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Artgerechte/Tiergerechte Tierhaltung
Verfasst: 26.04.2005, 17:19
von Zieglinde
Hallo,
was mir bei dem Thema oben bei den Ziegen sofort eingefallen ist, was aber nicht recht bei den Ziegen hinpaßt:
Wir haben auf einem kleinen Grundstück eine Gans und ein Ganter, wir wollen ja artgerecht halten. Dieser Ganter ist nun unglaublich potent, letztes Jahr mussten wir sogar Gans und Ganter Nachts einsperren, da die Nachbarn sich über den ... ähm ... "Tret-lärm" ... beschwert haben. Die Gans hat daraufhin Eier gelegt, darf sie ja, und zu lange gebrütet. Wg. Gelenkeinrostung durch die viele Nestsitzerei konnte sie nicht mehr laufen (ich sag das mal so als Laie) und ein Geflügelspezialist hat sie dann eingeschläfert.
Jetzt ist mir klar, lange auf-Nest-hocken ist wohl nicht.
Nun, dem Ganter eine neue Gans gekauft. In diesem Frühjahr habe ich ihr dann sogleich alle Eier weggenommen. Das war ja wohl nicht artgerecht.
Dann durfte ich aber beobachten, das der Ganter mit seinem Gewicht ständig auf der Gans ... hockte .... Das ist art- und tiergerecht, dass er das darf. Naja, was soll ich sagen, die Gans kann jetzt nicht mehr laufen.
Also haben wir beide durch einen Zaun getrennt (zusätzlich wird sie natürlich behandelt).
Im nächsten Frühjahr, wie auch immer, werden Ganter und (neue?) Gans bei den ersten Liebesanzeichen getrennt, damit die Gans auch weiterhin laufen kann.
Wir könnten allerdings noch ein paar Weibchen dazuholen, dann verteilt sich der Ganter auf mehrere, dann wirds Platzmäßig aber eng.
Aber mindestens eine Gans sollte der Ganter ja haben.
Wie ich es dreh und wende, die Gänse kann ich scheinbar weder art- noch tiergerecht halten.
Schade.
Ich könnte mir vorstellen, das es einigen Ziegenbesitzern ähnlich geht.
LG
Silke
Verfasst: 26.04.2005, 17:49
von Mathilda
Die Gans hat daraufhin Eier gelegt, darf sie ja, und zu lange gebrütet. Wg. Gelenkeinrostung durch die viele Nestsitzerei konnte sie nicht mehr laufen (ich sag das mal so als Laie) und ein Geflügelspezialist hat sie dann eingeschläfert.
Jetzt ist mir klar, lange auf-Nest-hocken ist wohl nicht.
Hallo,
so ein bißchen Ahnung habe ich auch von Geflügel und kann Dir sagen, das ist der größte Schwachsinn, den ich je gelesen habe.
Wenn das mal ein richtiger Geflügelspezialist war.....
Es ist zu spät, nachzukarten, aber bevor ich das Tier eingeschläfert hätte, hätte ich mal Blut abgenommen und Proben aus den Gelenken gezogen. Dann hätte man auf Vitamin B-Mangel oder Salmonellen oder sonst was(Chlamydien,Fäkalkeime, spezielle Gänsekrankheiten etc.) untersuchen können und müssen.
Oder vielleicht mal in Richtung"englische Krankheit" suchen sollen.
Ich habe eine Bekannte, die drei Gänse hat, sie hat schon einiges mit den Tieren erlebt und sie bislang immer wieder hingekriegt mit Hilfe eines wirklich guten Vogel-Tierarztes.
Das Problem, daß der Ganter-oder in meinem Fall der Erpel- sich es auf der Dame "gemütlich" macht, kenne ich.
Ich habe Warzenenten, bei denen die Enten um die 2,5-3kg wiegen, die Erpel um die 6 Kilo.
Eine meiner Enten hat die Hüfte von unserem Elvis ausgerenkt bekommen, wir habe sie mit Arbeit, eigenem Plantschbecken und "Spucke" wieder gut hinbekommen. Das ist jetzt zwei jahre her. Seitdem humpelt sie immer mal wieder, wenn Elvis zu stürmisch war, aber von Einschläfern sind wir weit entfernt.
Ist die Gans denn nie aufgestanden? Da Eier von Wassergeflügel mehrmals täglich eine Abkühlphase brauchen und auch die Feuchtigkeit, die die Gans mit zum Nest zurückbringt, nachdem sie gebadet hat, ist es selbstverständlich, daß Wassermütter vom Gelege weggehen. Bei den Gänsen wacht dann der Ganter, bei meinen Warzenenten setzt sich zum Teil der "wirklich besorgte" Erpel drauf oder legt Stroh darüber um sie zu verstecken.
Irgendwie finde ich die Angelegenheit echt merkwürdig.
Gruß
Thilda
Verfasst: 27.04.2005, 09:56
von Zieglinde
Hallo Thilda,
das gibt mir Hoffnung, das es noch was wird.
Geflügelspezialist nenne ich ihn, weil er Fachtierarzt für Kleintiere und Geflügel ist. Etwas anderes haben wir hier in der "nächsten Umgebung" auch nicht, d. h. im Umkreis von 50 km. Mein Tierarzt für Hunde hat gar keine Ahnung, mein Ziegentierarzt würde schlachten....
So bleibt mir nur der gute Mann. Ich nehme aber gerne deine Anregungen entgegen.
Die letzte Gans ist schon noch von den Eiern aufgestanden, ab wann sie nicht mehr laufen konnte, weiß ich nicht mehr, war aber im engen Zusammenhang mit ihrer Brütaktion.
Mit der derzeitigen Gans machen wir unter anderem auch Schwimmübungen, ein Teich steht ihnen aber auch ganzjährig zur Verfügung, den ich öfter sauber mache. Von selbst geht sie nicht mehr ins Wasser, wie auch, paddeln kann sie aber mit beiden Füssen. Nur kommt sie eben auch nicht mehr von selbst raus bzw. nur mit Schwierigkeiten.
Was ich merkwürdig finde ist, dass es bei größeren Vögeln u. U. Schwierigkeiten ergibt, wenn sie sich einen Partner nehmen....
LG
Silke
Verfasst: 27.04.2005, 19:45
von Mathilda
Was ich merkwürdig finde ist, dass es bei größeren Vögeln u. U. Schwierigkeiten ergibt, wenn sie sich einen Partner nehmen....
Hallo,
Schwierigkeiten muß es nicht geben.
Leider kommt niemand bei Hausgeflügel auf die guten Ideen, die bei Ziervogelhaltern und erst recht bei Papageienhaltern vollkommen üblich sind, das ist, die Tiere zur Verpaarung auf die Geundheit untersuchen zu lassen.
Bei Geflügel ist es halt so, daß jeder Bestand seine eigenen Resistenzen und " Krankheiten" hat.
Sie haben gelernt, mit diesen Erregern und ihrer Umwelt fertig zu werden.
Kommt jetzt ein Tier aus einem anderen Bestand, kann dies gegen andere Erreger resistent sein, aber die eigenen Tiere nicht.
Und so schleppt man sich was ein, obwohl eigentlich alle zur Frage stehenden Bestände für sich gesehen gesund sind.
Ich halte es bei Deiner Gans durchaus für möglich, daß sie Salmonellen hatte, im "Normalzustand" gut damit fertig geworden ist, nur eben die Brutzeit sie so geschwächt hat, daß die Salmonellen Überhand nehmen konnten.
So verrückt es klingen mag, ist bei Tieren,die man zur Zucht einsetzen will, ein vorheriger Gang zum kundigen TA eine gute Lebensversicherung.
Durch zusätzliche Gabe von speziellen Nahrungsergänzungstoffen hilft man dann zusätzlich noch, die Stabilität des Immunsystems zu sichern.
Leider haben einige Erreger eine recht lange Überlebenszeit, wenn sie einmal in einem Gelände aufgetreten sind.
So ist es durchaus möglich, einen horizontalen Infektionsweg zu haben, obwohl das ursprüngliche kranke Tier längst tot ist.
Gerade bei Wassergeflügel halten sich viele Erreger im feuchten Milieu. Speziell Fäkalkeime.
Sollte man und muß man mit bedenken.
Gruß
Thilda
Verfasst: 29.04.2005, 23:58
von Angoraziege
Hallo Zieglinde!
Wir hatten auch mal eine Gans, die Festgesessen hat.
Sie hatte einen Mineralstoff - Mangel.
Mit Tierärztlicher Hilfe ( wofür ich von anderen Belächelt wurde) und guter Pflege in einer Kiste in unserer Küche wurde sie wieder Gesund und hat im nächsten Jahr wieder gebrütet.
Auch Gänse brauchen halt Mineralien, vor allem wenn sie Brüten.
Ich habe während der Paarungs - und Brutzeit schon oft bei anderen Gänsen beobachtet, das sie den Putz aus der Mauer gefressen haben.
Viele Grüße
Damaris
Verfasst: 30.04.2005, 07:37
von Mathilda
Hallo,
mir ist sogar schon eine Ente eingegangen, da sie nicht nur den Putz von den Wänden gefressen hat, sondern auch die Ausblühungen, deutsch: Salpeter.
Allerdings hat das Putzfressen oft einen anderen Hintergrund:
Vögel( und da zählen auch Enten und Gänse zu, selbst wenn man ganz eng sieht...blöder Witz, ist halt Samstagmorgen...) haben einen natürlichen Selbstheilungstrieb. Stimmt im Magen-Darm-Trakt etwas nicht, suchen sie vermehrt nach "Ballast" um die Schadstoffe auszuscheiden. Hat man irgendwo viel Sand liegen, kann es sein, daß die Tiere auch Mengen davon aufnehmen. Bei Wellensittichen kann so ein Verlangen zu Kropfverlegung, Dilatationen mit schwersten Folgeschäden sein(Daher empfiehlt man heute, keinen Sand mehr in Käfige zu tun, sondern in einem separaten Töpfchen Magensteine anzubieten). Auch bei Hühnern und anderen Nutzgeflügel verbindet sich u.U. die Säure im Kropf mit der aufgenommenen Erde/ dem Sand/Lehm zu einer festen Masse-teils wie Beton. Das ist dann Ende vom Tier.
Daher würde ich nicht immer nur davon ausgehen, daß es sich um einen Mineralmangel handelt. Gerade bei Salmonellen oder anderen Darmbesiedlern geht Vogel gerne zur Selbsthilfe über.
Einen TA für eine Gans kommen zu lassen finde ich durchaus normal. Leider hat sich das Ansehen von Geflügel in der heutigen Zeit drastisch verringert. Vor nicht mal 80 Jahren stellte ein Huhn den Gegenwert einer ganzen Arbeitswoche dar. Da wurde eher was für das Huhn getan als für die eigenen Kinder. Gerade bei armen Leuten, die auf die Eier angewiesen waren.
Ich fände es schön, wenn Geflügel wieder einen höheren Stellenwert bekäme und nicht nur die " Rübe ab"-Schiene gefahren würde.
Gruß
Thilda