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Rindviehhaltung
Verfasst: 07.02.2004, 19:03
von Nicola
Hallo,
wir spielen mit dem Gedanken eine Kuh anzuschaffen. Genauer gesagt: ein 14 Tage altes Kälbchen vom Nachbarhof. Unendlich hübsch, treffender: ein winziges (mickriges?) , schwarzbuntes Tierchen mit riesen Augen.
Mein Mann will schon länger Kühe haben, wegen Milch und Fleisch. Mein Problem ist, daß ich panische Angst vor den Riesenviechern habe!
Jetzt habe ich mir überlegt, daß dieses zuckersüße Kälbchen mich von meiner Angst befreien soll. Wenn ich es groß ziehe kann ich ja schrittweise lernen eine Kuh zu verstehen.
Also: das Mädchen ist zwar winzig, aber macht auf mich einen topfitten Eindruck, der Betrieb ist saniert (B??-1 negativ, seid Jahren), das Tier ist natürlich gemarkt und hat Papiere. Es soll knapp 100,-Euro kosten und bei Fragen kann ich meine Nachbarn jederzeit hinzu ziehen. Die lachen mich zwar aus, helfen aber immer!
Kennt jemand rechtliche Bedingungen, die für die Rindviehhaltung zu erfüllen sind?
Was ist sonst zu bedenken?
Spricht etwas gegen die Unterbringung im Offenstall (zusammen mit Pferden und Ziegen) ?
Liebe Grüße
Nicola
Verfasst: 07.02.2004, 19:18
von Loise
Bei der Haltung mit den Ziegen könnten Parasitenbefall das einzige Problem sein.
Wir haben Hochlandrinder natürlich auch wie die Ziegen im Offenstall, aber strikt getrennt.
Weiden sind auch getrennt, aber ich bin natürlich ein Überträger, da ich von einer zur anderen Weide gehe um zu versorgen.
Die Kühe haben mit den Parasiten der Ziegen keine Probleme, aber ich hab schon Haarlinge von den Kühen (langes Fell und daher schwer zu sehen) zu den Ziegen geschleppt.
Trotz allem glaub ich auch insgeheim nicht an große Probleme, aber ich mach ab diesem Jahr Milchkontrolle und da muss getrennt werden.
Dein Kalb hat sicher eine große Freude wenns zu dir darf und du verlierst sicher die Angst vor Kühen-zumindest vor deiner eigenen.
Alles Gute und lg Jutta #dogrun#
Verfasst: 07.02.2004, 19:43
von Ines
Also Nicola, ich hab gehörigen Respekt vor den großen Viechern, fakt ist, wenn sie mich überrennen, bin ich nix. Trotzdem im und nach dem Hochwasser öfter getrieben, 60-80 von Freunden aus den Auen....
du lernst sie kennen und dann wird das schon werden! Für nen losgerissenen Bullen bei Nachbars schicken wir aber echt die Männer!
Versuchs! Lieben Gruß Ines
Verfasst: 07.02.2004, 21:26
von OldsFarm
Hallo Nicola,
ich wollte Dir nun zu Deiner "Kuhhaltung" was schreiben
Wenn Du das Kalb mit der Flasche grossziehst, dann wirst Du schnell sehen, dass sich das Kerlchen an Dich gewoehnt und Du dich auch an das Viecherl. Ratzfatz hast Du keine Angst mehr vor ihm. Selbst als ausgewachsene Kuh wird sie Dich immer kennen. "Kaelbi" schmust heute noch gerne und ist ueberhaupt die liebste Kuh, die wir haben. "Little" ist genauso lieb. Beides waren Flaschenkinder!
Jetzt wollte ich Dir aber noch eines zu bedenken geben, bevor Ihr voll in die Kuhhaltung einsteigt. Eine Kuh ist ein HERDENTIER und braucht genauso Gesellschaft wie Pferd, Ziege oder Schaf! Eine Alleinhaltung eines Kalbes oder Kuh ist auf Dauer fuer mich nicht tiergerecht.
Natuerlich kann man die Kuh an die Ziegen und Schafe gewoehnen, wir hatten Kaelbi schliesslich auch zuerst mit im Ziegenstall. Aber sie war bald an uns und die Flasche gewoehnt und wurde auf die Weide zu dem Rest der Kuhherde entlassen und kam zur Fuetterungszeit auf Ruf!!!
Weil es bei uns dieses Jahr so saukalt war und wir ein Kalb bei - 44 Grad (Windchill) gekriegt haben, haben wir es auch kurzerhand in den Ziegenstall getan, damit es auftaut. Mutti hat sich nicht mehr gekuemmert, da das Kalb schon halb erfroren war, bis wir es gefunden haben. Nachdem es etwas aufgetaut war, haben wir dann auch die passende Mutti gefunden und seitdem saust ein Highland-Galloway Kalb mit Highland Mutter seit einem Monat bei uns durch den Ziegenstall. Klappt prima, bei genuegend Platz (das ist aber auch dieses Jahr eine Ausnahmesituatuion, wegen dem Extremwinter)
Also ueberlegt Euch gut, ob Ihr genuegnd Platz fuer zwei Kuehe habt. Damit meine ich Stall und Weide. Sicher koennt Ihr die Kuehe spaeter auch im Offenstall halten, wenn sie frueh genug daran gewoehnt werden.
Viel Spass mit der Kleinen
Verfasst: 08.02.2004, 01:44
von Nicola
Hallo,
es ist mir schon klar, daß wirkliche Artgenossen nicht ganz zu ersetzen sind. Nur, wenn wir Milch wollen,müssen wir unsere Kuh-in-spe ja belegen lassen und ihr glaubt doch nicht allen Ernates, daß ich es schaffe so ein kleines Kälbchen zu essen ! Bei Bullen wird uns zwar nicht viel anderes übrig bleiben, aber Mädchen ???
Ich denke die Artgenossen kommen so nach und nach ganz von selbst :D
Unser Stall ist ja sowieso so angelegt, daß die Kleineren den Größeren ins nächste "Abteil" ausweichen können und eine Vergrößerung in diesem Jahr ist schon geplant.
Mein Problem ist die rechtliche Seite: Wo müssen die Tiere überall gemeldet sein? Welche Auflagen gibt es in unserem reglementierten Land?
Es gibt doch Rinderhalter hier im Forum!? HIIILFE !!! ("Konny, wo bist du???")
Falls jemand mit dem Gedanken spielt so in 4-5 Jahren eine Kuh anzuschaffen kann er sich ja schon mal melden lol
Liebe Grüße
Nicola
Verfasst: 08.02.2004, 14:44
von OldsFarm
Hallo Nicola,
jetzt bin ich aber erstaunt und enttaeuscht! Sonst bist Du doch immer fuer Artgerechte Haltung, Tierschutz usw so engagiert.
Dein zukuenftiges Kalb moechte nicht alleine sein!!! Zwei Kuehe/Kaelber erziehen sich gegenseitig!
Mit wem soll es Kopfdruecken spielen, Fangen, Wettrennen, Wettbuckeln? Da kannst Du Gift drauf nehmen, dass es das irgendwann mal bei Dir versucht. Das kann unangehm fuer Dich sein!!
Zum Thema schlachten. Du kannst doch auch Deine Ziegen und Schafe essen, wo ist dann der Unterschied zur Kuh? Du sollst sie ja nicht als Kalb schlachten. Im Ende ist es doch auch egal, welches Geschlecht das geschlachtete Tier hat. Tot ist tot.
Zu den Regeln in Deutschland kann ich Dir nichts sagen, aber doch sicher der Bauer, von dem Du das Tier kaufen moechtest. Ansonsten der Amtsveterinaer oder auch Dein Tierarzt.
Verfasst: 08.02.2004, 17:38
von Nicola
Hallo Annette,
wahrscheinlich bin ich etwas schizophren, denn ich kann Jungböcke problemlos zum Schlachter fahren, aber auf gar keinen Fall eine meiner Mutterziegen.
Ich könnte einen Jungbullen (wann werden die eigendlich geschlechtsreif?) aufessen, aber eine Kuh, die ich aufgezogen habe? UNDENKBAR, das schaffe ich nicht!
Es besteht die Möglichkeit das Kalb während dem Sommer tagsüber zu der Milchkuh-Herde des Nachbarn zu stellen, die morgens auf die angrenzende Weide gebracht werden und abends zurück in den Stall müssen.
Aber 2 Kälber nehme ich jetzt auf gar keinen Fall - dann hätte ich in 3 Jahren ja 4 Tiere und das ist undenkbar.
Liebe Grüße
Nicola
Verfasst: 08.02.2004, 21:25
von ClaudiaP
Hallo Nicola,
Rinder müssen in der HIT-Tierdatenbank registriert werden. Das macht erstmal der Züchter bei der Geburt und danach jeder, der das Tier besitzt.
Dazu benötigst Du eine sog. BALIS-Nr.. Auch Tierseuchenkassenbeiträge sind für Rinder zu leisten.
Genaueres hierzu kann Dir das Landwirschaftsamt bzw. Veterinäramt sagen.
Bezüglich der Möglichkeit, das Kalb mit den Kühen mitlaufen zu lassen, denke ich das wird schwierig, denn Du bekommst es nur sehr schwer wieder aus der Herde heraus.
Hoffe, ich konnte Dir ein wenig helfen
Gruß
Claudia
Rinder haltung
Verfasst: 11.02.2004, 19:20
von Schwanengel
Hallo Nicola,
also um Rinder zu halten mußt Du eine registrier Nummer haben bei der für Dich zuständigen Datenbank, hier in Hessen ist diese in Alsfeld.
Um diese Nummer aber zu bekommen Brauchst Du eine Betriebsnummer von Deinem Dir zuständigen Landwirtschafts Amt, diese bekommst Du aber nur wenn Dein Betreib mehr als 2 Hektar groß ist. So ist es hier in Hessen. Halte selbst seit Jahren Rinder. Diese verstehen sich auch nach einiger Eingewöhnung mit Ziegen sehr gut. Aber emfehlen das Rind mit den anderen Rindern auf die Wiese zu treiben kann ich Dir nicht, da es schwer ist es dann immer wieder von der herde zu trennen.
Die Tiersuchenkasse ist freiwillig, zumindest hier in Hessen.
ist aber jedem zu empfehlen, da wenn von Euren Tieren mal eine Seuche ausgeht, z.b. Maul und Klauen Seuche bei Ziegen es ganz schön Teuer werden kann für den Tierhalter.
MfG Olaf
Verfasst: 11.02.2004, 21:32
von Nicola
Hallo,
ich hab mich bei unserer Amtsveterinärin erkundigt:
Ich muß ihr und der Tierseuchenkasse das Tier melden, eine Nummer habe ich schon, weil wir auch 2 Schweine halten. Ich muß alle 24 Monate einen Leucosetest durchführen lassen und fertig.
Ich werde dann als "Hobby-Rinderhalter" geführt und nicht mit einem Landwirt gleichgesetzt.
Montag Abend kommt "Paula" zu uns. Bis dahin habe ich den Milchaustauscher besorgt und den Stall fertig.
Über den Tierschutzgedanken, weil das Tier hier keine Artgenossen hat, habe ich lange gegrübelt. Aber die Alternative für das Tier wäre meiner Meinung nach schlimmer.
Erst ein paar Wochen isoliert in einem Kälberiglu mit 2x2m Auslauf davor, dann 5 Monate Weide und dann in den "Laufstall",d.h.Spaltenböden, extreme Enge, Dreck. Wenn sie es bis zur "Milchkuh" überlebt (was wirklich nicht selbstverständlich ist!) wird sie 7 Monate im Jahr in der Anbindung stehen und die restlichen 5 Monate mit 10 Stunden Weidegang täglich "verwöhnt".
Dann lieber nur Ziegen und Pferde zur Gesellschaft, aber gut versorgt, geliebt und Offenstall mit großer Weide das ganze Jahr über.
Wenn sie später ein weibliches Kalb bekommt darf sie es ja behalten und die "Qual" hat ein Ende.
Ich freu mich auf die kleine Maus!
Liebe Grüße
Nicola