Mistmanagement II

Erika
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Mistmanagement II

Beitrag von Erika »

Therapiehof hat geschrieben:...
zur Sache:
Schade ist nur, daß kaum andere Mistmethoden diskutiert werden. Wie wärs mit Rudolf Steiner: Im landwirtschaftlichen Kurs beschreibt er 1924 (!!!) die Kompostpräparate, die jeder kostenlos selbst herstellen kann und deren Wirksamkeit ich 15 Jahre lang positiv auf allerlei Demeterhöfen beobachten konnte. Warum liest keiner Rödelsberges "Bodenlos" oder die Gedanken vom Biolandwirt Sepp Braun oder auch von Sepp Holzer oder Mansanobu Fukuoka. Alles zu Zeiten geschrieben, wo die meisten hier EM noch nicht kannten. So ist das halt mit "Hypes", es gab ein Leben vor EM und es wird ein Leben nach EM geben.
...
Bravo Andreas,
Ich habe vor längerer Zeit schon im Ziegenforum unter dem Stichwort "Mist" gesucht in der Hoffnung, dass ich etwas darüber finde, wie die Forianer mit ihrem Mist verfahren. Und habe nichts gefunden - was ich wirklich schade finde. Es scheint so, als ob das für die meisten Ziegenhalter überhaupt kein Thema wäre.

Ich habe das Problem, dass viel mehr Mist anfällt als ich Platz dafür habe. Darum wäre mir ein Verfahren recht, bei dem in kurzer Zeit aus dem Mist, den Garten- und Küchenabfällen innerhalb kurzer Zeit brauchbarer Kompost würde, den mir die Nachbarn dann buchstäblich aus der Hand - pardon, aus der Schaufel - reißen würden.
(Von meinem Landsmann Sepp Holzer habe ich freilich schon gehört, mich aber noch nicht wirklich mit ihm (bzw. seiner Lehre) auseinandergesetzt. Nehme mir das aber für demnächst vor.)

Ich würde mich freuen, wenn ich viele brauchbare Anregungen für mein Mistmanagement bekommen würde!

Schönen Abend noch,
Erika


Therapiehof

Re: Mistmanagement II

Beitrag von Therapiehof »

das Thema Mist bzw. Kompost ist natürlich fast unüberschaubar, es geht ja hier auch nicht um Wissenschaft (eine spannende Studie von Itada hier Achtung fast 5 MB und 162 Seiten). Es sind eben neben Mikroorganismen und Würmern noch viele physikalische Größen, die eine Rolle spielen: Sauerstoff, d.h. viel umsetzen oder festtreten und abdecken - Feuchtigkeit, d.h. befeuchten oder gar unter Dach, bzw. mit Kompostvlies abdecken - Temperatur usw. Die Gefahr besteht, daß der im Mist gebundene Stickstoff entweicht, sei es gasförmig als Ammoniak oder umgesetzt in Methan/Stickoxide oder flüssig als Nitrat ins Sickerwasser. Der Stickstoff soll im Kompost gebunden bleiben und zwar so, daß er später mehr oder weniger rasch Pflanzenverfügbar ist. Aus diesem Grund betreiben wir Bioland-Betriebe oft Flächenkompostierung, d.h. es wird gerne Frischmist direkt auf die Felder verteilt, so daß er auf dem Acker verrottet und dabei freiwerdendes Nitrat direkt von den Pflanzen aufgenommen werden kann.

Bisherige Methoden mit Erfahrungswerten:

1). die einfachste Methode ist nichts zu tun, d.h. den Mist irgendwie zu lagern und vor sich hin verrotten lassen. Anmerkung hierbei: Man kommt ziemlich schnell in Bedrängnis, Geruchsbelästigung der Nachbarn, Fliegenplage und der Amtsschimmel. Man muß Mist nämlich auf einer Betonplatte lagern, Lagerkapazitäten für 6 Monate vorweisen und den Sickersaft (Jauche) in einer Grube auffangen, zumindest wenn man Landwirt ist und Subventionen der EU möchte. Aber auch für den Hobbyziegenhalter hält der Gesetzgeber Knüppel bereit: Umwelt- und Wasserschutzrecht z.B. Fazit : von allen die bequemste, aber unschönste Methode

2). den unbehandelten Misthaufen mit Starkzehrern zu begrünen, wie Gabi #daumen_hoch* z.B. Kürbis. Sieht dann schöner aus, man hat Erträge durch Kulturpflanzen, Geruch- und Fliegen werden evtl. gemindert.

3) Zusatz von Kompostbeschleunigern:

a) EM (Effektive Mikroorganismen)
b) biologisch-dynamische Präparate
c) zugekaufte Kompostwürmer
d) .... wer weiß noch mehr??

alles eventuell noch zusätzlich mit Gesteinsmehlen

zu a) siehe Erfahrungen von Fridolin #daumen_hoch* hier, die Kurzfassung von Loise #daumen_hoch* : Der Mist wird mit EMa und Urgesteinsmehl versetzt, gut gestapelt, festgetreten und mit weißer Folie abgedeckt. Nach ca. 6 Wochen ist der Mist durchfermentiert (statt vergammelt) und zur weiteren Verarbeitung bereit.

zu b) Ich habe weit über 10 Jahre positive Erfahrungen mit dieser Methode, die mir aber dennoch immer suspekt bleiben wird. Weil es den meisten doch unbekannt sein dürfte, eine kurze Erläuterung:

biologisch-dynamisch heisst die Anbauweise der Anthroposophen, deren Gründer Rudolf Steiner war und deren Produkte unter dem Namen Demeter recht bekannt sind. Steiner hat 1924 den sog. landwirtschaftlichen Kurs gehalten, Vorträge für Landwirte und damals ein Verfahren zur Mistverbesserung vorgeschlagen:

In den aufgesetzten Misthaufen wird ca. alle 30 cm mit einem Stil ein Loch von oben bis ca. zur Mitte gemacht und in diese Löcher abwechselnd die sogenannten Kompostpräparate gegeben, anschließend der ganzen Haufen noch mit einem weiteren Präparat besprüht. Die Präparate im Einzelnen kurz vorgestellt:

Schafgarbe (502)
Die Blütenköpfe der Schafgarbe werden in eine Hirschblase gefüllt und über den Sommer an einem luftigen, sonnigen Platz Licht und Sonne ausgesetzt. Im Herbst werden sie dann bis zum Frühjahr im Boden vergraben.
Der Hirsch als Geweihträger nimmt kosmische Kräfte auf und strahlt diese über den Stoffwechsel bis in die Harnblase. Niere und Blase sind die Ausscheidungsorgane von im Harn gelösten Salzen wie Stickstoff und Kali.


Kamille (503)
Einjähriger Lichtkeimer, der Verdichtungen auflöst und Struktur in den Oberboden bringt.
Wirkt lösend und heilend. Über Winter ruht das Präparat im Boden, rottet an verliert aber nicht den charakteristischen Duft. Es belebt und verleiht der Pflanze Widerstandsfähigkeit.


Brennessel (504)
Wirkt auf den Boden strukturverbessernd, entzieht ihm überschüssiges Eisen und Stickstoff.
Die Präparation der Brennessel verstärkt ihre Wirkung: Kurz vor der der Blütezeit geschnitteb verbleibt die Brennessel ein Jahr von Hochmoortorf umgeben im Boden.

Eichenrinde (505)
Die Eiche ist ein Symbol des Lebenskampfes und der Kraft. Die Rinde der Stieleiche reißt mit zunehmendem Stammumfang borkig auf und gibt Schutz nach außen. Sie weist einen sehr hohen Kalzium-Gehalt auf, der gegen Pilzwachstum wirkt sowie die insektizid wirkende Gerbsäure.
Die abgehobelte Eichenrinde wird Ende August in eine tierische Hülle gefüllt und vergraben. Im Faulprozess wird die Naturanlage durch die Präparation weiter geführt. Das Präparat schützt vor wuchernder Lebendigkeit wie z.B. Pilzbefall.


Löwenzahn (506)
Aufblühende Blütenkörbchen werden zeitig im Frühjahr an einem sonnigen Morgen gepflückt, in der Sonne einige Stunden angewelkt und im luftigen Schatten getrocknet. Im Herbst – Michaeli bis Ende Oktober – werden die Blüten mit einem Tee oder dem Presssaft einer ganzen oberirdischen Pflanze benetzt.


Baldrianpräparat (507)
Bekannt als Beruhigungsmittel, das aus der Wurzel gewonnen wird.
Baldrian ist eine Wärmepflanze: Blüten regen bei Pflanzen Phosphorprozesse an, die z.B. bei der Obstblüte frostschützend wirkt aber auch die Blüten- und Fruchtbildung fördert. Das Präparat, ein milchsauer vergorener Blütensaft, wirkt als schützende Wärmehülle.


soviel "Mist" für heute, in der Hoffnung auf eine fachlich/sachliche Diskussion

Andreas


Zieglinde
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Re: Mistmanagement II

Beitrag von Zieglinde »

Danke Andreas,
habe gerade meine Fragen gelöscht, da die sich durch deinen Bericht erledigt haben :-)

LG
Silke


Erika
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Re: Mistmanagement II

Beitrag von Erika »

die_Alex hat geschrieben:Hallo Erika,

hast Du es schon mit Kompostwürmern versucht?
Die Würmer kann man z.B. im Internet bestellen, ein grosser Eimer kostet ca. 20 Euro. Bei mir funktioniert das seit Jahren prima. Ich habe 7 Pferde, 2 Lamas, 2 Ziegen und viele Kleintiere und nur 3 kleine Misthaufen. Die Kompostwürmer fressen den Mist und scheiden Humus aus. Der wandert dann in den Garten, auf die Wiese, wird verschenkt oder auch verkauft.
Meine Mistmieten baue ich so auf: Unten eine Plane, darauf kommt eine Lage Stroh und darauf wird dann der frische Mist mit den Würmern gestapelt. Das Ganze decke ich mit einer hellen Plane ab damit sich keine Gülle bildet- helle Plane damit es nicht zu heiss für die Würmer wird, das überleben die nicht. Eigentlich ganz einfach...


Hier noch ein interessanter Link, es geht da zwar um Pferdemist, aber ich denke das macht keinen grossen Unterschied, und viele Ziegenhalter sind ja auch Pferdebesitzer:
<!-- m --><a class="postlink" href="http://pferdemistkompost.de/equihum/equ ... ml</a><!-- m -->

Grüsse, Alex

Hallo Alex,
danke für deine rasche Antwort - ich war allerdings die letzten 2 Tage computerlos und konnte also nicht anworten.
Ich bin dem Link, den du gesetzt hast, gefolgt und habe eine Frage. Diese Kompostwürmer, die man kaufen kann, sind das die Würmer, die wir Regenwürmer nennen? Aussehen tun sie nämlich so, und wären bei mir ohnedies vorhanden. Möglicherweise nicht in ausreichender Menge. Ich dachte, Regenwürmer kämen dann, wenn der Kompost in einem entsprechenden Stadium ist, von selbst, weil sie erst dann "ihre Arbeit" erledigen müssten. Dass man die schon in den frischen Mist hineinmischen soll, ist interessant!
Da du mit deinen vielen Tieren nur 3 kleine Komposthaufen hast, muss die Rotte ja verdammt schnell vor sich gehen - kannst du ungefähr sagen, wie lange das dauert?


Erika
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Re: Mistmanagement II

Beitrag von Erika »

Wow, Andreas,

das ist aber eine ausführliche Antwort, DANKE!!!!!
Da ich aber schon müde und schläfrig bin und sie mir nach viel Mitdenken ausschaut, werde ich sie erst morgen eingehend studieren.

Ich hoffe auch auf eine fachlich/sachliche Diskussion - angefangen hat's schon mal gut!

Vorerst gute Nacht!
Erika


Ulli
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Re: Mistmanagement II

Beitrag von Ulli »

Hallo Erika!

Kompostwürmer ähneln zwar stark Regenwürmern, sind aber auf andere Nahrung angepasst- das heisst, man kann sie z.B in "Wurmkisten" setzen und direkt mit "Küchenabfällen" (natürlich pflanzlich und nicht gekocht)füttern.

Darauf, sie direkt in Mist zu setzen wäre ich nicht gekommen, hatte aber bisher auch keinen... Danke für den Tipp, Alex!

Kompostwürmer der heimischen Arten kommen bei freier Zugänglichkeit des Kompostes von unten auch von selbst- sie sind allerdings kleiner und langsamer, zudem in weiaus geringerer Zahl vertreten, was die Kompostierung verzögert.

LG Ulli


Leben ist gefährlich und endet immer tödlich
Therapiehof

Re: Mistmanagement II

Beitrag von Therapiehof »

die_Alex hat geschrieben:Man rechnet 1000 Würmer für jeden m², die beste Temperatur liegt 15-25°C, -2 bis +45°C sind okay.
genau das könnte das Problem sein: Ziegenmist, der meist ja noch viel Stroh/Heu enthält wird sehr heiss nachdem er umgeschichtet wird, sobald Sauerstoff dazu kommt gehts los, also wenn man Kompostwürmer kauft und dazu gibt, unbedingt einen Kompostthermometer reinstecken und überwachen...

@Alex. gibts denn ein Recycling der Würmer, wenn man z.B. Rasengittersteine mit Erde befüllt und daruf den Mist lagert, ziehen die sich dann dorthin zurück und wandern dann von unten in den neuen Haufen, oder muß ich jedes mal neue Würmer kaufen?

lg
A.


Erika
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Re: Mistmanagement II

Beitrag von Erika »

@ Andreas

Zu deinen „Bisherige Methoden mit Erfahrungswerten“:

1) die einfachste Methode - nichts zu tun, die ist mir natürlich auch bestens bekannt. Zu den Problemen, die du aufgezählt hast ist bei uns noch dazugekommen, dass die Sammelstelle immer größer und größer geworden ist und wir nicht mehr wussten, was wir damit tun sollten. Landwirte sind wir ja nicht und viel Grund und Boden zum Ausbringen haben wir nicht. Und ganz gut ist es, dass der Gesetzgeber Knüppel bereithält - möchte nicht wissen, wie es sonst bei so manchen Betrieben ausschauen würde!

2) den unbehandelten Misthaufen mit Starkzehrern zu begrünen, wie Gabi z.B. Kürbis. Das mache ich auch immer wieder, habe aber einmal gelesen (in meinem Bio-Garten-Buch), dass das nicht allzu gescheit ist, weil der Kürbis dem Kompost zu viele Nährstoffel entziehen soll. Ich weiß nicht wirklich, ob das stimmt.

3) Zusatz von Kompostbeschleunigern:

a) EM (Effektive Mikroorganismen) Da bin ich gerade dabei auszuprobieren und habe bis jetzt so ähnliche Erfahrungen gemacht wie Fridolin. Damit werde ich, solange ich nichts Besseres weiß, sicher weitermachen.

b) biologisch-dynamische Präparate
Diese Methode erscheint mir ziemlich kompliziert, und ich habe auch gleich zwei Fragen dazu: Machst du dir die Präparate alle selber oder gibt es die zu kaufen? Warum ist dir diese Methode noch immer suspekt, obwohl du sie schon seit 10 Jahren erfolgreich anwendest?

c) zugekaufte Kompostwürmer:

d) .... wer weiß noch mehr?? Leider weiß ich (noch) nicht mehr – werde mich aber, wie du vorgeschlagen hast, mit Sepp Holzer auseinandersetzen. Frage: Schließt Sepp Holzer eine der vorher beschriebenen Methoden aus?

alles eventuell noch zusätzlich mit Gesteinsmehlen – bei EM, weiß ich, gehören sie auf alle Fälle dazu.


Erika
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Re: Mistmanagement II

Beitrag von Erika »

die_Alex hat geschrieben:Hallo,

...
wenn alles optimal läuft kann der Mist in 3 Monaten kompostiert sein. Bei Späne-Mist oder wenn viel Stroh drin ist kann es auch 12 Monate dauern.'Man rechnet 1000 Würmer für jeden m², die beste Temperatur liegt 15-25°C, -2 bis +45°C sind okay. ...

Liebe Grüsse, Alex
Auweia, da muss ich beim Ziegenmist mit 12 Monaten rechnen, weil viel Stroh (oder zumindest strohiges Heu) drinnen ist. Das ist für mich zu lange - die Lagerkapazität habe ich absolut nicht! Da werde ich mich weiter mit Mikroorganismen und anderen Methoden beschäftigen müssen! Aber danke für den Tipp!

Liebe Grüße
Erika


Ulli
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Re: Mistmanagement II

Beitrag von Ulli »

Hallo Alex!

Interessanter Artikel!

Die Möglichkeit, das ganze als Wandermiete anzulegen finde ich besonders interessant.

Für die, die es nicht gelesen haben: Die Miete wird bei gleichbleibender Höhe und Breite beliebig verlängert, kann auch als Ring an den Anfang zurückführen. Die Würmer wandern weiter, wenn sie fertig sind und mann kann der Humus ernten.

Werde ich wohl mal ausprobieren...

LG Ulli


Leben ist gefährlich und endet immer tödlich
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