Probleme mit langen Hörnern und HWS, Hörner berühren sich

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Andreas789
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Probleme mit langen Hörnern und HWS, Hörner berühren sich

Beitrag von Andreas789 »

Hallo zusammen. Ich halte im Nebenerwerb eine kleine Ziegenherde (BDE, Typ Erzgebirgsziege) mit 9 Tieren, alle gehörnt und nur Damen, zum Decken fahren wir immer zu befreundeten Züchtern in unserer Nähe. Eine Ziege (ca. 15 Jahre alt) hatte /hat jetzt heftige Probleme mit der HWS, schon seit längerer Zeit (ca. 1-2 Jahre) berühren sich ihre Hörner, die in einem schönen Bogen nach hinten, aber eben auch nach innen wachsen. Irgendwann hat sich ein Horn vor das andere geschoben, das andere stieß dann seitlich an. Eines Tages in diesem Frühjahr stand die Ziege mit nach unten gesenktem Kopf und völlig nach einer Seite verbogenem Hals, der einseitig völlig verkrampft war auf der Weide. Die Wirbelsäule im Schultergürtel war ebenfalls völlig verbogen und machte auf kurzer Strecke eine S-Kurve. Sie hatte Schmerzen, hatte beim Kurvengehen und Wenden auch Koordinationsstörungen. Ab zum Tierarzt, mobiles Röntgen: kein Bruch aber zwei Halswirbel zeigten leicht entzündliche Veränderungen, aber überhaupt nicht massiv, Verdacht auf ein Trauma, (es gibt immer mal Gerangel zwischen unseren Damen). Außerdem war diese Ziege im Gemüt etwas angegriffen, da ihre 1 Jahr ältere "Ziegenfreundin" die Herde kurz vorher verlassen hatte. Nach einer Osteopathie- und mehreren Physiobehandlungen (und auch ein paar Schmerzspritzen) hat sich das ganz allmählich über einen längeren Zeitraum verbessert. Als wir dachten, wir wären über den Berg, das ganze von heute auf morgen plötzlich anders herum. Hals nach der anderen Seite verbogen, völlig verkrampft wie Beton auf einer Seite, nur der Schultergrürtel blieb diesmal einigermaßen gerade. Es gab längere Zeit keine Veränderung. Dann sind wir auf die Idee gekommen, die Hörner zu kürzen, nur je ca. 6 cm, so dass sich die Hörner nicht mehr berühren und die Ziege den Kopf wieder gerade richtig hoch heben kann, vorher musste sie den Kopf immer zur Seite drehen beim hochheben, damit die Hörner an der Wirbelsäule vorbei kommen (aber im Zustand der Verkrampfung konnte sie den Kopf nicht wirklich heben). Nachdem die Hörner wieder frei sind, gibt sich die Verkrampfung im Hals über ca. 2 Wochen allmählich wieder und die Ziege dreht den Kopf nach beiden Seiten und hebt ihn auch an. Allerdings hat sie ein Problem beim Aufstehen. Fällt sie auf eine bestimmte Seite (die Seite auf der die 2. Krampfepisode war) kommt sie alleine nicht mehr hoch. Sie kann dann seitlich den Kopf nicht heben und es braucht nur ein ganz klein wenig Unterstützung am Kopf, dann steht sie alleine auf. Die andere Seite ist kein Problem. Leider scheinen sich zwei andere Damen einen Spass daraus zu machen, sie umzuschubsen. Es passiert fast täglich einmal. Dann rufen besorgte Spaziergänger an und wir kontrollieren mehrfach täglich die Weide. Zum Glück wird sie im Liegen nicht attackiert, ist nur blöd, wenn sie an keiner für sie günstigen Stelle liegt.

Hat jemand so etwas schon mal erlebt und Erfahrungen damit? Würde mich über Hinweise freuen.


Manfred
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Re: Probleme mit langen Hörnern und HWS, Hörner berühren sich

Beitrag von Manfred »

Ich kenne mich da leider nicht gut aus.
Abgeleitet von der Krankheitsgeschichte könnte ich mir schon vorstellen, dass durch ein Wirbelsäulenproblem ein Nerv beeinträchtigt ist.
Du könntest testhalber eine Behandlung mit einer krampflösenden, entzündungshemmenden Salbe wie Voltaren Schmerzgel versuchen. Hat halt keine Zulassung für Ziegen. Und der Wirkstoff Diclofenac ist giftig für Greifvögel. Falls sie stirbt sollte der Tierkörper also in die Entsorgung. Auch könnte der Geruch der Salbe dazu führen, dass sie von den anderen Ziegen mehr schikaniert wird.

Evtl. fällt Charlotte etwas Sinniges ein.
Ich als Nutztierhalter neige eher dazu, Tiere mit länger anhaltenden Gesundheitsproblemen, die sich nicht genauer eingrenzen und mit überschaubaren Mittel heilen lassen, zu erlösen, damit sie nicht unnötig leiden. Aber ich kann gut verstehen, dass man sehr an seinen Tieren hängt und alles versucht, ihnen zu helfen.


Andreas789
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Re: Probleme mit langen Hörnern und HWS, Hörner berühren sich

Beitrag von Andreas789 »

Ich danke für den Beitrag. Die Verkrampfung hat sich mittlerweile noch mehr gelöst, aber die anderen Probleme unserer alten Dame sind geblieben. Der auch mit Ziegen erfahrene TA meint, dass sich ältere Tiere nach so einer Geschichte eben manchmal nicht mehr erholen. Wir werden sie nach einem doch ziemlich langen, wie wir meinen schönem Leben also schweren Herzens demnächst erlösen.
MfG Andreas


Charlotte II.
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Re: Probleme mit langen Hörnern und HWS, Hörner berühren sich

Beitrag von Charlotte II. »

Mal langsam, mal langsam, mach mal ganz langsam!
Du sprichst von Erlösen und weißt hoffentlich, woher die Vorstellung vom "Erlösen" kommt.
Da waren religöse Heilsversprechen von einem besseren Leben im Jenseits, das keiner je gesehen hat. Das tröstete Hinterbliebene, die in prekärer Armut lebten und unter Ächzen jemand mühsam mitschleppen mußten, wie verletzte Soldaten einen Kamaraden nicht im Stich ließen, der noch schlimmer dran war als sie selbst.
Dieser elende Begriff ist eine verbale Droge, die das eigene Gewissen beruhigt.
Frag mal die Ziege: sie möchte nicht erlöst werden, zumal sie auf dem Weg der Besserung ist.

Und wenn Du mal - wie ich - 85 Jahre alt bist, möchtest Du auch nicht von einem neben Dir stehenden Tierarzt hören: "Erlösen!"

Frag Dich, wieviele Ziegen im Alter von 15 Jahren der TA (= Tierarzt) schon gesehen hat, um ein solches Urteil gesichert fällen zu können.

Fangen wir vorne an:
Ich hoffe, Entwurmung und guter Klauenzustand sind zuverlässig geklärt.

Wie es zu dem Ereignis kam, wissen wir nicht, weil keiner dabei war.
Deine Vermutung hat jedoch einen gewissen Grad an Wahrscheinlichkeit.
Die Einkürzung der Hörner war sicher richtig.
Für uns von Interesse ist jedoch auch, wie Ihr eingekürzt habt (Werkzeug). Hitzeentwicklung?

Ganz offensichtlich liegt/lag eine Nervenentzündung nach Gewebeschwellung vor, ob mit Wirbelverschiebung bleibt ungewiss....

Ob man mit mobilem Röntgen "entzündliche Veränderungen" an Halswirbeln erkennen kann, wage ich zu bezweifeln.

In der Fachwelt haben wir für derartige Symptome die beiden Verdachtsdiagnosen Torticolis und Ataxie. Ursachen können vielfältig sein.
Dabei kommt es darauf an, sehr früh nach Verunfallung Cortison zu spritzen, was nicht erfolgen konnte.

Mein Therapievorschlag auch jetzt nach so langer Zeit ist: mehrfache Gabe von hohen Dosen von Vitamin-B-Komplex (darin ist Vit B 12) über mehrere Wochen.
Gequetschte Nerven (durch Rammen, Blutergüsse sekundären Ursprungs) erholen sich, wachsen sogar nach.
Sehr hilfreich dabei Bewegung, therapeutische Bewegung durch Herumführen.

Sieh Dir folgendes Video an, das ich erst noch mal im Netz suchen mußte:



Da wird einem ataktischen Pferd (woher die Ataxie auch stammen mochte) auf Dauer mit Geduld (längerer Zeitraum) sehr geholfen - so dass sogar der TA nachdenklich wurde.


Charlotte II.
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Re: Probleme mit langen Hörnern und HWS, Hörner berühren sich

Beitrag von Charlotte II. »

Ich weiß nicht, was statt des videos, das ich in meinem Text oben verlinkt habe, auf der deutschen Seite des Forum zu lesen ist:
es ist ein youtube video des SWR "Wie ich mein krankes Pferd Capi rettete".
Wenn man im Bild auf youtube klickt, geht's.


Charlotte II.
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Re: Probleme mit langen Hörnern und HWS, Hörner berühren sich

Beitrag von Charlotte II. »

Dritter Beitrag:
habe mir gerade dieses video noch einmal angesehen.
Es bietet zwar auch einige Informationen, aber ich meinte noch ein anderes über dasselbe Pferde. In jenem video wurde gezeigt, wie atatkisch das Pferd anfang wirklich lief. Das kommt auch nicht vom Kleinhirn, sondern von den Quetschungen (Blutergüsse) in der Halswirbelsäule, aber regenerierbar.

Ataktisch: du berichtest ja auch von Koordinierungsproblemen beim Kurvenlaufen usw.


Charlotte II.
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Re: Probleme mit langen Hörnern und HWS, Hörner berühren sich

Beitrag von Charlotte II. »


So, endlich das Video gefunden, das ich ursprünglich meinte (auch ein Beweis dafür, dass man "dranbleiben" muß).
Im Video gibt es eine kleine Wiederholung, aber letztlich wird alles deutlich.
An verschiedenen Stellen ist erkennbar, wie das Pferd anfangs ataktisch geht (z. B. auf dem Laufband).
Es gilt, was der TA am Ende sagt.


Andreas789
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Re: Probleme mit langen Hörnern und HWS, Hörner berühren sich

Beitrag von Andreas789 »

Hallo und Guten Morgen Charlotte,
danke dass Du Dir Gedanken über unsere Ziege Krümel gemacht hast. Ich habe heute morgen umfangreich geantwortet, aber mir ist ein Fehler passiert, da ich noch unerfahren mit der Technik des Forums bin. Während ich schrieb, hat mich die Plattform offenbar abgemeldet. Als ich auf Vorschau ging, sollte ich mich wieder anmelden. Da ich den Text nicht gespeichert habe, ging er bei der Anmeldung verloren. Jetzt habe ich aber werder Zeit noch Kraft das ganze zu wiederholen.
Nur so viel: wir machen langsam, wir überlegen reiflich, wir hören in uns hinein und versuchen das auch mit Krümel. Die Videos haben wir angeschaut. Capi ist ein junges Pferd, Den entscheidenen Satz hat der TA im 3. Video gesagt. "Capi ist ein glückliches Pferd", Krümel ist es nicht.
mehr kann ich jetztv leider nicht schreiben.
Viele Grüße


Charlotte II.
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Re: Probleme mit langen Hörnern und HWS, Hörner berühren sich

Beitrag von Charlotte II. »

Ja, das Pferd Capi ist wieder zu einem "glücklichen" Tier geworden, zuvor war es durch Totalverwurmung bis auf die Rippen abgemagert, entmuskelt.

Dann wurde es mit viel Liebe und Einsatz wieder aufgebaut.

Es ist bekannt, dass Ziegen, wenn sie Schwäche zeigen und nicht so wehrhaft sind, von ihren Artgenossen gemobbt werden. Dem kann man gegensteuern, indem man sie trainiert und päppelt.
Es bleibt Eure Entscheidung.


Andreas789
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Re: Probleme mit langen Hörnern und HWS, Hörner berühren sich

Beitrag von Andreas789 »

Also Hallo noch einmal und Danke schön.
Jetzt der 2. Versuch

Da sich hier scheinbar im Forum alle dutzen, will ich das ebenso tun, obwohl ich einer mir unbekannten Dame mit sicherlich sehr viel Erfahrung im Halten von Ziegen und vielleicht auch Tieren allgemein gegenüber eher die achtungsvollere Anrede wählen würde.

Zunächst einmal habe ich das Wort Erlösen nicht in dem von Dir erläuterten Herkunftsinne und ganz sicher nicht zur Beruhigung unseres Gewissens gewählt. Vielleicht haben wir da einen Punkt angetriggert, aber Du kennst uns ja (noch) nicht. Vielleicht hätte ich doch etwas ausführlicher über unsere Ziegenhaltung und das Problem unserer Ziege Krümel schreiben sollen, damit die Situation besser verständlich wird. Aber der Themeneinstieg schien mir schon eh ziemlich lang und da wollte ich den Bogen nicht überspannen. Da ich aber insbesondere von Deinen ersten Sätzen auch etwas angetriggert war, hatte ich heute morgen eine ausführlichere Antwort verfasst, die dann leider im Nirvana gelandet ist. Mal sehen, was ich davon noch zusammen bekomme.

Ich halte die Ziegen nicht alleine, sondern von Anfang an zusammen mit meiner Lebensgefährtin. Wir stammen auch nicht aus der Landwirtschaft, ich (Rentenalter ist schon ganz langsam in Sicht) bin in der Restaurierung tätig, meine etwas jüngere Lebensgefährtin ist Sozialarbeiterin und kümmert sich jetzt um Familien mit Kindern. Außerdem steht sie kurz vor dem Abschluss einer Ausbildung zur Tiergestützten Intervention an einem Institut in Hannover. Am Beginn ihrer beruflichen Tätigkeit hat sie einen schwerst autistischen Jungen ein Jahr lang 1:1 betreut, 24/7 ein ganzes Jahr lang. Sie ist also nicht ganz ungeübt in das Einfühlen in ein Lebewesen, dem die Kommunikationskanäle, die wir vorzugsweise nutzen, nicht zur Verfügung stehen.

Nun zu unserer kleinen Herde. Wir haben mit vier gekauften Tieren angefangen. Als Laien haben wir zu Beginn einen Sachkundelehrgang zur Ziegenhaltung gemacht, wie das bei uns in Sachsen heißt. War ganz nützlich für die Basics. Anschließend haben wir öfter mal uns bekannte Züchter in der Region besucht zum Dazulernen. Jetzt haben wir mittlerweile reichlich 15 Jahre eigene Erfahrungen. Unsere Herde zählt z.Z. 9 Tiere. Nur Damen, zum Decken fahren wir zu befreundeten Züchtern in der Region. Zum Schlachten haben wir in dieser Zeit 2 Tiere gebracht (kleine handwerkliche Schlachterei 5 km von hier). Einen Jungbock, den wir einfach nicht verkauft bekommen haben und im vergangenen Jahr die bereits erwähnte Ziegenfreundin "Die Große" von Krümel. "Die Große" wurde 16 Jahre alt und war die Leitziege der Herde. Gegen Ende ihres Lebens hat sie deutlich abgebaut und war das, was wir altersschwach nennen würden. Über ca. ein Jahr lang wurde sie immer schlechter zu Fuß und hatte Probleme mit den Gelenken. Wir haben erlebt, wie sie als Leitziege durchgereicht wurde, bis sie als ängstliche Gejagte am Schluß der Hackordnung stand. Nur Krümel war ihr ungebrochen verbunden und eine weitere Ziege aus der Ursprungsgruppe, die aber selber gesundheitliche Probleme hatte, hat sie noch toleriert.

Wir haben gelesen, dass Ziegen als Fluchttiere instinktiv kranke und gebrechliche Tiere als Gefahr für die Herde sehen. Bei einem befreundeten Züchter hat sich mal eine Ziege in einem landwirtschaftlichen Gerät auf der Weide verfangen. Die anderen hätten sie gnadenlos platt gemacht, wenn der Züchter nicht zufällig dazu gekommen wäre. Sicherlich hat sie ziemlich geplärrt. Wir Menschen wünschen uns oft einen in unserem Sinne sozialeren Umgang der Ziegen untereinander, unsere Damen wollen das aber trotz ausreichend Platz einfach nicht kapieren...

Unser Tierarzt ist der mit der größten Ziegenerfahrung im erreichbaren Umkreis. TA Junior betreut mehrere größere Ziegenhaltungen in der Region. Wenn es in der Praxis zu stressig ist, hat auch schon TA Senior (ziemlich genau in Deinem Alter) bei uns im Stall gesessen und nach getaner Arbeit erzählt, "was doch die Ziege für ein erstaunliches Lebewesen ist". Im Krieg hätten sie Böcke (vielleicht Zwitter??) angemolken und es hätte funktioniert. Ich denke schon, dass die Praxis unseres TA einiges an Erfahrung hat und dass die die Röntgenbilder lesen können. Krümel hat auch einige Schmerzspritzen bekommen, ich weiß aber jetzt nicht, ob Cortison zur Entzündungshemmung dabei war. Das müsste ich heraussuchen.

Mit dem Weggang der "Großen" war Krümel ziemlich deprimiert. Und es ist gesundheitlich mit ihr bergab gegangen. Sie hatte auch vorher schon eine beachtliche Krankenakte, aber die ist jetzt nicht von belang. Es scheint sehr wahrscheinlich zu sein, dass die Nerven in der HWS etwas abgekriegt haben, deshalb haben wir ja auch Osteopathie und Physio machen lassen. Das hat ganz gut angeschlagen aber der Zustand stagniert.
Die Hornspitzen ca. 6 cm haben wir übrigens mit einer superscharfen Dachdeckersäge händisch abgeschnitten (Dauer ca. 30 s je Horn) und die scharfen Kanten mit einem leisen Akkuschleifer mit grobem Sandpapier verschliffen, also null Hitze und wenig Stress. Unsere Tiere sind den täglichen direkten Umgang mit uns gewöhnt. Regelmäßige Klauenpflege und Entwurmung mit wechselnden Mitteln sowie gelegentliche Kotuntersuchung zur Kontrolle sind selbstverständlich, ebenso jährliche Untersuchung CAE und Pseudotuberkulose.
Sieben Ziegen (auch eine etwas übermütige pubertäre Jährlingsziege) zeigen ihr jetzt, wo sie steht (oder wenn sie nicht rechtzeitig weg kommt) umzufallen hat. Das schafft große Probleme, obwohl wir sie öfters im Stall lassen, damit sie zur Ruhe kommt. Erst kürzlich hat sie sich die Hornhaut eines Auges verletzt, weil sie im Dreck liegend den Kopf nicht heben konnte. Aber sie will halt auch raus und Gras zupfen und Blätter fressen und all das machen was Ziegen mit gewohntem freien Weidegang eben tun wollen.
Daß Nervenprobleme in der HWS eine langwierige Geschichte sind, ist mir aus eigener Erfahrung klar. Vor 30 Jahren hatte ich einen Arbeitsunfall mit einer Beschädigung des Kopfgelenkes, aber ich hatte Glück. Fünf Jahre etwa habe ich gebraucht, um wieder einigermaßen klar zu kommen. Noch heute macht sich die Sache mal mehr mal weniger bemerkbar und ich futtere fleißig Vitamine.

Die Capivideos haben wir aufmerksam angesehen, das hatte ich ja schon geschrieben. Danke, dass Du uns darauf aufmerksam gemacht hast. Sie zeigen, wie weit man mit liebevoller Zuwendung und Training, aber eben auch mit Geld kommen kann. Die Protagonistinnen haben keinen Aufwand für das Tier gescheut und auch nicht beim medialen Werbetrommeln. Capi steht noch ziemlich am Anfang seines Lebens und ist ein glückliches Pferd, Krümel ist das nicht und ihr Krankheitsbild ist auch ein anderes. Sie steht mit 15 Jahren auch eher fast schon am Ende ihrer Lebenszeit. Deshalb muss man die Situation, denken wir, differenziert sehen.

Auch nicht außer Acht lassen können wir die Situation unserer Tierhaltung insgesamt. Ursprünglich als reines Hobby zur Gewinnung von Ziegenmilch und allen Folgeprodukten gestartet, haben wir im Zusammenhang mit der Bewirtschaftung von etwas Wald eine Nebenerwerbslandwirtschaft angemeldet, damit wir Produkte legal verkaufen können, die EU Landwirtschaftsförderung bekommen und wenigstens die MWST für teure Maschinen und Geräte erstattet bekommen. Wir machen bisher seit vier Jahren nur Miese, (mal sehen wie lange uns das Finanzamt lässt...) sind aber im Gegensatz zu vielen anderen Tierhaltungen in der luxuriösen Situation, davon nicht leben zu müssen. Aber auch wir haben ein Platzlimit im Stall und auf der Weide und keine Druckmaschine im Keller stehen.
Durch die Waldbewirtschaftung sitzen wir jährlich mit den Landwirten des Gebietes zusammen. Erst kürzlich hat ein Landwirt mit Direktvermarktung erzählt, er kann es sich nicht leisten, für ein Schaf mit größeren gesundheitlichen Problemen den Tierarzt zu holen. Das klingt hart, aber wir wollen das gar nicht bewerten. Wir bekommen durch das Förderprozedere nunmehr seit vier Jahren direkt mit, unter welchem Druck die kleineren Höfe stehen. Erst jetzt wurde in Sachsen die Auszahlung der LW-Förderung um ca. 2 Monate! verschoben, weil die LW-Verwaltung es nicht fristgerecht geschafft hat, die Änderungen dieses Jahres digital ins Programm zu bekommen. Aber wehe dem Landwirt, wenn der mal etwas nicht ganz richtig dokumentiert hat oder eine Frist manchmal nur um einen Tag versäumt. Unsere Ziegen mit Krankheitsgeschichte sind z.T. mehrere hundert Euro schwer. Jeder Landwirt, der uns kennt, lächelt milde und zeigt uns den Vogel.


Sorry, dass dieser Beitrag nun doch etwas ausgeufert ist und auch andere Themen gestreift hat, das wollte ich so gar nicht. Durch Deinen Beitrag hat das Thema dann etwas Dynamik bekommen. Aber ich wollte zeigen, dass wir über viele Dinge nachdenken und immer unsere Ziegen im Blick haben dabei. Natürlich will Krümel leben, gar keine Frage. Aber wie geht es ihr? Wie fühlt sie sich? Das sind Fragen, bei denen wir in uns hineinhören und das auch bei unserer Ziege versuchen. Die Vitaminbehandlungen sind langwierig, ihr Allgemeinzustand ist nicht gut. Wir können sie nicht einfach den Rest ihres Lebens isoliert von den anderen im Stall einsperren.


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