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Vom stillen Leiden der Tiere

Verfasst: 17.12.2008, 16:29
von Moritz
Heute entdeckte meine Frau im Supermarkt an der abgepackten Fleischtheke eine Gänsestopfleber, also noch nicht zur Pastete verarbeitet, sondern dem Verbraucher zur eigenen Gestaltung überlassen.
Das "Teil" war so teuer, dass es mit einer elektronischen Diebstahlssicherung abgepackt/ausgestattet war. Man fällt also an der Kasse auf, lässt man es in die Manteltasche gleiten.
Wiegt eine normale Gänseleber ca 80 gr, wird die Fettleber (die dann schön gelb ausssieht) auf ca 800 gr hochgepusht und den Tieren nach ihrer Stopfqual (die grösste Kunst besteht darin, das Tier etwa 2 bis 3 Tage, bevor es ins Leberkoma fällt, zu schlachten, also den richtigen Zeitpunkt abzupassen) entnommen.
In Deutschland ist das "Stopfen" wohl verboten, aber nicht der Vertrieb des Produkts. Damit Brüssel dem Stopfen keinen Riegel vorschiebt, hat der ehemalige frz. Staatspräsident das Stopfen als "Kulturgut" in die Verfassung aufnehmen lassen. Lobbyistenerfolg?
Das sind Delikatessen!
In einem Kaufhaus sah ich in der Fischabteilung Hummer, die auf dem Trockenen liegen, die Scheren zusammengebunden, damit sie sich nicht gegenseitig "bescheren" können, so verbringen sie Tage, bevor sie ersticken, ohne sauerstoffreiches Wasser.
Man stelle sich den Stress dieser Tiere vor, die ja dann einen Genuss besonderer Art darstellen sollen; man schätzt, dass Hummer in freier Wasserbahn bis zu 150 Jahre alt werden können. Hier werden sie langsam zu Tode gefoltert - Erstickungstod halt, wie beim Hering und anderen Fischen.
Grossen lebenden Langusten reisst man das letzte Schwanzglied ab, um daran den Darm herausziehen zu können. Man stelle sich das bei uns selbst vor.

Kapaune sind kastrierte Hähne, denen bei vollem Bewusstsein, der Bauch aufgeschnitten wird,
um die Hoden zu entnehmen; 25 Prozent sterben bei der Prozedur durch Infektion, Stress oder Ungeschicklichkeit. Neuerdings macht man dies auch mit Hennen (dann heissen sie nicht "chapon", sondern "chaponette"), denen die Eierstöcke bei vollem Bewusstsein entnommen werden. Ein Bombengeschäft trotz der Kollateralschäden.

Re: Vom stillen Leiden der Tiere

Verfasst: 17.12.2008, 17:52
von Anonymous
Da haben wir mal wieder ein Thema ,über das man 10 und mehr Seiten schreiben kann!

Aber ändern wird sich dadurch nichts.

Bist Du und Deine Frau den Vegetarier ?

Re: Vom stillen Leiden der Tiere

Verfasst: 17.12.2008, 18:51
von Fuchshub
Ich denke, man kann nur soviel tun, dass man das Zeug nicht kauft und auch ansonsten versucht vernünftig einzukaufen. Aber mal ehrlich? Zu 100% geht das auch nicht.....

Re: Vom stillen Leiden der Tiere

Verfasst: 17.12.2008, 20:00
von ElliBesch
Ich bin froh, dass gerade vor dem "ultimativen Fress-Fest mit Halleluja" auf diese menschlichen Abgründe erneut aufmerksam gemacht wird. Meines Erachtens leider viel zu wenig.
Gedankenlos stehen die Menschen vor solchen Pseudo-Delikatessenauslagen und möchten sich einmal im Jahr "was ganz Besonderes" gönnen.
Wann hat dies eigentlich angefangen?
Wäre mal interessant, die Historie der tierquälerischen "Delikatessen"-Erfindung zu erfahren.
Stand die Lust auf Neues, die Lust auf "Geschmacksvielfalt" oder die Lust am qualvollen Töten am Anfang?
#ka#

Wahrscheinlich wirklich "nur" die Geldgier.
Tja, wie menschlich!

Mich bestärkt dies auf meinem Rück-Weg zu vegetarischem Dasein. Das ist für mich die einzige logische Konsequenz.
Und diese Perversitäten hab ich nie probiert.Ehrlich!
Vorweihnachtliche, traurige Grüsse
Elli&Co

Re: Vom stillen Leiden der Tiere

Verfasst: 17.12.2008, 20:21
von Ela
Auch als Fleischfresser muss man so nen Mist nicht unterstützen, dann doch lieber von einem artgerecht gehaltenen Tier. Am besten von den eigenen wenn man weiss sie sind bestmöglich versorgt und ernährt worden.
Dennoch gut dass nicht alle resignieren und mit solchen Beiträgen zum Nachdenken anregen.
LG zumindest an den Grossteil hier
Ela

Re: Vom stillen Leiden der Tiere

Verfasst: 18.12.2008, 15:53
von Moritz
Wir bewundern gern in Dokumentarfilmen Greifvögel, die in Gebirgen oder über weiten Flächen - oft mit dem Attribut "majestätisch" belegt - in Aufwinden ihre Kreise drehen und dann nach einem Sturzflug ihre Beute greifen.

Fahre ich an französischen Autobahnen entlang, wo über viele Kilometer Wildzäune aus Draht mit spitzen Pfählen Wildunfälle verhindern sollen und riesige, eintönige landwirtschaftliche Flächen ohne jeden Baum sich endlos strecken, sehe ich ständig kleine Greifer auf den Pfählen sich festkrallen, weil der Mensch ihnen die Gelegenheit genommen hat, irgendwo richtig aufzubocken, um zu ruhen oder die Beute zu zerfetzen.
Kein Baum, kein ordentlicher flacher Pfahl in Sicht, um die Wühlmaus zu zerlegen.
Auch das gehört zum stillen Leiden der Tiere.

Re: Vom stillen Leiden der Tiere

Verfasst: 18.12.2008, 16:08
von Therapiehof
Moritz! Wenn es an den Autobahnen Sitzmöglichkeit für Greifvögel gäbe, wäre das wohl für deren raschen Tod die Ursache, sie würde von dort z.B. angefahrene oder verendete Tiere von der Fahrbahn holen wollen und dabei vermutlich selbst überfahren werden.
Auch wenn das evtl nicht der Grund für die spitzen Zaunpfähle ist, aber es könnte der Grund sein, will damit sagen:

alles hat zwei Seiten, nicht immer alles ist grundschlecht...

@Ela! schön von Dir zu lesen, Veggiegrüsse! #freunde#

lg
A.

Re: Vom stillen Leiden der Tiere

Verfasst: 18.12.2008, 16:40
von Moritz
Doch Andreas,

grundschlecht!

Wären wie auf den Äckern der DDR mannshohe Pfähle mitten drauf, sässen dort die Greifer (Vögel).
So wie hier (F.) holen sie sich gerade das Aas von der Autobahn.

Die frz. Vogelschützer kämpfen einen Kampf mit France Télécom, damit diese nicht mehr metallene sechseckige Telefon-Masten aufstellen, die oben offen sind und in denen jährlich viele, viele Vögel zum Nestbau verschwinden, ohne sich wieder (glatte Wände und eng) daraus fliegend oder kletternd befreien zu können. Sie sterben qualvoll und ungehört - still.

Es denkt kaum noch einer in Zusammenhängen in der Planung.

Re: Vom stillen Leiden der Tiere

Verfasst: 18.12.2008, 18:34
von Anonymous
Hallo
die DDR -Zeiten sind zum Glück lange vorbei,dann war das wohl Zufall,mit den nützlichen hohen Pfählen,die wahrscheinlich eher anderen Zwecken dienten.

In Frankreich ist auch nicht alles Gold was glänzt !
<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.komitee.de/index.php?france" ... ce</a><!-- m -->

Den Idealzustand wird niemand mehr in der Welt herstellen können.

schöne Grüße
Nora

Re: Vom stillen Leiden der Tiere

Verfasst: 18.12.2008, 19:00
von Locura
Nora hat geschrieben: Den Idealzustand wird niemand mehr in der Welt herstellen können.
...das vielleicht nicht, aber jeder einzelne kann dazu beitragen, sie ein klitzekleines Stückchen besser zu machen - und zwar für alle Lebewesen!