Lehrvideos Adaptive Beweidung

Manfred
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Re: Lehrvideos Adaptive Beweidung

Beitrag von Manfred »

Teil 21:



Wie man ohne Zufütterung durchs Jahr kommt:

B. T.: „Die Weideschule unterstützt bei der Verlängerung der Weidesaison,“
W.: „Ja. Ja!“
B.T.: „und die Zeit des Zufütterns zu verkürzen, und manchmal die Zufütterungs-Saison ganz zu eliminieren. Und es hat eine enorme wirtschaftliche Wirkung, wenn man die Tiere mit Gras statt mit Heu ernährt.
Durch Adaptive Beweidung hat man für einen längeren Teil des Jahres grünen Aufwuchs.
Und wenn man dann lernt, einen stehenden Futtervorrat (Stockpile) aufzubauen, als Teil seines Beweidungsplans, dann schafft man es durch eine Periode, in der evtl. für eine Weile gar kein Grün mehr wächst.“
W.: „Ich habe viel zu viele Weiden gesehen, die viel zu kurz abgefressen wurden. Ende August wird es meist heiß und trocken in vielen Regionen des Landes. Wir wissen nicht, wann der nächste Regen kommt. Es kann bis Oktober dauern, evtl. sogar bis November. Was dann passiert, ist, dass die Weiden, die jetzt kurz abgefressen sind, eine negative Wirkung haben für den Rest dieser Weidesaison und sogar die nächstjährige Weidesaison beeinträchtigen. Solche Weiden erfordern eine viel frühere, viel intensivere und viel längere Winterfütterung. Und Winterfütterung ist nie billig. Sie kostet immer sehr viel Geld.
Was wir hier machen, das Ziel dieser Beweidung, ist, bald mit den Tieren hier runter zu sein, weil wir hier drin eine Menge Gräser haben, die in der kühleren Zeit des Jahres gut wachsen. Schwingel, Trespen usw. Deshalb möchten wir hier runter, und dieser Fläche erlauben, einen Vorrat für die Winterweide aufzubauen, statt Heu füttern zu müssen.
Dieser Vorrat erlaubt uns, unsere Ziele und Vorhaben zu erreichen: Boden aufbauen, den Boden schützen, schneller Wiederaufwuchs für den Vorrat, der unsere Winterfutterkosten senkt, und unsere Reserven in Boden und Wurzeln zu schützen, damit im nächsten Frühjahr das Wachstum eher wieder einsetzt. So bewirken wir deine deutliche Ausdehnung unserer Weidesaison, an beiden Enden. Und das ist unser Ziel. Winterfütterung ist nie billig. Und wenn wir uns die Daten des IRM (Integrated Resource Management) Programms ansehen, dann sehen wir, dass bei jedem Fleischrinderbetrieb zwischen 73 % und 85 % der jährlichen Gesamtkosten für eine Kuh für schätzt mal wofür anfallen? Für das, was sie frisst. Wenn es uns also gelingt, diese Kosten deutlich zu senken, dann haben wir den wichtigsten, den mit großem Abstand wichtigsten Kostenfaktor unseres Fleischrinder-Unternehmens reduziert.

(Schnitt)

Also, Steve und Judy, ihr seid schon eine ganze Weile hier. Zu Beginn habt ihr diesen Betrieb ganz anders gemanagt. Und ihr habt euch Sorgen um eure Ressourcen gemacht. Ihr hatten Sorgen wegen zu wenig Futter, wegen des zeitlich unregelmäßigen Wachstums, um damit durchs Jahr zu kommen, und wegen der großen Menge Heu, die ihr benötigen würdet, um über die Winter zu kommen.
Wie hat sich euer Denken verändert, und wie haben sich eure Methoden verändert, von damals bis zu dem, was ihr heute macht?“
S.F.: „Naja, wir handelten in mancher Hinsicht konventionell. Wir setzten schon auf Rotationsweide, aber weideten den Bewuchs viel kürzer und härter ab, und wir ernteten eine ziemliche Menge Heu. Das waren die größten Unterschiede zu dem, was wir heute machen.
Eine wirklich große Veränderung war der Verkauf der Heumaschinen. Danach hatten wir noch Lohnunternehmer, die für uns Heu gemacht haben, aber auch das haben wir aufgehört. Dann hatten wir in der Wachstumssaison eine ganze Farm zu managen, als Menschen, die Angst vor „überständigem“ Gras hatten. Wie sollte das klappen, ohne saisonal einen Haufen Rinder anzukarren? Das war der Punkt, als die Veränderungen wirklich begonnen haben, hin zu mehr Rest nach der Beweidung, sich keine so großen Gedanken mehr über „überständiges“ Gras zu machen, oder über (Un)Kräuter, die sich breitgemacht haben.
Wir hatten auch Land gepachtet. Und das war, wo wir gelernt haben, mit Litze streifenweise zu beweiden. Wir haben auf diesen gepachteten Farmen mit Schwingel einen stehenden Vorrat aufgebaut und diesen dann mit Litze und höheren Tierdichten abgeweidet. Und wir sind so an den Punkt gekommen… Ich war der Typ, der gerne darüber redete, dass er kein Heu füttert…
Aber wir haben uns seither etwas weiterentwickelt. Und wir nutzten manchmal wieder Heu, was uns erlaubt mehr Tiere für den starken Wachstumsschub im Frühjahr zu halten, um mehr hungrige Mäuler zu haben, um dieses viele Gras zu nutzen. Der größte Anteil unseres Wachstums ist vor dem ersten Juli abgeschlossen. Aber unser Heuverbrauch ist deutlich zurückgegangen. Wenn wir 45 Tage Heu füttern, ist das viel.
In der Zeit, in der wir mit den Rindern den ganzen Winter Schwingel streifenweise abgeweidet haben, fütterten wir maximal ein oder zwei Wochen Heu.“


Angler
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Re: Lehrvideos Adaptive Beweidung

Beitrag von Angler »

das mit dem "überständigen Gras" ist kein Hexenwerk und nichts neues -
wir haben das vor 10 Jahren gemacht, sind aber schnell wieder davon ab -
die Nährwerte im Gras gehen gen 0 und die Tiere verlieren Gewicht.


Denken ist die schwerste Arbeit, die es gibt.
Das ist wahrscheinlich auch der Grund,
warum sich so wenige Leute damit beschäftigen.

Henry Ford, amerikanischer Industrieller
Manfred
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Re: Lehrvideos Adaptive Beweidung

Beitrag von Manfred »

Das Problem hast du idR nur, wenn der Weiderest zu gering ist.
Solange sie sich das gute Zeug rauspicken können, und der Rest stehen bleibt oder niedergetrampelt wird, geht das.
Und es hilft, einen mögl. artenreichen Bewuchs zu haben. Wenn ein einzelnes Gras dominiert und dieses stark überständig ist, wird es natürlich schwierig.


Manfred
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Re: Lehrvideos Adaptive Beweidung

Beitrag von Manfred »

Teil 22:



Wo liegen die Grenzen einer Futtermittelanalyse?

S.F.: „Die Rinder sind in bester Kondition. Sie waren nie zufriedener. Und ihr Kot schaut aus, als ob wir die perfekte Fütterung haben. Woher kommen diese Nährstoffe? Woher kommt dieser Unterschied zwischen dem, was uns beigebracht wurde, dem, was die Analyse einer Futterprobe ergeben würde, und dem, was hier tatsächlich geschieht?“
W.: „Das ist eine exzellente Frage. Es waren ja sogar Agrarwissenschaftler der Universität hier draußen und haben euch prognostiziert, dass eure Rinder keine gute Leistung erbringen könnten.“
S.F.: „Mit dieser Art von Futter, ja.“
W.: „Das wurde euch also direkt von den Agrarwissenschaftlern gesagt. Aber wie du anmerkst: Offensichtlich machen eure Rinder genau das Gegenteil.
Die kurze Antwort ist, dass
-erstens wir Sachen manchmal nicht auf die richtige Weise messen.
Wenn wir darüber sprechen, wie man Proben zum Einschicken an ein Labor entnimmt, sei es ein Universitätslabor oder ein privates Lavor für Futteranalyse, welche Anleitung erhalten wir dafür?
Man sagt uns, wir sollen raus gehen und den Aufwuchs der zu beprobenden Stelle in 7,5 cm Höhe abschneiden. Wir sollen das alles abschneiden und alles einschicken.
Aber entspricht das dem, wie eure Rinder grasen?“
S.F.: „Hm. Nein.“
W.: „Nein. Überhaupt nicht. Die erste Hinsicht, in der das falsch ist, ist also, dass das, was im Labor gemessen wird… Es ist nicht so, dass die Laboranalyse falsch wäre. Was falsch ist, ist die Probe, die untersucht wird.“
S.F.: „Genau. Sie fressen ja nicht alles, was hier gewachsen ist. Sie können sich herauspicken und wählen, was sie gerne mögen.“
W.: „Richtig.“
S.F.: „Mit höherem Nährstoffgehalt.“
W.: „Die Rinder fressen also nicht das, was man als Probe einschicken soll. Das ist der Haken. Sie fressen hier eine komplett andere Diät. Da hast du recht.“
S.F.: „Sie haben die Gebrauchsanweisung nicht gelesen.“
W.: „Sie haben die Gebrauchsanweisung nicht gelesen. Sie folgen nicht der Anleitung des Labors.“
S.F.: „Ja, ja.“
W.: „Du weißt: Wenn wir auf diese Weise, adaptiv, weiden, dann sehen wir eine ziemlich signifikante Abweichung zwischen dem Ergebnis einer Laboranalyse nach Anleitung von unserer Weide und dem, wie sie die Tiere tatsächlich entwickeln hier draußen.
Und die zweite Sache, die bei einer Standard-Futtermitteluntersuchung nie berücksichtigt wird: Wir haben schon darüber gesprochen, dass jede Pflanze sekundäre Stoffwechselprodukte erzeugt, richtig? Diese werden bei einer Standard-Futtermitteluntersuchung nicht gemessen. Es werden nur die primären Nährstoffe gemessen. Rohproteingehalt, gesamtverdauliche Nährstoffe (TDN = total digestible nutrients), NDF (Neutral-Detergenz-Faser, Summe der Zucker, Stärke und Rohfaser), ADF (acid detergent fiber, Rohfaser), Netto-Energie, RFQ (relative forage quality, relative Verdaulichkeit) und diese Dinge. Nichts davon berücksichtigt die sekundären Stoffwechselprodukte, die diese Pflanzen erzeugen.
Was wir sehen ist, dass hinsichtlich der Ernährung und Gesundheit unserer Rinder, diese sekundären Stoffwechselprodukte viel, viel wichtiger sind als die primären Nährstoffe. Das gilt übrigens auch für unsere eigene Ernährung. Wenn wir den Nährstoffgehalt dessen, was wir in unserer menschlichen Diät essen, untersuchen oder versuchen zu untersuchen, machen wir den gleichen Fehler. Wir messen oft nicht die Variablen, die den größten Unterschied ausmachen. Wir messen die Dinge, von denen wir denken, dass sie den größten Unterschied machen würden.
Ich bin als Wissenschaftler selbst in diese Falle gelaufen. Als ich an der Universität war, habe ich buchstäblich hunderte von Heu- und Futtermittelanalysen ausgewertet. Auf der Basis wurden Empfehlungen macht, an die Rancher und Farmer, die diese Proben eingeschickt hatten.
Wir waren… ich bin ganz ehrlich… damals wurde uns erzählt: Sagt ihnen, sie sollen so viel Mais füttern oder so viel dies und jenes, oder was auch immer… Und das haben wir pflichtbewusst gemacht. Du musst 2 Pfund von diesem Ergänzungsfuttermittel oder 2 Pfund Mais am Tag füttern, oder 5 Pfund Sojaschrot oder was auch immer.
Heute weiß ich, dass ich tatsächlich Teil des Problems war, statt Teil der Lösung. Ich habe diese Laborergebnisse nicht richtig interpretiert. Und ich haben ihnen Empfehlungen gegeben, die sie mehr Geld gekostet haben, statt weniger. Ich habe sie dazu gebracht, ihr Gras schlechter zu nutzen, statt es besser und angemessener zu nutzen, und all die anderen Pflanzen hier draußen.“


Manfred
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Re: Lehrvideos Adaptive Beweidung

Beitrag von Manfred »

Teil 23:



Weshalb solltet ihr verwilderte Weiden nutzen?

W.: „Hier haben wir eine ganz andere Situation. Wir befinden uns jetzt in einem Bereich von Steves und Judys Farm, den sie noch nicht so lange bewirtschaften wie die vorherige Weide. Diesen Bereich würdet ihr evtl. als etwas verwildert beschreiben. Hier wachsen eine Menge Gleditschien, eine Menge Wolfsmilch, und viele andere… Disteln… was immer ihr möchtet, eine Menge Gestrüpp usw.
Dies ist ein Beispiel dafür, dass man die Rinder als Werkzeug nutzen kann, und keine Chemikalien oder anderen Eingriffe benötigt, um eine Landschaft zu verändern. Sie befinden sich mitten in dem Prozess, mittels der Rinder diese Fläche zu transformieren. Wir streben die schon vorher beschriebene Wirkung an. Wir wollen eine ausreichende Biomasse aufbauen, egal, was hier wächst. Das ist nicht wichtig. Das ist wirklich irrelevant. Es ist Biomasse, Pflanzenmaterial. Das kann alles zu Humus werden.
Nachdem die Rinder auf der Fläche waren, können wir sehen, dass sie einen wirklich guten Grad an Trampelmulch hinterlassen haben. Mit diesem Mulch schützen wir weiter die Bodenfeuchtigkeit und die Bodentemperatur, trotz des völlig veränderten Anblicks.
Ihr seht auch, dass von vielen dieser hoch wachsenden Unkräuter hier drin, wie Wolfsmilch und Ambrosia und all dem Zeug, das hier stand, nur noch die Stängel und Stämmchen übrig sind. Die Rinder haben die Blätter abgefressen.
Das sind Pflanzen, von denen die Mehrheit der Rinderhalter behaupten würde, dass die Rinder diese nicht fräßen, dass sie sie nicht nutzen könnten, dass sie sie ignorieren würden. Und doch sehr ihr hier eindeutig, dass, als die ganze Herde hier durchgezogen ist, sie diese hohen Kräuter genutzt und die Blätter abgefressen hat.
Kurz bevor die Rinder umgetrieben wurden, habe ich sie beobachtet, um zu sehen, was sie treiben. Und sowohl die Kühe als auch die Kälber haben an den Blättern diese hohen Kräuter gefressen. Und natürlich konnten wir auch beobachten, wie sie die Blätter all dieser Bäume und Sprösslinge usw., die hier ebenfalls wachsen, abgefressen haben. Sie nutzen jede Nahrungsquelle, die ihnen hier draußen zur Verfügung steht.
Das Gute an all diesen hohen Kräutern ist, dass sie sehr tiefreichende Wurzeln haben, und so in der Lage sind, Mineralien nach oben zu holen, die viel tiefer im Boden liegen, als sie unsere in Anführungszeichen „verbesserten“ Futtergräser erreichen könnten, wie der Schwingel hier, oder das Bermudagras oder die Fingerhirse hier. Diese wurzeln alle deutlich flacher im Vergleich zu vielen dieser anderen Pflanzen.
Diese anderen Pflanzen sind also in der Lage, Nährstoffe aus viel tieferen Bodenschichten zu holen. Sie sind so in der Lage, den Oberboden wieder mit Mineralien anzureichern, und den Nährstoff- und Wasserkreislauf wieder in Gang zu bringen.
Was sie ebenfalls für uns leisten: Sie locken eine komplett andere Zusammenstellung von Mikrobenarten an, im Boden, die uns helfen, den Boden wieder aufzubauen, ihn zu reparieren. Sie produzieren biotische Klebstoffe, die die Bodenpartikel zu Aggregaten verbinden. So verbessert sich im Lauf der Zeit die Wasserinfiltrationsrate signifikant.
Und sie produzieren eine ganze Auswahl von sekundären Pflanzenstoffen, über die wir schon gesprochen haben. Jedes dieser abgefressenen Kräuter, die ihr hier seht, bedeutet, dass sich die Rinder selbst mit Medikamenten und Antiparasitika versorgt, diese Wirkstoffe in ihre Körper aufgenommen haben. Sie haben sich selbst behandelt.
Viele Leute, die das hier sehen, würden denken, dass Rinder, die hier grasen, einer höheren Belastung mit inneren und äußeren Parasiten ausgesetzt wären, dass man auf so einer Fläche die Tiere in dieser Hinsicht einem Risiko aussetzen würde. Aber tatsächlich ist ziemlich genau das Gegenteil der Fall. Was wir hier machen, ist den Tieren zu ermöglichen, sich selbst zu behandeln, sich mit Medikamenten und anderen Pflanzenwirkstoffen versorgen zu können, aufgrund der viel größeren Diversität von Pflanzenarten hier draußen, besonders wegen des viel höheren Anteils an Kräutern. So wird die potentielle Belastung unserer Rinder durch Parasiten und Fliegen signifikant verringert.“
S.F.: „Wie kommt es, dass wir, wenn wir Rindern hier rein lassen… Das war die größte Überraschung für uns, als wir mit dem Beweiden von Hochgras und längeren Erholungszeiten begonnen haben: Wir haben all diese reifen Kräuter hier drin, überall Samenstände, all die verschiedenen Pflanzen usw. … Meine Erwartung war, dass wir zu trockenen Kot und eine schlechte Leistung der Kühe sehen würden. Aber das ist nicht geschehen. Die Rinder sind in bester Verfassung. Sie sind so zufrieden, wie sie je wahren, und der Kot sieht aus, als ob wir sie perfekt ernähren würden.“
W.: „Ihr habt eine Menge Komplexität und Diversität hier draußen. Ich würde erwarten, dass dieselben Agrarwissenschaftler, die euch erzählt haben, dass es hier kaum Nahrhaftes für eure Rinder gäbe, euch auch erzählt haben, dass dies eine sehr stark verunkrautete und verbuschte Weide sei, und dass ihr etwas unternehmen müsstet, Herbizideinsatz oder Mulchen oder was auch immer, um dieses Zeug los zu werden. Stimmt das?“
S.F.: „Hm. Ja.“
W.: „OK. Was haben die also gemacht? Wer auch immer er oder sie waren, was haben diese Agrarwissenschaftler gemacht? Sie haben den Fakt, dass eure Rinder das fressen würden, komplett ignoriert.“
S.F.: „Ja.“
W.: „Sie haben das abgewürdigt als nicht fressbare Pflanzen ohne Nährwert usw. Und sie haben auch den unglaublichen Wert dieser Pflanzen für den Bodenaufbau und für die Förderung der Mikrobenvielfalt, der Bodengesundheit ignoriert.“
S.F.: „Ja. Pflanzen wie Breitwegerich, Chicorée oder sogar Vogelknöterich, solche Sachen.“
W.: „Ja, ja! Oder sogar eure Disteln hier, oder eure (unverständlich) hier, oder die Ambrosia da drüben. All das trägt zu dieser biologischen Diversität, zu dieser Mikrobenvielfalt im Boden bei.
Sie haben die aus der Kumulation dieser Arten entstehende Wirkung völlig ignoriert. Wir nennen das das Prinzip der Kumulation. Je mehr Diversität und Komplexität man an Pflanzen, Mikroben und allem Anderen hat, desto mehr Biomasse kann man oberirdisch wachsen lassen, und umso mehr Nährwert aus sekundären Pflanzeninhaltstoffen steht zur Verfügung.
Die haben das bewertet, als ob das eine Schwingel-Monokultur wäre. Für sie war der Schwingel, der hier wächst, das Einzige, was die Rinder überhaupt hätten fressen können.“
S.F.: „Und Schwingel ist das Einzige hier, das sie tatsächlich nicht fressen.“ (Lacht.)
W.: „Wie ironisch das ist!“
S.F.: „Ja!“


Manfred
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Re: Lehrvideos Adaptive Beweidung

Beitrag von Manfred »

Teil 24:



Was sollte man gegen die „Unkräuter“ unternehmen?

W.: „Wenn wir uns diese Koppel ansehen, die heute als nächstes beweidet wird, dann ist das Erste, was wir hier drin sehen, recht viel Diversität und Komplexität bezüglich der Pflanzenarten.
Wir sehen diverse Gräser, es sind auch Leguminosen vorhanden, und wir sehen ebenso Kräuter, oder das, was viele Leute Unkräuter nennen würden.
Diese Pflanze hier z.B., Carolina-Nachtschatten, wird auch Pferdenessel oder Bullennessel genannt. Verschiedene Leute haben leicht unterschiedliche Namen dafür. Die Pflanze hat Stacheln und fasst sich irgendwie unangenehm an. Aber die Rinder beißen da tatsächlich rein und fressen ihn, bei hoher Tierdichte. Und ob ihr es glaubt oder nicht, diese Pflanze hat tatsächlich einen sehr hohen Nährstoffgehalt. Sie ist vollgestopft mit dem, was wir sekundäre Pflanzeninhaltstoffe nennen. Und diese sekundären Inhaltstoffe, sogar bei Pflanzen wie Disteln und Carolina-Nachtschatten, die sozusagen dornige Pflanzen sind: Rinder fressen diese, wenn sie es einmal gelernt haben. Und diese sekundären Pflanzeninhaltstoffe bieten den Tieren antiparasitäre und medizinische Wirkung.
Eine Art zu beurteilen, wie hoch der Gehalt an diesen sekundären Pflanzeninhaltstoffen ist, diesen medizinischen Wirkstoffen, die die Pflanzen erzeugen: Zupft etwas davon ab, rollt es zwischen euren Händen, und dann riecht daran. Je stärker das Aroma, es wird ein angenehmer Geruch sein, ein starker Kräuter-Duft, es wird nicht abstoßend oder unangenehm riechen, es wird ein angenehmer Geruch sein, aber es wird sehr, sehr aromatisch sein. Je stärker dieses Aroma ist, desto mehr sekundäre Inhaltstoffe produzieren diese Pflanzen. Und das bedeutet, dass sie starke medizinische und antiparasitäre Vorteile für die Rinder bieten.
Wenn ich eine Standard-Futteranalyse durchführen würde, bei dieser Ambrosia, dann ist sie nicht nur vollgestopft mit sekundären Inhaltstoffen, sondern hat auch einen hohen Anteil von Rohprotein, TDN (total digestible nutrients = Gehalt verdaulicher Nährstoffe) und Netto-Energie. Ihr Futterwert ist also nicht nur bezüglich der sekundären Inhaltstoffe, sondern auch bezüglich der gängigen Nährstoffe, die wir kennen, sehr, sehr hoch. Das ist kein platz- und nährstoff-verschwendendes Unkraut. Sie ist sehr wertvoll für alle Arten von Nutztieren.
Nochmal: Bei der richtigen Tierdichte lernen unsere Nutztiere schnell, diese Pflanzen bereitwillig zu fressen. Und sie profitieren stark davon.
Die zweite Sache, die wir hier ansprechen müssen, ist, dass diese sekundären Pflanzeninhaltstoffe nicht nur für unsere Rinder wichtig sind, oder für Schafe, oder für welche Arten von Nutztieren auch immer wir weiden. Sie sind auch wichtig für die anderen Pflanzen in diesem Mix. Denn diese sekundären Inhaltstoffe können von einer Pflanze zu nächsten und von dort zur nächsten usw. übertragen werden, durch die Mykorrhiza -Pilze, welche diese Pflanzenwurzeln unter der Bodenüberfläche miteinander verbinden. Diese sekundären Inhaltstoffe können also von dieser Pflanze zu dieser Pflanze, zu dieser Pflanze, zu dieser Pflanze, zu jener Pflanze übertragen werden, und so bei all den anderen Pflanzen um sie herum zu einer größeren Resistenz gegen Krankheiten und Schädlinge und gegen Stress beitragen.
Wieso sollten wir diese dann loswerden wollen?
Natürlich wollen wir nicht, dass dies eine Ambrosia-Monokultur wird. Aber wenn ich einen kleinen Anteil habe, an Ambrosia und Carolina-Nachtschatten und (unverständlich) und Sumach und was auch immer hier drin sein mag, dann ist das tatsächlich sehr gut, weil wir dann eine Diversität haben, welche die Natur simuliert. Woran wir uns erinnern müssen, ist, dass die Natur nie eine Monokultur schafft. Die Natur schafft immer Mischkulturen. Das versucht die Natur auch hier zu tun.
Was wir ebenfalls erinnern müssen, bezüglich dem, das wir Unkräuter nennen: Diese Unkräuter sind unsere erste Verteidigungslinie. Das ist der Grund, weshalb, wann immer wir offenen Boden haben, degradierten Boden, nackte Stellen usw., was sehen wir dort als erstes wachsen? Unkräuter! Sie wachsen nicht, um es uns schwer zu machen, uns zu ärgern, uns zu gängeln. Sie wachsen, weil sie die besten Pflanzen zu diesem Zeitpunkt sind, um möglichst schnell den degradierten Boden zu reparieren. Und das müssen wir verstehen. Sie tun uns tatsächlich einen Gefallen. Wenn wir die nötige Geduld aufbringen, wissend, dass unsere Tiere auch diese Pflanzen fressen, bei richtigem Weidemanagement, dann werden diese „Unkräuter“ sehr wertvolle Freunde für uns.“
S.F.: „Es ist viel einfacher, auf diese Weide zu arbeiten, statt ständig gegen „Unkräuter“ zu kämpfen. Außerdem haben die Rinder durch die Art, wie wir weiden, gelernt, die meisten „Unkräuter“, die wir hier in den Ozarks haben, zu fressen. Das reduziert deutlich das Stressniveau, statt ständig darüber nachzudenken, wie werde ich dies los, wie kille ich jenes…
Wir haben herausgefunden, dass vieles von dem, was wir „Unkräuter“ nennen, tatsächlich sind es ja Kräuter, zu den Pflanzen mit den höchsten Futterwerten in unseren Weiden gehört. Und das sind auch die Pflanzen, zu denen die Rinder nach jedem Koppelwechsel gleich als erstes laufen, um sie zu fressen. Breitblättriger Wegerich und Chicorée, die Ambrosia, diese Art von Pflanzen. Die Rinder lieben sie einfach. Sie gedeihen sehr gut mit diesen Kräutern, besonders zu den Zeiten, wenn unsere Cool-Season-Gräser (Anm: Gräser die bei eher kühler Witterung gut wachsen und bei Hitze und Trockenheit in Wachstumsstarre gehen), die wir hier in den Ozarks haben, kaum verdaulich sind.“
W.: „Wenn ihr euch den Mix auf dieser Weide anseht, dann wäre es eine große Verschwendung an Zeit und Geld, hier rein zu gehen und Herbizide gegen diese Kräuter zu spritzen, um zu versuchen, sie aus dem Mix zu entfernen. Das wäre nichts, das wir tun wollten.“


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Re: Lehrvideos Adaptive Beweidung

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Teil 25:



Wie man Problemflächen in der Weide mit den Tieren als Werkzeug in den Griff bekommt.

W.: „Hier zeige ich, was wir eine Koppel in der Koppel nennen. Das ist eine Methode, die uns ermöglicht, Problemflächen innerhalb einer größeren Koppel gezielter zu bewirtschaften.
Wir haben hier eine Fläche mit mehreren Herausforderungen. Wir haben Säckelblumen (buckbrush), wir haben Amerikanische Gleditschie (honey lucust), wir haben einige Seidenpflanzen (milkweed), die wir einfach unter Kontrolle halten möchten. Nicht dass irgendeine davon für sich genommen schlecht wäre. Aber wir möchten nicht, dass sie die dominanten Arten im Mix werden.
Wo wir solche Bereiche haben, in denen wir eine stärkere Einwirkung der Tiere möchten, um das Vordringen bestimmter Arten im Griff zu behalten, dort können wir diese Strategie einer Koppel innerhalb einer Koppel anwenden.
Da vorne haben wir den Eingang in unsere neue Koppel, neben dem Wassertrog. Das andere Ende der Koppel ist dort drüben, kurz hinter dem Hügel. Wenn die Rinder hier rein kommen, werden sie letztlich diese ganze Koppel erhalten, um hier die nächsten 24 Stunden zu grasen.
Aber was wir zu Beginn machen: Wenn Sie hier rein kommen, dann denken Sie, sie hätten die ganze Koppel zur Verfügung. Aber tatsächlich geben wir ihnen nur diesen separat eingezäunten Problembereich hier. Wir werden hier drin also eine signifikant höhere Tierdichte haben, weil die Fläche weniger als 1000 m2 beträgt. So erreichen wir eine Tierdichte von ca. 560.000 kg / ha.
Was wir hier machen: Wir brauchen nicht auf die Wasserversorgung oder den Schatten zu achten. Wir brauchen uns nicht mal Gedanken darüber zu machen, was sie hier fressen, weil sie, wenn wir sie hier rein lassen, nur ca. 30 Minuten hier drin bleiben werden. Länger wird es nicht dauern, um mit einer derart hohen Tierdichte, die vor und zurück über diese Fläche trampelt, einen sehr, sehr hohen Anteil an zertrampelter Fläche zu erhalten. Und das ist genau die Wirkung, die wir hier anstreben, diese Trampel-Wirkung. Alles andere kümmert uns nicht.
Wir werden hier stehen oder auf unserem UTV sitzen oder was auch immer, und für diese 30 Minuten oder so die Rinder beobachten. Und wenn wir den gewünschten Trampeleffekt erreicht haben, brauchen wir nur diese Litze aufzurollen, dieses Stückchen Schnur hier, und sie heraus in die große Koppel zu lassen, für den Rest der 24 Stunden.
Wie viel Zeit hat es uns gekostet, diese Koppel innerhalb der Koppel einzuzäunen? 3 Minuten! Von Anfang bis Ende. Mehr Zeit kostet es euch nicht, so etwas zu machen, und eine sehr hohe Trampelwirkung zu erzielen.
Was geschieht mit dieser Koppel in der Koppel, nachdem wir die gewünschte Trampelwirkung erreicht haben? Was geschehen wird, ist: All die anderen Pflanzen in dieser Koppel und in der Samenbank dieser Koppel, werden dann in der Lage sein, sich gegen unsere Problemarten, die Säckelblumen und die Gleditschien, durchzusetzen. All diese anderen Arten können dann keimen. Wir haben viel Huf-Wirkung eingesetzt, intensive Huf-Wirkung. Wir haben viel Dung und Urin eingebracht, für die Fruchtbarkeit. Und dieses Ausmaß an Tierdichte und Tierwirkung wird nicht nur das vorhandene Problem lösen, sondern auch dazu führen, dass dieser Streifen, wo wir das gemacht haben, nächstes Jahr deutlich erkennbar sein wird. Die verbesserte Fruchtbarkeit wird in der nächsten Weidesaison klar hervorstechen. Wir werden hier einen dunkelgrünen Streifen sehen, mit irgendwas zwischen der doppelten und dreifachen Futter-Biomasse gegenüber dem, was wir vor dem Einsatz dieser hohen Tierdichte gesehen haben.“


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Re: Lehrvideos Adaptive Beweidung

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Teil 26:



Ob, wann und wie man endophyt-infizierten Schwingel und andere „unerwünschte“ Arten angeht.

W.: „Eine weitere Frage, die uns oft gestellt wird, ist: Wenn meine Weiden keine optimale Produktivität haben, oder ich ein weniger wünschenswertes Futter habe, wie endophyt-infizierten Schwingel oder Wiesenrispe, Rohrglanzgras, etwas in dieser Richtung, was sollte ich unternehmen? Sollte ich neu einsäen? Und wenn ich neu einsäe, was soll ich da säen, welche verbesserte Zuchtsorte?
Nun, wir sollten uns die Fragen stellen, was wirtschaftlich sinnvoll ist. Was bringt uns die größte und am längsten anhaltende Wirkung? Richtig?
Und in den meisten Fällen ist das nicht die Neuansaat. Neuansaaten sind nie billig. Wenn wir eine vollständige Neuansaat vornehmen, und wir den endophyt-infizierten Schwingel vorher vollständig abtöten müssen, und wenn man ihn ersetzen will, dann muss man genau das tun, und dann muss man den Boden für die Neuansaat der Zuchtsorte vorbereiten. Wenn ihr einen endophyt-resistenten Schwingel, oder eine Trespe (bromegrass) oder Knäuelgras oder was auch immer ansäen wollt, dann muss der Boden vorbereitet werden, ihr müsst das Saatgut kaufen, das Saatgut aussäen. Und um das Saatgut auszusähen, benötigt ihr Treibstoff, Arbeitszeit, Wartung, Abschreibungen, usw., um das zu erledigen. Dann dauert es, bis sich die neue Saat etabliert hat. Während dieser Anwachszeit könnt ihr die Flächen nicht beweiden. Und in 9 von 10 fällen, was werdet ihr auch machen, wenn ihr sät: Ihr werdet auch düngen, weil ihr euch ausrechnet: Wenn ich all dieses Geld ausgebe, für das Abspritzen der alten Grasnarbe, für die Beseitigung des unerwünschten Bewuchses, des endphyt-infizierten Schwingels, oder was immer ihr los werden wollt, und ich dann all das Geld ausgebe, um den Boden vorzubereiten, das Saatgut zu kaufen, für die Aussaat, dann dünge ich auch, um ihm einen guten Start zu geben. Das ist genau, was wir wollen, richtig? Wir wollen einen guten Start.
Jetzt addiert all diese Kosten. Und diese Fläche fällt euch für ein ganzes Jahr oder noch länger aus der Produktion.
Wir haben diese Zahlen immer und immer wieder ausgewertet. Die minimalen Kosten, alles eingerechnet, betragen mindestens 1.600 Euro / ha, und manchmal deutlich über 2.000 Euro / ha.
Ich nenne das: Meine eigenen Flächen nochmal neu kaufen.
Warum sollte ich das tun, wenn ich bessere Optionen habe?
Was sind solche besseren Optionen?
Ist endophyt-infizierter Schwingel wirklich ein überhaut nicht wünschenswertes Futter? Ist Rohrglanzgras oder irgendetwas anderes oder Wiesenrispe wirklich unerwünschtes Futter?
Wenn es uns gelingt, Komplexität und Diversität zu schaffen, wie ich es euch erklärt habe, auf genau dieser Fläche, wo wir den endophyt-infizierten Schwingel haben, wo wir die Wiesenrispe haben, wo wir das Rohrglanzgras haben, oder was auch immer dieses in Anführungszeichen „unerwünschte“ Futter ist, dann renovieren wir diese Weide und mildern so die negativen Wirkungen dieser einen speziellen Pflanzenart ab.
Das ist viel, viel billiger. Wir haben überhaupt keine Ausfallzeit, ich muss kein Geld ausgeben für das Abspritzen und Abtöten, für die die Bodenvorbereitung, für Treibstoff, Arbeitszeit, Dünger und all das Zeug, und ich habe keinen Einnahmeverlust für das Jahr, in dem ich die Fläche nicht beweiden könnte. So habe ich einen Berg von Geld gespart, ich hab die Wirkung des endophyt-infizierten Schwingels abgeschwächt, oder was auch immer da an Unerwünschtem wächst, und ich habe hier draußen das geschaffen, was ich gerne als Salatbar bezeichne, die diese Vielzahl von Pflanzenarten hat.
Nun, es geht noch tiefer als das. Und hier ist warum: Was wir herausgefunden haben ist, dass man selbst mit Zeug wie endophyt-infiziertem Schwingel… hier ist es natürlich der Endophyt, der die negativen Folgen für unsere Nutztiere verursacht… aber dieser Endophyt ist auch genau das, was dem Schwingel ermöglicht, zu bestehen. Bei endophyt-resistenten Schwingelsorten sehen wir oft, dass diese ein Problem haben zu bestehen. Dann geben wir all das Geld aus, um den endophyt-infizierten Schwingel auszurotten, den Boden vorzubereiten, zu säen, die Tiere von der Fläche zu halten, und dann hält die Neuansaat 5 oder 8 oder 10 Jahre, und dann ist sie merklich ausgedünnt. Was haben wir dann gewonnen? Dann müssen wir unsere Flächen wieder neu kaufen und wieder und wieder… Das ist kein fundierter Plan. Und es ist kein wirtschaftlich tragfähiger Plan.
Wenn wir dagegen unsere Tiere als Werkzeug einsetzen, um die Weiden zu verbessern, und das ist absolut machbar, durch Adaptive Beweidung mit hoher Tierdichte, dann können wir die latente Samenbank anzapfen, die bereits genau hier, unter unseren Füßen, vorhanden ist.
Und was wir festgestellt haben: Wir haben das überall in den USA gemacht, wir haben das überall in Kanada gemacht, von Nova Scotia bis British Columbia, wir haben es in Mexiko und in Südamerika gemacht, und es wurde in vielen anderen Ländern rund um den Globus gemacht. Wir haben festgestellt, dass egal wohin wir gehen, ob im gemäßigten oder kalten Klima, in warmem oder trockenem Klima, es ist egal, auch in welchem Land, überall gibt es eine lebensfähige, latente, anzapfbare Samenbank. Indem wir unsere Tiere in hoher Dichte, mit regelmäßigem Umtrieb und regelmäßigen Pausen einsetzen, können wir diese latente Samenbank, die uns kostenlos zur Verfügung steht, zur Entfaltung und Vermehrung bringen.“
(Schnitt)
B.T.: „Was ich hier gelernt habe: Mir wurde immer erzählt, wenn ich Kentucky 31 (Anm: Eigentlich eine Schwingel-Zuchtsorte, die Bezeichnung wird aber oft synonym für Schwingelgräser im Allgemeinen verwendet) habe, dann hätte ich eine Monokultur, die mir zur Last fallen würde. Dann muss man sich damit arrangieren und die Vorteile, die diese Monokultur bietet, als Vorteil nutzen, und mehr ist nicht zu machen. Und sie hat ihre Vorteile (Anm.: Schwingel ist z.B. sehr gut für den Aufbau eines stehenden Wintervorrats (stockpile) geeignet. Das Gift der Endophyten wird nach den ersten Frösten zersetzt.), aber auch furchtbare Nachteile (Anm.: Das Gift der Endophyten verursacht unter bestimmten Bedingungen starke Durchblutungsstörungen, die schwere Entzündungen der Gliedmaßen (fescue foot rot) und andere Stoffwechselstörungen der Tiere verursachen, die zu starkem Leistungsabfall und bis zum Tod der Tiere führen können. ).“
W.: „Richtig. Richtig.“
B.T.: „Und in diesem Glauben kam ich hierher . Aber hier haben sie keine Monokultur. Das ist das Schönste hier. Und wie Steve einmal zu mir sagte: Er ist ein verdammt guter Unkraut-Bauer.“
W.: Lacht laut.
B.T.: „Und dann zeigte er mir all die sogenannten „Unkräuter“, die wir jetzt lieber Kräuter nennen, weil sie gutes Futter sind, und er zeigte mir, dass die Rinder einen hohen Prozentsatz davon fraßen. Und was sie nicht fraßen, trampelten sie nieder.
Und dann die Kondition seiner Tiere! Zum Teil beruht das sicher auf der Zucht, aber zum Teil eben auch auf dem Weidemanagement. Diese Tiere sind wirklich in exzellenter Kondition. Jeden Tag, an dem ich sie sehe, sind diese Rinder in wundervoller Kondition.“
(Schnitt)
W.: „Es hat also viele Vorteile. Nochmal: Überlegt euch wirklich sehr gut, ob ihr eure Flächen nochmal neu kaufen wollt, und wieder und wieder.
Oder ist es besser unsere Tiere als Werkzeug zu nutzen, um diese Arbeit für uns zu erledigen?“


Manfred
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Re: Lehrvideos Adaptive Beweidung

Beitrag von Manfred »

Teil 27:



Wie man innere und äußere Parasiten vermeidet.

W.: „Wenn man mit Dauerstandweide oder konventionell grast, wo auf den Weiden landet dann der meiste Kot und Urin?“
S.F.: „Wo sie schlafen.“
W.: „ Exakt. Im Schatten, oder am Wasser, richtig?“
S.F.: „Das stimmt.“
W.: „So konzentriert man… nicht nur die Fliegen, sondern auch die inneren Parasiten, richtig?
So werden die Zyklen der internen und externen Parasiten nicht gebrochen. Ganz im Gegenteil fördert man so die Vermehrung dieser Schädlinge, was zu immer stärkerem und stärkerem Befall der Rinder führt.
Wozu führt das? Dann muss man Geld dafür ausgeben, gegen die inneren und äußeren Parasiten zu behandeln, richtig?
Und das ist nie eine einmalige Sachte, stimmt‘s? Das muss man regelmäßig wiederholen. Am Ende oft mehrmals im Jahr.
Man gibt also mehrere Dollar pro Tier aus, bei jeder einzelnen Behandlung. Und man macht das mehrfach im Jahr. Da kommen schnell 15 bis 25 Dollar jährlich je Tier zusammen, nur für die Behandlungen gegen Fliegen und interne Parasiten. So schnell… (Anm.: Schnalzt mit den Fingern).
Und das ist ein Kreislauf, den man leicht brechen kann. Wenn wir viele Mistkäfer möchten, dann bedeutet das, dass wir keine chemischen Wurmmittel einsetzen dürfen, bei unseren Rindern.
Wie kriegen wir das also in den Griff? Nun, auch hier wieder durch die Art, wie wir weiden. Wenn wir höher grasen und sie das Futter nie kurz abfressen lassen, denn die meisten Wurmlarven stecken in den untersten 7,5 cm bis 10 cm des Futters... Wenn die höher klettern, trifft sie das Sonnenlicht und sie trocknen aus und sterben. Die wissen das. Also bleiben sie unten, 10 cm und niedriger.
Wenn wir immer höher als das grasen, unsere Nutztiere, Rinder, Schafe, was auch immer, das Gras nie zu tief abfressen lassen, und wir sie umtreiben, jeden Tag, dann erreichen wir 2 Sachen:
Erstens hindern wir sie daran, mehr Wurmlarven aufzunehmen und sich so wieder neu mit Würmern zu infizieren. Und zweitens bewegen wir sie ständig weg von den Infektionsquellen und den Brutnestern der Fliegen. So behalten wir einen Vorsprung vor unseren internen und externen Parasiten. Und dass erlaubt uns dann, auf diese Chemikalien zu verzichten, die wir typischer Weise einsetzen würden, um die Würmer und Fliegen zu bekämpfen.
Und wir müssen verstehen, dass es kein chemisches Pestizid, Insektizid, Antiparasitikum gibt, das wir einsetzen könnten, welches absolut spezifisch nur gegen die Zielarten wirken würde. Diese Mittel töten mehr als nur die Zielorganismen.
Zu den Kollateralschäden gehören die Mistkäfer und viele andere Käfer, und sie beeinträchtigen auch die Regenwurmpopulation usw.
Mit dieser Kombination von Strategien wird es uns also möglich, komplett auf chemische Wurmbehandlungen zu verzichten. Und dann werden wir sehen, wie unsere Mistkäferpopulation zurückkommt. Und wenn diese zurückkehrt, dann sehen wir diese Synergieeffekte, über die wir gesprochen haben.“


Manfred
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Re: Lehrvideos Adaptive Beweidung

Beitrag von Manfred »

Teil 28:



Wie man den Tieren hilft, ihre Diät auszubalancieren.

W.: „Es ist sehr interessant, darauf zu achten, was die Rinder fressen, sowohl die Kühe, als auch die Kälber, weil man oft beobachtet, dass die Kälber etwas anders selektieren als ihre Mütter.“
J.F.: „Ihre Bedürfnisse sind unterschiedlich.“
W.: „Ihr Bedürfnisse sind unterschiedlich! Genau. Die Kühe versuchen nur, ihren Erhaltungsbedarf und den Bedarf für die Milch zu bedienen. Sie werden gerade erst wieder gedeckt. Aber die Kälber haben einen viel höheren Bedarf an Energie und Proteinen, weil sie voll im Wachstum sind.
Wenn man genau hinschaut, sieht man etwas Denkwürdiges. Man bemerkt, dass die Kälber etwas höher grasen als ihre Mütter. Man sieht sie auch einiges herauspicken. Wenn sie z.B. Kleeblüten finden, dann zupfen sie Kleeblüten, weil diese einen sehr hohen Zuckergehalt haben. Wenn du Samenstände siehst: Oft fressen die Kälber eine Menge Samenstände, speziell, wenn diese noch in der Teigreife sind. Denn wenn man den Brixwert (Zuckergehalt) misst, kann der in diesem Stadium sehr hoch sein. Die Kühe ignorieren diese Samenstände oft, aber ihre Kälber suchen gezielt danach und pflücken diese Samenstände ab.
Wenn ich dann meine Aufmerksamkeit auf die Kühe selbst und auf die Färsen richte, jetzt in der Deckzeit, und beobachte, wie diese grasen, dann sieht man Unterschiede zwischen den einzelnen Tieren. Bei einigen Individuen kann man sehen, dass sie viel höher grasen, sie fressen die mittleren und oberen Pflanzenteile. Andere stecken ihre Köpfe viel tiefer in den Aufwuchs und fressen im unteren Bereich. Das sind diejenigen, die versuchen, Klee zu erwischen, den niedriger wachsenden Klee, richtig? Sie sind also hinter dem Klee her. Dann gibt es in diesem Mix auch etwas Luzerne. Ich sah eine Kuh, die herumgewandert und gezielt von Luzernepflanze zu Luzernepflanze gegangen ist.
Wir wissen natürlich, was mit dem Kot der Kühe passiert, die mehr Protein zu sich nehmen. Er wird dünner und flüssiger, stimmt’s? Weil sie mehr Protein im Verhältnis zu Energie und Eiweiß konsumieren. Bei dieser Kuh, die gezielt nach Luzerne suchte, konnten wir sehen, wenn sie sich umdrehte, dass sie um den Schwanzansatz und auch der Schwanz selbst, ziemlich schmutzig war. Es war ziemlich klar, dass sie nicht nur heute Luzerne pickt. Das ist ihre Gewohnheit. Es ist wie bei uns Menschen. Unterschiedliche Menschen wählen unterschiedliche Nahrungsmittel. Und wir beobachten, dass es unsere Rinder ebenso halten. Aber über die Herde hinweg gleicht sich das aus, richtig?“
J.F.: „Es mittelt sich aus.“
W.: „Exakt. Exakt. Das ergibt die Gesamtwirkung.
Wenn wir diese Komplexität aufbauen, ist ein weiterer Vorteil, den wir erhalten, dass unsere Nutztiere besser in der Lage sind, ihre eigene Diät auszubalancieren. Wenn wir eine Monokultur oder Fast-Monokultur haben, dann ist das alles, woraus sie wählen können. Und wenn diese eine Futterart nicht in ihrem Optimum ist, und jede Futterart ist in jeder Wachstumssaison nur für kurze Zeit im Optimum, dann haben unsere Tiere Defizite bezüglich diverser Mineralien und evtl. auch bezüglich Eiweiß, Energie, usw.
Auf einer Monokultur oder Fast-Monokultur sind unsere Tiere viel weniger in der Lage, ihre Diät auszubalancieren und eine sehr hohes Leistungsniveau aufrecht zu erhalten, und ihr Immunsystem stark zu halten, und Krankheiten usw. zu widerstehen.
Je mehr Komplexität und Diversität wir bei den Pflanzenarten haben, desto besser sind die Nutztiere in der Lage, ihre Diät auszubalancieren, die medizinischen Wirkstoffe, die antiparasitären Wirkstoffe zu erhalten, die wir gerne hätten.“


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