Wölfe

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alpenblümchen
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Wölfe

Beitrag von alpenblümchen »

Für betroffene Weidetierhalter sind Wölfe eine Katastrophe.

https://www.schafforum.ch/forumv3/viewt ... 2991#p2991


Charlotte II.
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Re: Wölfe

Beitrag von Charlotte II. »

Die France Agricole ist eine Propaganda-Zeitschrift, die nicht mal davor zurückschreckt, bei den Dummen unter den Bauern damit für mehr Einsatz von Nitrat zu werben, daß sie einen Artikel über einen Arzt aus dem 19. Jahrhundert veröffentlichen, der ein Mineralwasser mit extra viel Nitrat auf den Markt gebracht hatte.
Tenor: Demnach ist viel Nitrat gut. Vielleicht Phosphat gleich mit.

Daß Hunde, Pferde, Menschen im Bereich der Flußmündungen an den Ausgasungen der Grünalgen sterben, die massenhaft entstehen und angeschwemmt werden, kümmert sie nicht.


Manfred
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Re: Wölfe

Beitrag von Manfred »

Beim Thema Nitrat scheinst du recht einseitig informiert zu sein?
Der Grund für die Einführung von Nitrat-Grenzwerten für Wasser, waren Nitrit-Vergiftungen bei Säuglingen, überwiegend durch unhygienische, bakterienverseuchte Trinkwasserbrunnen.
Nitrit ist ein bakterielles Abbauprodukt von Ammonium- oder Nitrationen.
Wenn es in die Blutbahn gelangt, "verklebt" es das Hämoglobin im Blut zu Methämoglobin.
Dadurch wird der Transport von CO2 und Sauerstoff gehemmt.
Bei Erwachsenen wird das Methämoglobin relativ schnell durch ein Enzym wieder zu Hämoglobin reduziert.
Bei Säuglingen ist dieses Enzym noch nicht ausreichend vorhanden, wodurch sie bei Nitritvergiftung schnell in Sauerstoffnot geraten (Blausucht).

Für Nitrit gilt deshalb ein extrem strenger Grenzwert von 0,50 mg/l, der auch überall eingehalten wird.
Für Nitrat wurde vorsorglich ein Grenzwert von damals 80 mg/l eingeführt, weil man Bedenken hatte, dass durch bakterielle Kontamination des Trinkwassers oder durch Abbaureaktionen im Körper weiteres Nitrit entstehend könnte.
Bei der heutigen hygienischen Trinkwasserversorgung ist das aber nicht mehr der Fall. Das Problem waren offene Brunnen auf den Höfen, die teils mit eingesickerten oder eingewaschenen Tierfäkalien verseucht und damit eine Brutstätte für Bakterien waren, die für viel Nitrit gesorgt haben.
Seit der Grenzwerte von 0,5 mg/l für Nitrit und 80 mg/l gab es, solange diese eingehalten wurden, keinen einzigen dokumentierten Fall von Säuglingsblausucht mehr aufgrund von Nitrit aus dem Wasser.

In den 80er Jahren (wenn ich es richtig erinnere) kam dann die Theorie auf, dass Nitrat evtl. im Verdauungssystem durch Mikroben zu krebserregenden Nitrosaminen abgebaut werden könnten.
Deshalb hat man vorsorglich den Grenzwert im Trinkwasser auf 50 mg/l abgesenkt.
Es ist aber trotz anschließender jahrelanger und aufwändiger Forschung nie gelungen, eine solche Abbaureaktion im Körper nachzuweisen.
Demnach hätte der Grenzwert aus fachlicher Sicht problemlos wieder auf 80 mg/l angehoben werden können, was aber bisher aus politischen Erwägungen (Nitratangst) unterblieben ist.

Umgekehrt ist ein Mangel an Nitrat im Trinkwasser ein Hinweis auf eine Versauerung des Oberbodens aufgrund mangelnder biologischer Atkivität, welche zu einer erhöhten Auswaschungsrate von Schwermetallen führt, die dann wiederum in erhöhter Menge im Trinkwasser landen.
Ein Thema, dass in D leider weitgehend todgeschwiegen wird.

Positive Wirkungen des Nitrats für die Gesundheit sind ebenfalls belegt. Siehe z.B.
https://www.welt.de/gesundheit/article1 ... ommen.html

Das Thema ließe sich also deutlich versachlichen und differenzierter betrachten.

Unabhängig davon sind Nährstoffauswaschungen natürlich ein großes Problem, das behoben werden muss.
Mit den Entwicklungen in der regenerativen Landwirtschaften haben wir dafür ja inzwischen einen ganzen Baukasten guter Lösungen.

Phosphat wird von landwirtschaftlichen Flächen aber nur in sehr geringem Umfang ausgewaschen. Da kommt die mit Abstand größte Menge durch die Kläranlagen aus den Haushaltsabwässern.
Da haben wir ein massives Problem. Solange die Haushalte und Gewerbe ihr Abwasser mit ungezählten Schadstoffen belasten, kann man es nicht als Dünger auf die Felder zurückführen, was ja die sinnvollste Kreislauflösung wäre, sondern muss es behandeln und entsorgen.
Und der Verlust an Phosphat durch diesen zerstörten Kreislauf ist ein massives Problem für die Zukunft der Menschheit, weil die zu Düngezwecken erschließbaren Phosphatlagerstätten begrenzt sind.
Evtl. kommen wir mit der regenerativen Landwirtschaft und der damit verbundenen Reaktivierung des Bodenlebens so weit, dass die in den Böden vorhandenen Phosphatressourcen besser erschlossen werden und die Düngung reduziert oder ganz aufgegeben werden kann.
Aber selbst dann bleiben die Überdüngungsprobleme in den Gewässern durch das Abwasser-Phosphat.
Seit die Landwirtschaft (zumindest hierzulande) ihre Stickstoffauswaschungen deutlich reduziert hat, besteht auch ein Ungleichgewicht der Gewässerüberdüngung hin zum Phosphat, was Algenblüten stark begünstigt. In einigen Seen wird ja inzwischen sogar gezielt Stickstoff gedüngt, um den Phosphatüberschuss ins Gleichgewicht zu bringen, und die Nährstofffixierung von den "Algen" hin zu anderen Mikroben zu verschieben.


Charlotte II.
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Re: Wölfe

Beitrag von Charlotte II. »

Manfred hat geschrieben: 27.09.2021, 09:56 Beim Thema Nitrat scheinst du recht einseitig informiert zu sein?
Ist es nicht auffallend peinlich und unhöflich zugleich, jemand mit einer rhetorischen Frage ins Unrecht setzen zu wollen?
Manfred hat geschrieben: 27.09.2021, 09:56 Der Grund für die Einführung von Nitrat-Grenzwerten für Wasser, waren Nitrit-Vergiftungen bei Säuglingen, überwiegend durch unhygienische, bakterienverseuchte Trinkwasserbrunnen.
Falscher geht es nicht.
Die EU-Grenzwerte betrugen anfangs 25 mg, konnten nicht gehalten werden.
Es wäre auch ehrlicher gewesen zu sagen, daß viele Kinder damals gestorben sind, andere bleibende Schäden haben.
Hier die Fakten:
https://www.spiegel.de/kultur/baby-blau ... 0013508858

Ansonsten habe ich der in Frankreich lebenden Alpenblume die Verhältnisse in der Bretagne in Erinnerung gerufen, da geht es nicht um Abwässere aus Städten, sondern um die Folgen der industriellen Landwirtschaft.
Nicht umsonst nennen die Einheimischen die Bucht von Saint Brieuc "die Schweinebucht" (la baie du cochon). Alles ist verjaucht.

Zum Rest des Textes schweigen wir.


Manfred
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Re: Wölfe

Beitrag von Manfred »

Fakten kann ich in dem Spiegel-Artikel keine finden.

Hier die Veröffentlichung im Bundesgesundheitsblatt, auf die sich meine Erinnerung bezog.
Die rechte Spalte.
Der alte Grenzwert lag sogar bei 90 mg/l.
Dem Artikel kannst du entnehmen, dass die damalige vorsorgliche Absenkung Aufgrund des Nitrosamin-Verdachts erfolgte,
und das der alte Grenzwert von 90 mg/l bezüglich der Blausucht bei Säuglingen unkritisch war:

https://www.umweltbundesamt.de/sites/de ... wasser.pdf


Als Ergänzung eine Veröffentlichung des Bundesamtes für Risikoabschätzung, der zu entnehmen ist, dass die Empfehlungen bezüglich Nitrataufnahme mit einem Sicherheitsfaktor von 100 versehen sind:
https://www.bfr.bund.de/cm/343/nitrit_i ... itteln.pdf

Für den Grenzwert von 50 mg/l gibt es keine nachvollziehbare, sachliche Begründung.
Der wurde im politischen Prozess weitgehend willkürlich festgelegt.
Und heute tut man so, als würden bei Überschreitung alle tot umfallen...


Manfred
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Re: Wölfe

Beitrag von Manfred »

Weil ich gerade zufällig darüber gestolpert bin, hier ein schönes Beispiel, was sich bezüglich Stickstoffeinsatz in der Landwirtschaft getan hat.
Der Bedarf an Stickstoffdüngung für eine Tonne Rübenzucker konnte von 25 kg auf 10 kg gesenkt werden.
Zusätzlich wurde die Erntetechnik erheblich verbessert, so dass weniger Ernterest auf dem Acker bleibt und weniger unerwünschte Anteile wie Kraut (die grünen Blätter der Rüben) und Bodenanhaftungen in der Zuckerfabrik ankommen.



Der Christian ist ein klasse Erklärbär. Aus seinen Videos kann man als Laie viel mehr über die Landwirtschaft lernen als aus fragwürdigen Spiegel-Artikeln von praxis- und fachfernen Autoren.


alpenblümchen
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Re: Wölfe

Beitrag von alpenblümchen »

Ist das Ansiedeln der Wölfe eine Strategie der Herrschenden im Sinne von teilen und herrschen?

https://www.schafforum.ch/forumv3/viewt ... 3042#p3042


Charlotte II.
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Re: Wölfe

Beitrag von Charlotte II. »

Mit dieser Frage würde ich mich an Johanna Clermont wenden.
https://fr.wikipedia.org/wiki/Johanna_Clermont


alpenblümchen
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Re: Wölfe

Beitrag von alpenblümchen »

Charlotte II.@ Solche Fragen scheinen nicht zu ihrem Fachgebiet zu zählen. Wenn sie etwas Mut hat, könnte sie als Jägerin andersweitig einen nützlichen Beitrag leisten.


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