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Fotos des toten Huhns mit roter Vogelmilbe
Verfasst: 25.09.2005, 09:51
von Mathilda
Bevor ich hier Bilder einstelle, möchte ich all diejenigen vorwarnen, die einen schwachen Magen oder schwache Nerven haben.
Es handelt sich im folgenden um eine Sektion eines Huhns, welches im Alter von ca. 4 Monaten morgens tot im Stall lag. Ebenso wie ein zweites Huhn. Beide sahen aus, als seien sie einfach eingeschlafen.
Da die Besitzerin wissen wollte, wo die Ursache zu suchen sei, habe ich eine Sektion vorgeschlagen. Als wir dort ankamen und die Besitzerin das Huhn holte, war eigentlich auf den ersten Blick klar, was los war:
Sie hatte das Huhn in einen Gefrierbeutel eingepackt, der nur so vor Vogelmilben wimmelte. Auch auf dem Huhn waren unzählige mit bloßem Auge zu erkennen.
Um weitere organische Ursachen auszuschließen( und, damit sich die 100km auch gelohnt haben), haben wir trotzdem eine Sektion gemacht.
Im Folgenden also die Bilder
Gruß
Thilda
Verfasst: 25.09.2005, 10:08
von Mathilda
Im Rechteck sind winzige Pünktchen zu erkennen, das sind die Milben, die sich noch auf dem Huhn befanden und uns im Laufe der Sektion auch immer wieder auf die Arme gelaufen sind:
Auch auf den federn wimmelte es.Was man im Kästchen sieht, ist kein Schmutz auf den Federn, sondern Klumpen von Milben.
Bei der Eröffnung fiel auf, daß im Muskelgewebe kein Rest Blut war, alle Organe sehr hell waren, insgesamt sich das Bild eines leergesogenen Tieres darstellte. Meine Assistentin kam spontan mit dem Satz" Da war ein Vampyr dran" auf.
Das Fleisch war gelb, ebenso wie die inneren Organe, so richtig ikterusmäßig.
Die Milz - sonst fast dunkelblau- war zartrosa
Es fanden sich noch andere organische Veränderungen, die wohl Folge des Befalls waren.Auf dem nächsten Foto kann man am oberen Rand schön das Brustfleisch sehen und, wie gelb es ist, außerdem sieht man, daß die Leber auch sehr gelblich gefärbt ist.
Auf dem oberen Abschnitt(ohne Pfeil) sieht man das herz, aufgeschnitten, mit dem einzigen Tropen Blut, den wir im gesamten Tier gefunden haben.
Aus Interesse haben wir weitergemacht. Interessant ist vielleicht noch eine Aufnahme des Darmes mit den doppelten Blinddärmen. Im Gegensatz zu uns hat das Huhn nämlich zwei davon:
Und ein Blick in den mit Magensteinchen gefüllten Magen:
Und den gesäuberten und von der Lederhaut befreiten Magen, bei dem man schön die Querrippung sehen kann:
So, ich hoffe, Euch schmeckt Huhn in Zukunft noch.
Wer an weiteren Bildern interessiert ist, soll schreien.
Gruß
Thilda
Hühnerbilder
Verfasst: 25.09.2005, 13:26
von Elise
Hallo Thilda, vielen Dank für die anschaulichen Bilder. Ich habe geschrien, hast dus gehört. Die Bilder sind interessant und wenn es nicht so unverschämt ist, würde ich gerne weitergucken, wie schon mal gesagt, man lernt nie aus. Meine alte Henne behandele ich regelmäßig gegen Milben, wegen ihres Alters ist so wohl dafür ziemlich anfällig. Hoffentlich sieht sie innen nicht so aus wie das Huhn auf den Bildern. Bis dann vlg Claudia
Hühnerbilder
Verfasst: 25.09.2005, 13:28
von Elise
Hi, hab was vergessen, bzw. wieder nicht richtig gelesen. Hat dieses Huhn noch gelebt, du oder wer auch immer hat dann sein Leben beendet oder ist es verstorben? Wie lange kann mit sowenig Blut existieren? Vlg Claudia
Verfasst: 25.09.2005, 14:34
von Mathilda
*hüstel* Du hast nicht richtig gelesen. Es hat morgens wie eingeschlafen im Stall gelegen.
Ich hätte noch eine Wachtel mit Blinddarmkokziedien anzubieten.
Wie alt ist Dein Huhn? Was gibst Du zur Unterstützung? Wie kommt sie mit der Mauser zurecht?
Ich sehe die Mauser als größtes Problem bei alten Hühnern an. Ist ja schon anstrengend für "junges Gemüse".
Nach einer schweren Mycoplasmeninfektion, bei der der Herzbeutel angegriffen wurde, bekommen mein beiden Hühner Herztabletten und sind damit erstuanlich gut drauf.
Ja, so hat jeder seinen "Spleen".
Gruß
Thilda
Verfasst: 25.09.2005, 14:44
von Mathilda
Wie lange kann mit sowenig Blut existieren?
Bei Vögeln ist generell das Problem, daß sie in Relation zu ihrer Größe und zu ihrem Lebenswandel extrem wenig Blut haben.
Daher ist eine blutende Verletzung bei einem Vogel auch schlimmer als bei Säugern.
Dazu kommt, daß die gerinnung nicht so prompt ist wie bei uns.
Hat man bei einem Vogel die Krallen zu kurz geschnitten und es blutet, kann es sein, daß man - je nach Blutaustritt und Größe des Vogel- locker eine viertel Stunde draufdrücken muß, bevor das Blut steht. Kommt dazu noch ein Mangel an Vitamin K, sieht es so richtig schlecht aus.
Wie gesagt, das Huhn oben ist vier Monate alt geworden. Prinzipiell heißt es, daß irgendwann ja ein "Erstickungszustand" eintritt, heißt, eine totale Sauerstoffunterversorgung, weil das Blut keinen Sauerstoff mehr transportiert. Daher ist es oft so, daß diese Tiere über Nacht sterben, wenn die Lunge( bei Vögel: Luftsäcke und Lunge) auf Sparflamme arbeiten.
Sie schlafen dann wirklich einfach ein.
Gruß
Thilda
Verfasst: 26.09.2005, 00:06
von Christa
hallo thilda, danke für die bilder...ich hatte auch schon einmal ein huhn, dass regelrecht ausgesaugt wurde...auch haben milbenbefallene tiere ja unruhige nächte, die dann stressen, und folglich kann dann noch leicht eine viruelle infektion hinzu kommen... interessanterweise haben nicht alle tiere einen befall! ..das gilt besonders für die federlinge.
sag mal, ist das nur die rote vogelmilbe gewesen, oder auch federlinge?
... und was unternimmst du dagegen? ich habe früher immer die armen in chemie getaucht, nur nicht die geschwächten!!!...das ging gut...holzasche sowieso in die staubbäder...habe auch schon eucacid (ätherisches öl) genommen....habe jetzt bei einigen federlinge entdeckt..mein TA meint, es gibt im moment nichts ...wegen neuer bestimmungen...hat mir einen umgebungsspray auf pflanzenbasis (!!!) ich hab dreimal nachgefragt (!!) empfohlen...habs dann mit mulmigen gefühl zur behandlung genommen...hat gewirkt, scheint zumindestens so und die armen haben es überlebt... wäre dankbar, wenn du oder ihr noch tipps habt...der stall muss natürlich auch gereinigt werden, liebe grüsse, christa
Verfasst: 26.09.2005, 07:42
von Mathilda
Hallo,
da die Vogelmilbe im Normalfall nicht auf den Tieren wohnt, sondern in den Stallritzen, muß die gesamte Umgebung bearbeitet werden.
Tip: Silicea = Kieselerde gibt es zwar für teures Geld in Apteka, doch wird es auch für Schwimmbadpumpen benutzt. Und der Witz ist, daß für diesen Zweck ein 15kg Sack ca. so viel kostet wie ein Päckchen aus der Apotheke...
Dann zum Aufbauen und Stärken ein eisenhaltiges Präparat.
Damit senkt man den Infektionsdruck innerhalb der Hühner und ersetzt, was durch die Milbe verlorengegangen ist.
Passiert das alles während der Mauser, ist es doppelt unschön, aber auch kein Beinbruch.
Ich plädiere generell für gemauerte und dann geflieste Ställe, wenn irgend machbar. Da kann man nämlich sehr sauber arbeiten.
Ich habe das bei mir und werde auch auf dem neuen Hof als erstes den gesamten Stall fliesen, bevor auch im Haus nur ein Stück Tapete an der Wand ist!!!! Für so wichtig halte ich das.
Gruß
Thilda
Verfasst: 26.09.2005, 21:10
von ClaudiaH
Hallo Thilda,
danke für die Bilder, sehr interessant! Die Kokzidien würde ich auch gern noch sehen...
Sag doch mal, wann entdeckt man die Vogelmilben denn am besten? Im Dustern mit Taschenlampe? Und Federlinge?
Liebe Grüße,
Claudia
Verfasst: 27.09.2005, 07:37
von Mathilda
Guten Morgen,
es ist tatsächlich so, daß Du am besten mal nachts in den Stall gehst und spionierst. Am besten hebst Du ein Huhn hoch und durchsuchst es, allerdings ist der Befall meist so, daß Du die Viecher auf den Sitzstangen schon laufen siehst.
Nur rot müssen sie nicht unbedingt sein, eigentlich sind sie "durchsichtig" und werden erst nach Blutaufnahme rot.
Federlinge sind ein gutes Stück größer und sitzen im gefieder der Hühner. Da kannst Du sie sogar rennen sehen. Außerdem sehen die Gelege von Federlingen an den Federn aus wie unappetitliche Verklebungen mit Kalk. Und die Federn sehen oft auch schon aus, wie abgenagt.
Um mal einen sehr schönen, groben Überblick zu bekommen, kann ich eigentlich jedem nur das Buch" Geflügelkranlheiten" aus der Serie "Patient Tier" von Woernle empfehlen.
Z.B. bei Amazon:
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Das Buch hat den Vorteil, daß Krankheiten nicht nur beschrieben werden, sondern auch Fotos dazu gezeigt werden.
So kann man dann noch immer sagen" Die beschriebenen Symptome passen zwar nicht, aber mein Tier(oder seine Eier) sehen genauso aus."
Und dann hat man einen Anhaltspunkt.
Gerade bei Hühnerkrankheiten ist das Buch recht gut. Wassergeflügel ist nicht so ausführlich, aber das hat auch damit zu tun, daß Enten/Gände seltener krank werden, wenn, dann aber auch richtig.
Dazu gibt es dann ein eigenes Buch.
Gruß
Thilda