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Doch zänkisches Ziegenvolk

Verfasst: 10.03.2009, 15:36
von Svenja
Liebes Ziegenforum,

wir haben drei Thüringer Waldziegen (zwei Mädchen und ein Kastrat) im Alter von 1,5 Jahren. Alle drei sind genetisch hornlos.
Die drei haben sich bis vor wenigen Wochen hervorragend vertragen und fraßen sogar alle zusammen aus einer Futterschüssel. Ich dachte schon, wir haben drei besonders friedfertige Ziegen bekommen…

Doch in den letzten Wochen hat sich das Verhalten der drei extrem gerändert.
Vielleicht durch die Trächtigkeit?...
Der Kastrat (Josef) und das dominante Mädchen (Glöckchen) lassen das rangniedere Mädchen (Schnucki) kaum mehr an die Raufe. Sie wird von beiden weggeboxt und weggebissen.

Als erste Maßnahme haben wir die „normale“ Heuraufe gegen einen Fressstand zum Einfädeln getauscht. Die Änderung zeigte zunächst Erfolge. (Vermutlich weil es erst mal ungewohnt war und das Ein- und Ausfädeln noch geübt werden musste.)
Doch nun fädelt sich Glöckchen in einem sehr schnellen Tempo ein und aus und beißt trotzdem um sich. Der Fressabstand beträgt 0,5 m.

Jetzt haben wir am Wochenende den Stall in zwei Hälften geteilt. Zum einen brauchten wir eine Ablammbox ( Glöckchen und Schnucki werden in ca. 10 Tagen ihre Kitze bekommen) und auch ein Ruhezone für unseren schwerverletzten Josef.
Nun sind Schnucki und Josef nachts in der einen Hälfte und Glöckchen in der anderen Hälfte mit Sichtkonatkt eingesperrt.
Seit dem herrscht endlich wieder Frieden und alle drei wirken zufriedener.
Und ich frage mich nun wirklich, ob das „alte Modell“ der Einzelboxenhaltung (zumindest über Nacht) gar nicht so verkehrt ist????

Wie sehen Eure Erfahrungen mit dem zänkischen Ziegenvolk aus?

Am meisten graut mir nun vor dem Gedanken, dass die Kitze behornt sind. Eigentlich wollten wir ja die Nachzucht behalten…. Aber eine gemischte Herde wird das ganze wohl noch komplizierter gestalten…..Enthornen möchte ich eigentlich nicht.

Liebe Grüße
Svenja

Re: Doch zänkisches Ziegenvolk

Verfasst: 10.03.2009, 15:47
von sanhestar
Hallo,

es liegt eher an mangelndem Platzangebot als an genereller Unverträglichkeit.

Mehr als einen Fressplatz anzubieten, mit entsprechend Abstand dazwischen, hilft auch, gleiches gilt für Sichtschutz, Raumteiler, Kletter- und Springmöglichkeiten. Und dann auch mal die Fütterung überprüfen - zuviel energiereiches Futter (Kraftfutter, Getreide) bei mangelndem Bewegungsangebot führt zu Unleidlichkeit.

Re: Doch zänkisches Ziegenvolk

Verfasst: 10.03.2009, 16:02
von Claudi
Svenja hat geschrieben:Liebes Ziegenforum,

................................

Und ich frage mich nun wirklich, ob das „alte Modell“ der Einzelboxenhaltung (zumindest über Nacht) gar nicht so verkehrt ist????

Wie sehen Eure Erfahrungen mit dem zänkischen Ziegenvolk aus?

Am meisten graut mir nun vor dem Gedanken, dass die Kitze behornt sind. Eigentlich wollten wir ja die Nachzucht behalten…. Aber eine gemischte Herde wird das ganze wohl noch komplizierter gestalten…..Enthornen möchte ich eigentlich nicht.

Liebe Grüße
Svenja
die kitze kommen doch erst noch?

klingt ein wenig nach winterlangeweile und schwangerschaftunleidlichkeit *fg*

haben die zweige zur beschäftigung? das lenkt zicken schon mal gut ab und ein großer ast bremst auch ein wenig die wucht aus, beim jagen desr boxennachbarn.

Re: Doch zänkisches Ziegenvolk

Verfasst: 11.03.2009, 11:21
von Svenja
Vielen Dank für Eure Rückmeldungen!
Der Stall ist mit Klettermöglichkeit (zweigeschossige Liegenischen), eigener Fressplatz für jedes Tier und (vielleicht auch noch zu kurzen) Fressblenden ausgestattet.
Außerdem handelt es sich um einen Offenstall mit großer Weide.
Zweige gibt es jeden Tag!

Wahrscheinlich hat Glöckchen ja auch schon einen heftigen Schwangerschaftshormonrausch!

Wir sind nur gerade dabei eine Stallerweiterung zu planen, da wir langfrsitig doch ca. 5-7 Ziegen halten wollen und dann der Platz zu knapp wäre.
Wir zerbrechen uns nun den Kopf, wie man das am ziegengerchtesten anstellen könnte.
Die heftigen Zankereien, die für uns absolut neu sind, haben uns einfach verunsichert. Und ein Bekannter, der auch Thüringer Waldziegen hat, meinte, seine rangniedere Ziegen würden ohne nächtliche Boxenhaltung nicht satt werden können.
Wollte mal hören, wie das andere so machen.

Und dann mache ich mir, wie gesagt, nun doch Sorgen, wie es mit einer behornt/unbehort gemischten Ziegengruppe laufen würde.
Ich würde den Nachwuchs so gerne behalten. Doch die Literatur besagt nichts Gutes...

Erstmal abwarten. Wahrscheinlich sind meine Nerven mit dem verletzten Josef gerade ein wenig überstrapaziert....

Liebe Grüße
Svenja

Re: Doch zänkisches Ziegenvolk

Verfasst: 11.03.2009, 12:27
von Thomi-Kanoni
Hallo!
Was für eine Verletzung hat er denn?
Vorwitzige Grüße
Lydia

Re: Doch zänkisches Ziegenvolk

Verfasst: 11.03.2009, 12:32
von sanhestar
Hallo Svenja,

ich würde auch sagen, dass Du ggfs. überreagierst. Rangstreitigkeiten kommen bei Tieren vor und da sie sich nicht verbal äussern, läuft es körperlich ab.

Wobei mir die Hornkämpfe der Behornten deutlich lieber sind als die Beissereien der Hornlosen.

Wir haben eine gemischte Gruppe, die Hornlosen sind weniger aber ausreichend genug, um nicht als Einzeltier untergebuttert zu werden. Die gehörnten haben es weniger nötig, sich massiv durchzusetzen, beide Parteien "wissen" dass eine Ziege mit Hörnern "immer Recht hat". Auch sind in gewachsenen Verbänden die Auseinandersetzungen weniger heftig, als bei einem - wie jetzt bei euch - zusammelgewürfelten Verband. Sobald die Mütter gelammt haben, bestätigt oder verändert sich der Rang über die Lämmer, die Lämmer übernehmen den Status der Mütter, es bilden sich Mutter/Tochter-Untergruppen und alle Spannungen verteilen sich auf mehr Tiere - aktuell ist euer Bestand noch so gering, dass Streitigkeiten aufkommen MÜSSEN (3 ist auch eine wirklich ungünstige Zahl - gerade Zahlen harmonieren in Gruppen immer besser), in grösseren Gruppen bilden sich Untergruppen und wer sich nicht mag, geht sich dann eben aus dem Weg, wenn andere, passendere Sozialpartner in der Gruppe existieren, anstelle sich auf biegen und brechen miteinander auseinander setzen zu müssen.

Sehe es täglich hier: die gesamte Herde hält gegen Aussenbedrohungen zusammen, gefressen, geschlafen wird in Untergruppen, die sich aus gewachsenen Beziehungen geformt haben (Geschwister, Mütter und Kinder, Freunde). Innerhalb der Gruppen gibt es Unterstützung gegen Mobber.

Ausserdem sind Deine Tiere noch sehr jung, keines ist eigentlich in einem Alter, in dem es schon eine Führungsposition einnehmen sollte, sondern alle sind mitten in der Pubertät. Überleg' mal zurück, wie Du Dich gefühlt hast, zu der Zeit. Alles durcheinander, Verantwortung wollte man, stellte dann fest, dass das doch nicht soo einfach ist, fühlte sich überfordert, konnte aber nicht mehr "zurückrudern". Ähnlich ist die Situation bei Deinen. In einer gewachsenen Herde gäbe es noch wenigstens eine ältere Ziege (3 oder älter), ältere Böcke, die für Ruhe unter den Heranwachsenden sorgen.

Unsere Futterplätze liegen bis zu 10-15m auseinander (dann im Auslauf mit Wetterschutz), die ranghohen fressen in Stallnähe (wertvollere Resource), die rangniederen weichen auf die aussenliegenden Fressplätze aus (7 Fressmöglichkeiten = Raufen oder aufgehängte Heusäcke für 17 Ziegen, jede davon von mehreren Seiten zugänglich und mit Ausweichmöglichkeiten = genug Platz drumrum). Jeder wird bei uns satt, es ist eine Frage, wie man es aufbaut.

Generell sollte man in der Herdenhaltung immer mehr Fressplätze als Tiere zu Verfügung stellen, da es eben solche gibt, die alles für sich beanspruchen.

Re: Doch zänkisches Ziegenvolk

Verfasst: 11.03.2009, 13:56
von Svenja
@sanhestar

Ganz ganz lieben Dank für die ausführliche Mail und das tolle Telefonat!
Jetzt geht es mir schon etwas besser!

@ Lydia

Josef hat eine Hinterbeinfraktur! Wir haben keine Ahnung, wie das nachts passieren konnte!

Viele Grüße
Svenja

Re: Doch zänkisches Ziegenvolk

Verfasst: 11.03.2009, 14:31
von Thomi-Kanoni
Hallo!
#wb# ....Stimmt, hab nicht mehr dran gedacht....Ich hoffe es geht ihm langsam besser.... :-)
Liebe Grüße
Lydia