeschätzt, dass ihr eine ca. 1,2 ha große Koppel benötigt.
Ihr habt eure verfügbare Trockenmasse berechnet. Euer Ziel ist aktuell, dass sie nicht mehr als 50% davon fressen. Irgendwas zwischen 40% und 50%. Und ihr möchtet 50% bis 60% als Summe aus dem, was niedergetrampelt wird und was stehen bleibt.“
S.F.: „Korrekt.“
W.: „Um das zu erreichen, habt ihr abgeschätzt, dass eure Koppelgröße, bei dem Wachstumsstadium, das wir hier aktuell sehen, ca. 1,2 ha pro Tag betragen muss, um diese Tiere zu beherbergen. Aber ihr treibt sie zweimal täglich um. Ihr teilt also jede Koppel in zweimal 0,6 ha.
Ihr habt insgesamt 55.000 kg Rinder hier draußen. Wenn wir diese auf 0,6 ha für einen Teil des Tages und auf weitere 0,6 ha für den nächsten Teil des Tages stellen, dann sind das 55.000 kg durch 0,6 ha, richtig?.“
S.F.: „Ja.“
W.: „Also haben wir eine effektive Tierdichte von 92.000 kg / ha.
Lasst mich euch eine Frage stellen: Die Tierdichte können wir bei der Adaptiven Beweidung gezielt variieren, richtig? Und oft wollen wir das nutzen,“
S.F.: „Mhm.“
W.: „abhängig von unseren Zielen und Absichten. Wir können viel weiter runter gehen, oder wir können viel, viel höher gehen, mit der Tierdichte, und auf jeden Wert dazwischen.
Wenn wir das mit dem durchschnittlichen Weidebetrieb hier Missouri vergleichen, die konventionell beweiden: Deren Besatzdichte im Jahresmittel beträgt nicht mehr als 560 kg / ha.“
S.F. „Ja. Hm.“
W.: „Wenn wir darüber nachdenken, und ihr seid bei 92.000 kg / ha, und deren effektive Tierdichte im Jahresmittel beträgt nur 560 kg / ha, dann ist das ein exponentieller Unterschied, richtig?“
J.F.: „Das ist es.“
S.F.: „Was die Veränderung unserer Tierdichte über das Jahr, über die Jahreszeiten angeht:
Wenn wir kalben, dann treiben wir schnell um, weil wir ab Mitte April bis in den Mai kalben, wenn das Gras extrem schnell wächst. Deshalb versuchen wir zu dieser Zeit so viel Fläche abzudecken, wie wir können. Aber man hat Baby-Kälber, und Kühe, die sich zum Kalben absondern möchten, also versetzen wir den vorderen Zaun, verzichten aber auf einen hinteren Zaun für eine ganze Zeit, damit sie vor und zurück wandern können. Aber wir gehen schnell vorwärts, um mehr Fläche abzudecken, so liegt unsere Tierdichte zeitweise bei nur 22.000 kg / ha bis 34.000 kg/ha.“
W.: „Richtig.“
S.F.: „Dann, wenn wir mit dem Kalben durch sind, und das Verhalten der Kühe besser dazu passt, erhöhen wir die Dichte etwas. Und nachdem wir die Deckbullen rausgenommen haben, wird es noch etwas dichter. Wir gehen dann auf 65.000 kg/ ha bis 90.000 kg/ha, denn jetzt kommen wir in einen Bereich, wo sie das zähere Zeug, das sie beim ersten Durchgang verpasst haben, fressen sollen.
Wenn wir dann in die Herbstsaison kommen, verlangsamen wir die Rotation, damit das Gras mehr Zeit erhält, sich zu erholen, um einen Vorrat für den Spätherbst und Winter aufzubauen. In dieser Zeit erhöht sich unsere Dichte nochmal. Aber wenn das Graswachstum dann abgeschlossen ist, wenn wir in den Dezember und Januar kommen, wo wir kein Wachstum mehr haben, dann haben wir die höchsten Dichten. Das ist die Zeit, in der wir das normalerweise nutzen. Dann möchten wir 85% des Aufwuchses nutzen und nur 15% zurücklassen. In dieser Zeit des minimalen Wachstums, versuchen wir den Aufwuchs zu nutzen, so gut wir können, um mit möglichst wenig Heu-Zufütterung durch den Winter zu kommen.
Und wenn der Frühling zurückkehrt, dann beginnt alles von vorne.
Das ist unser Ablauf. Niedrige Tierdichte im Frühjahr, niedrigere Tierdichte im Frühjahr, mit einmal täglichem Umtrieb, mindestens einmal täglichem Umtrieb. Wir haben also eine niedrigere Tierdichte im Frühjahr, wir werden etwas dichter, wenn wir die Bullen herausnehmen, kombinieren dann auch die Herden zu einer. Und wenn wir dann in die Winterperiode gehen, wenn das Gras das Wachstum einstellt, dann gehen wir auf eine höhere Dichte, weil wir einen viel höheren Anteil des Aufwuchses nutzen möchten.“


Manfred
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Re: Lehrvideos Adaptive Beweidung

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Teil 18:



Wie man die optimale Einwirkung der Tiere auf die Weide beurteilt.

W.: „Das Erste, was ich sicherstellen möchte, ist, dass diese Rinder nie mehr als 50% der auf einer Koppel verfügbaren Futter-Trockenmasse fressen.
Das ist sehr wichtig, denn es ist unsere Versicherung dafür, dass wir auch die nötige Menge an Trampelmulch erhalten, die wir haben möchten, um neuen Boden aufzubauen, um unsere Bodenfeuchtigkeit und Bodentemperatur zu schützen, um erhebliche Verdunstungsverluste zu vermeiden. Wir schützen unsere Bodenmikroben. Und so bleibt auch ausreichend Blattfläche, um weiter Photosynthese zu ermöglichen, für neues Wachstum. All das ist sehr wichtig für uns.
Wenn wir uns hier die Wirkung der heutigen Beweidung ansehen, ich stehe in der Mitte dieser Koppel und schaue mir an, wie viel der Trockenmasse tatsächlich gefressen wurde, und welcher Prozentsatz niedergetrampelt wurde:
Was wir hier sehen können, ist, dass wir ihren täglichen Trockenmassebedarf gedeckt haben, den sie heute für ihre Leistung benötigen. Aber trotzdem sehen wir, dass wir noch immer einen guten Teil des Futters übrig haben, in dieser Koppel. Die durchschnittliche Höhe beträgt noch immer ca. 10 Zoll (25 cm). Das ist sehr gut. So belassen wir reichlich Blattmasse, um den Boden zu schützen und zu beschatten, und für schnelles Nachwachsen.
Das Zweite, das ich mir ansehe, ist der Prozentsatz an Trampelmulch, den ich hier sehe.
Mit der richtigen Tierdichte wird ein guter Teil des Futters tatsächlich niedergetrampelt.
Viele Leute sehen das evtl. als Verschwendung. Das ist keine Verschwendung. Das ist brandneue organische Substanz. Organische Substanz ist viel wertvoller für uns, als die Rinder dieses Futter bis auf den Boden abfressen zu lassen.
Wir wollen einen guten Anteil an Trampelmulch sehen. Wenn ich mich bücke, und einiges von diesem Material anhebe, das von den Rindern niedergetrampelt wurde, dann könnt ihr sehen, dass das, was Kontakt zum Boden hatte, sich in Zersetzung befindet und abstirbt und zu neuem Humus werden wird.
Was wir oft als Grund für eine Ablehnung des Trampelmulchs hören, ist, dass wir eine Menge Futter verschwendet hätten, und dass wir unsere Rinder dazu bringen müssten, mehr davon zu fressen, und dass wir durch all dieses Trampel-Material neue Keimlinge ersticken würden, und wir so kein hohes Niveau von neuem Wachstum erhalten könnten.
Naja. Wir könnten hier direkt sehen, dass nichts davon der Wahrheit entspricht. Zuallererst ist dieses Material als neue organische Masse viel, viel wertvoller, als es in den Pansen unserer Rinder wäre.
Zweitens, wenn wir den Aufwuchs auseinander ziehen und hinein schauen, dann sehen wir, dass trotz des dichten Materials eine Vielzahl junger, zarter Triebe zu sehen ist, junge Sprösslinge, die hier durchwachsen. Wir sehen eine Menge junger Kleepflanzen, die durch dieses Material wachsen. Hier ist so eine junge Kleepflanze. Und eine Menge junges Gras, welches ebenfalls durch das Material wächst.
Der Trampelmulch stört also nicht, sondern fördert eher neues Wachstum, und sehr schnelles neues Wachstum.
Die ehrliche Wahrheit ist: Viele Beweider würden, wenn eure Rinder eine Flächen verlassen, denken, dass ihr viel zu viel übrig gelassen habt. Dass ihr…“
J.F.: „…eine Menge Gras verschwendet habt.“
W.: „Genau.“
S.F.: (Anm.: Lacht lauthals) „Das ist das Schwerste für neue Beweider, das war es damals auch für uns, Gras übrig zu lassen, wenn man der Meinung ist, es wäre Verschwendung.
Heute wissen wir, und Judy betont das jedes Mal: Das ist keine Verschwendung von Gras. Gras macht Gras. Ohne jede Frage. Man grast nicht alles ab. Man lässt genug übrig, und zieht weiter.“
W.: „OK. Das ist eine sehr wichtige Feststellung. Gras macht Gras. Es braucht Gras, um Gras zu erzeugen, richtig? Ich drücke das oft so aus: Mehr bewirkt mehr. Je mehr wir wegnehmen, desto weniger haben wir. Aber je mehr wir stehen lassen, desto mehr wächst nach.
Das ist ein Konzept, das für viele Leute anfangs schwer zu begreifen ist, bis sie es sehen, bis sie selbst diese Erfahrung machen. Vorher ist es schwierig für sie, das in den Kopf zu kriegen.

(Anm.: Schnitt und Standortwechsel)

Das ist eine Koppel, auf der sich die Rinder seit ca. einer Stunde befinden, also noch nicht sehr lange. Und ihr könnt bereits die Wirkung sehen, in Form niedergetrampelten Materials, die die Rinder schon erreicht haben, indem sie über diese Fläche gezogen sind. Da ist genau das, was wir hier erreichen möchten. Wir möchten einen vernünftigen Anteil an Trampelmulch. Und alles, was sie niedergetrampelt haben, lassen sie jetzt weitgehend in Ruhe, und machen damit weiter, die Bereiche abzufressen, die nicht niedergetrampelt sind. Wir erhalten also eine Kombination aus Futterkonsum und niedergetrampelten Bereichen. Überall wo wir dieses Niveau von Trampelmulch haben… Und was wir hier sehen: Sie haben auch Kot abgesetzt, entlang ihrer Trampelwege. Sie werden nicht zurückkommen und dieses Gras fressen. Dies wird also neuer Kohlenstoffe, neuer Humus. Was wir hier machen, ist also im Wesentlichen, Kohlenstoff einzulagern, sehr schnell neuen Kohlenstoff an der Bodenoberfläche zu erzeugen. Es gibt keine praktikable Möglichkeit, dies durch irgendetwas anderes zu simulieren, das wir anstellen könnten.
Die Tierdichte bestimmt das Ausmaß der Wirkung hinsichtlich des Trampelmulchs und damit des Aufbaus von Kohlenstoff und organischer Masse, und hinsichtlich der durch Kot und Urin eingebrachten Fruchtbarkeit, auf diesen Flächen.
Die Rinder waren also für ca. eine Stunde hier drin. Gemessen an der Wirkung, die wir hier bereits sehen, können die Rinder locker nochmal 2 bis 4 Stunden hier bleiben, ohne eine übermäßige Wirkung zu haben, und dann weiterziehen auf die nächste Koppel, für den Rest des Tages.
Den Anteil an Trampelmulch zu beobachten, zu beobachten, welchen Anteil sie fressen, während sie hier drin sind, die Verteilung von Kot und Urin zu beobachten, während sie über diese Fläche ziehen, das sind alles Punkte, die unsere Aufmerksamkeit benötigen, die wir überwachen müssen, jeden Tag, an dem wir mit den Rindern hier draußen sind, um sicherzustellen, dass wir die angestrebte Wirkung erreichen.“


Manfred
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Re: Lehrvideos Adaptive Beweidung

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Teil 19:



Wie lange dauert es, eine neue Koppel zu bauen?

S.F.: „Die Leute fragen: Warum treibt ihr sie jeden Tag um? Sogar zweimal am Tag?
Der Grund ist einfach, dass es weniger stressig ist. Es ist besser für die Rinder. Und es ist einfacher. Wenn man einmal damit angefangen hat, macht es kaum mehr Arbeit, als jeden Tag einmal raus zu kommen und nach euren Rindern zu sehen.“
W.: „Lasst uns also über dieses Thema sprechen. Der erste Einwand, denn ich jedes Mal höre, wenn ich jemandem erstmalig dieses Konzept vorstelle, die Adaptive oder Flexible Beweidung, mit täglichem Umtrieb, ist: Oh mein Gott, für sowas habe ich keine Zeit, jeden Tag raus zu gehen und die Tiere umzutreiben. Ich muss eine Koppel bauen und Rinder umtreiben, jeden Tag? Willst du mich verarschen?
Lasst uns darüber reden. Effektiv, ihr habt hier eine 1,2 ha große Koppel, und ihr treibt sie zweimal täglich um, also teilt ihr diese Koppel mit einer einzelnen Litze in zwei 0,6 ha große Koppeln, für einen Tag: Wie viel Zeit benötigt ihr, um diese Koppel zu bauen?“
J.F.: „15 bis 20 Minuten.“
W.: „15 bis 20 Minuten? Wow.“
J.F.: „Ja.“
W.: „Du schaffst es also, 1,2 ha mit einer Litze und Steckpfählen in nur 15 bis 20 Minuten einzuzäunen.
Aber Judy, du investierst mehr Zeit als das. Was machst du in dieser Zeit?“
J.F.: „Ich beobachte die Rinder. Ich muss sie auch umtreiben. Die 15 bis 20 Minuten benötige ich, um die neue Koppel aufzubauen. Aber dann muss ich auch die alte Koppel abbauen und den Mineralstofffütter umstellen. Ich beobachte die Rinder, äh…“
S.F.: „Sie schaut, ob die Dungfladen in Ordnung sind…“
J.F.: „Das Gras,“
S.F.: „Sie checkt auch das. So läuft das ab.“
(Anm.: Es wird in Zeitraffer der Aufbau einer Koppel gezeigt.)
W.: „Also, Judy, du hast gerade eine neue Koppel gebaut und hast diese Rinder umgetrieben. Lass uns darüber sprechen, wie viel Zeit du dafür benötigt hast. Ich habe mit meiner Stoppuhr die Zeit gemessen. Von dem Moment, als du angefangen hast, diese neue 0,6 ha Koppel zu bauen, bist du hier runter gekommen bist, wo die alte Koppel stand, um sie in die neue Koppel zu lassen, das waren 14 Minuten. Das war alles.“
J.F.: „Das war ziemlich schnell.“
W.: „Und du warst dabei völlig entspannt. Du hast keine Hektik gemacht, stimmt‘s?“
J.F.: „Nein, ich habe mich wirklich nicht beeilt.“
Kameramann: „Und du hattest auch noch einen Kameramann, der dir im Weg stand.“
J.F.: (Lacht)
W.: „Wenn die Leute also darüber reden, wie viel ihrer Lebenszeit das verschlingen würde: Die volle Wahrheit ist, wenn wir uns keine 14, 15 Minuten leisten können… Wow.“
J.F.: „Es ist tatsächlich ziemlich effizient.“
W.: „Richtig.“
J.F.: „Es ist eine gute Verwertung deiner Zeit.“
W.: „Wenn es diese 15 Minuten rausreißen, dann gibt es irgendwo ein grundlegenderes Problem.“
J.F.: „Ja, wenn man die nicht erübrigen kann…“
W.: „Was für mich noch interessanter war: Als du hier runter gekommen bist, um ein Stück Litze aufzurollen, um die Rinder auf die frische Koppel zu lassen: Es hat 72 Sekunden gedauert, bis jede einzelne Kuh, jedes Kalb, in der neuen Koppel standen. 72 Sekunden.“
J.F.: „Das ist nicht viel.“
W.: „Das ist fast überhaupt nichts.
Und wenn wir dann über das Aufrollen deiner Litze zwischen der neuen Koppel und der alten Koppel reden: Dafür hast du nur 32 Sekunden benötigt.
Wenn wir alles zusammenzählen, dann reden wir von 16 Minuten.“
J.F.: „Ja.“
W.: „16 Minuten deiner Zeit, um 120 oder so Rinder umzutreiben. Länger hast du dafür nicht gebraucht. Jetzt hast du Zeit, um hier zu stehen und zu beobachten.

(Schnitt auf eine andere Szene, mit Ted Krauskopf von der Hickory Flat Cattle Company in Highland, Illinois.)

Was wir jetzt tun möchten, ist diese 0,5 ha Koppel auszumessen und aufzubauen.
Wir werden sehen, wie schnell du das hinkriegst, eine neue Koppel zu bauen, und diese 35 Rinder in die neue Koppel umzutreiben.

(Es wird in Zeitraffer der Aufbau einer Koppel mit Litze und Steckpfählen von einem Quad aus gezeigt, sowie der Abbau der alten Koppel und der Umzug der Herde.)

So, Ted hat ganz drei Minuten gebraucht, um die neue Koppel zu bauen, die Litze zwischen der alten und der neuen Koppel zu entfernen, und die Rinder umzutreiben, um 35 Kühe samt ihrer Kälber umzuziehen.
Leute, ich glaube, so viel Zeit haben wir alle.
3 Minuten Zeitaufwand wurden investiert, um das zu tun.

Einer der häufigsten Ablehnungsgründe, den wir immer wieder hören, gegen tägliche Umtriebe, gegen Adaptive Beweidung, ist: Ich habe keine Zeit, jeden Tag raus zu gehen, eine neue Koppel zu bauen, und meine Tiere umzutreiben.
Aber wie wir heute gesehen haben, ist es sehr, sehr schnell, das zu erledigen, und tatsächlich braucht es auch keinen Berg an Ausrüstung dafür.
Ted war mit einem UTV unterwegs, dazu eine übersetzte Haspel mit geflochtener Litze, ein paar Steckpfosten, und der Job war erledigt.

Wenn wir größere Herden ansehen, und viele von euch werden größere Herden haben:
Wir haben viele Leute hier in den USA und in Kanada, die auch solche Umtriebe mit viel, viel größeren Herden in sehr kurzer Zeit bewältigen.
Wir haben z.B. Bekannte in Texas, die bis zu 7.000 Absetzer in einer einzigen Herde halten. Die machen 3 Umtriebe am Tag mit diesen Rindern. Ihre durchschnittliche Koppelgröße beträgt 50 bis 57 ha. Sie bauen also dreimal täglich eine 50 bis 57 ha große Koppel, um 7.000 Köpfe umzutreiben.
Sie benötigen ca. 30 bis 40 Minuten, um eine 50 ha bis 57 ha große Koppel zu bauen und diese Rinder umzutreiben. Wir können also sogar mit 7000 Köpfen diese Umtriebe sehr, sehr effizient erledigen.
Und es braucht nur eine Person, um diesen Job zu erledigen.“


Manfred
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Re: Lehrvideos Adaptive Beweidung

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Teil 20:



Wie man die verfügbare Trockenmasse berechnet.

W.: „Ich stehe heute hie mit Ted von der Hickory Flat Cattle Company, hier in Highland, Illinois.
Und Ted, heute werden wir herausfinden, wie man die verfügbare Trockenmasse einer Weide berechnet, um Koppeln von passender Größe zu erhalten, für eure Rinder, für ihre nächste Ration.
Es gibt eine Reihe von Methoden, wie wir die Trockenmasse kalkulieren können. Einige davon sind kompliziert. Wir können z.B. eine Probe schneiden und sie zur Analyse ins Labor schicken. Oder wir könnten eine Ein-Quadratfuß-Probe schneiden, die der durchschnittlichen Aufwuchshöhe der Weide entspricht, sie mit nach Haus nehmen, in die Mikrowelle packen und sie trocknen. Aber das kostet Zeit, oder? Und wir müssen hin und zurück und all das.
Wir könnten auch ein Rising-Plate-Meter verwenden, aber auch das ist etwas komplizierter.
Wir bleiben lieber bei möglichst einfachen Methoden.
Eine der einfachsten Methoden, die Trockenmasse-Verfügbarkeit einer Weide pro ha zu schätzen, ist ein simpler Grasmessstab (grazing stick). Das hier ist ein USDA-NRCS Grasmessstab, den man bei jedem NRCS-Regionalbüro kaufen kann.
Dieser Stab hat zwei wichtige Skalen. Es ist ein Zoll-Maßstab, so dass wir die Höhe des Aufwuchses in Zoll messen können. Dafür könnten wir tatsächlich auch einen normalen Yard-Stick („Meterstab“ mit Zoll-Einteilung) verwenden. Er funktioniert also als Zoll-Maßstab, mit dem wir die Aufwuchshöhe in Zoll messen können. Aber er hat hier auch eine Dichte-Skala. Ihr könnt diese kleine Grafik mit Punkten entlang einer Linie am oberen Ende des Stabes sehen. Und ich zeige euch nachher gleich, wofür diese Punkte gut sind.
Das Erste, was wir tun möchten ist: Wir laufen durch die Weide, die wir grasen möchten, um die durchschnittliche Aufwuchshöhe zu ermitteln.
Was wir machen ist: Während wir über die Weide laufen, stecken wir den Stab immer wieder durch das Gras bis auf den Boden, ziehen mit der Hand das Gras am Stab entlang senkrecht nach oben, und erhalten so einen Messwert für die Höhe dieses Grases. Hier messe ich ca. 18 Zoll. Wir gehen an eine andere Stelle. Nochmal: Wir müssen natürlich an verschiedenen Stellen messen. Ich wiederholde den Prozess. Hier haben wir ca. 14 Zoll. Und das machen wir an diversen Stellen der Weide.
Du und ich sind bereits über diese Weide gelaufen und haben diverse Messungen durchgeführt. Die durchschnittliche Höhe auf dieser Weide, heute, ist ziemlich genau 15 Zoll (38 cm).
Das nächste, was wir tun müssen: Wir müssen die Dichte des Aufwuchses dieser Weide ermitteln.
Der schnelle und einfache Weg, das zu tun, ist: Wir können entweder nach Augenmaß schätzen, oder wir können die Dichte-Skala auf unserem NRCS Grasmessstab verwenden. Und das machen wir, indem wir den Grasmessstab einfach nehmen, und ihn am Boden entlang ins Gras schieben, uns direkt darüber stellen, und nachsehen, wie viele der Punkt auf der Skala wir zählen können. Je mehr der Punkte wir sehen können, desto geringer ist die Dichte des Aufwuchses, desto mehr Lücken haben wir im Bestand. Ich kann nur 3 der Punkte sehen. Wir haben hier, was ich eine gute Aufwuchsdichte nennen würde, auf dieser speziellen Weide, heute. Das bedeutet, dass wir ca. 225 kg verfügbare Trockenmasse je ha und je Zoll Aufwuchshöhe haben. Wenn wir also schnell nachrechnen, dafür wurden die Smartphones gemacht, richtig? Wenn wir 225 kg/ha x 14 Zoll rechnen, wir sagten, unsere durchschnittliche Höhe war ca. 14 Zoll, dann haben wir ca. 3.150 kg verfügbare Trockenmasse je ha, auf dieser Weide hier.
Von den verfügbaren 3.150 kg Trockenmasse wollen wir nur die Hälfte fressen lassen, richtig? Das erlaubt uns, die gewünschte Menge an Trampelmulch zu erreichen, unsere Bodenfeuchtigkeit zu schützen, Temperatur, all die anderen guten Dinge, die zu erreichen wir versuchen.
Das bedeutet 3.150 kg geteilt durch zwei, ergibt 1.575 kg.
Wir wissen jetzt, wie viel Trockenmasse pro ha wir verfügbar haben. Jetzt müssen wir herausfinden, wie groß die Koppel werden soll.
Ted, wie viele Kühe hast du?“
T.K.: „35“
W.: „35 ausgewachsene Kühe haben wir hier, die im Schnitt…“
T.K.: „590 kg“
W.: „590 kg wiegen. Das bedeutet, wenn wir sie… sie sind gerade in der Abkalbezeit, oder?“
T.K.: „Richtig.“
W.: „OK. Dann möchten wir ihnen etwas mehr geben, als wir das normalerweise würden, weil sie kalben. Sie werden viel Milch produzieren. Und du möchtest, dass sie zeitnah wieder trächtig werden, richtig?
T.K.: „Ja, natürlich.“
W.: „Richtig, termingerecht. Deshalb kalkuliere ich mit 3,5% ihres Körpergewichts, pro Kopf, pro Tag. Wenn wir 590 kg x 0,035, für die 3,5%, rechnen, dann bedeutet das, dass jede Kuh 21 kg Trockenmasse pro Tag benötigt. Richtig?“
T.K.: „Richtig.“
W.: „Wenn wir dann berücksichtigen, dass uns bei 50% Nutzung 1.575 kg pro ha zur Verfügung stehen, dann müssen wir 1.575 kg / ha durch die 21 kg teilen, die jede Kuh benötigt. Das ergibt 75 Kühe pro ha. Du hast 35. Wir müssen die Koppel also knapp einen halben ha groß bauen, um ihren Futterbedarf für 24 Stunden zu decken.“
T.K.: „OK.“
W.: „Eine Koppel von ca. 0,45 bis 0,5 ha pro Tag erlaubt uns also, ihren Futterbedarf von ca. 3,5% ihrer Körpermasse zu decken.“


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