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Umgang mit Resistenzen bei Endoparasiten

Verfasst: 16.08.2009, 22:28
von Silke
Ich möchte doch gerne hier mal Teile eines Artikels zitieren, der auch zu finden ist unter http://www.landwirtschaftskammer.de/lan ... empfen.htm

Bisher habe auch ich die Tiere zur Entwurmung entweder aufgestallt oder die Weide gewechselt, jedoch stimmen mich nachfolgende Überlegungen nachdenklich und sie sind nicht vollständig von der Hand zu weisen...

Resistenzproblem nehmen zu

Lämmer sind besonders gefährdet und fallen neben ihrer stumpfen Wolle durch apathisches Verhalten auf.Die Wirtschaftlichkeit der Schafhaltung wird in einigen Regionen außerhalb Europas auf Grund zunehmender Resistenzproblematik bereits in Frage gestellt. Besonders bei den Magen-Darm-Strongyliden (MDS) beobachtet man in den letzten Jahren weltweit eine Zunahme der Resistenzen gegen handelsübliche Entwurmungsmittel. So konnte man beispielsweise in Argentinien in 46 %, in Brasilien in 97 % und in Südafrika sogar in 98 % aller untersuchten Schafherden Resistenzen gegen verschiedene Wirkstoffgruppen ermitteln. Eine Markteinführung von Präparaten auf der Basis neuer Wirkstoffe ist angeblich in nächster Zeit nicht zu erwarten.

Unter einer Anthelminthika-Resistenz versteht man die Fähigkeit eines Innenparasitenstammes, Dosierungen eines Entwurmungsmittel, eines Anthelminthikums, zu tolerieren, die sich bei normal empfindlichen Stämmen derselben Parasitenart meist als wirksam erweisen. Spontan resistente Individuen sind bereits in der ursprünglichen Parasitenpopulation vorhanden, ihre Anreicherung erfolgt dann über den Selektionsdruck häufiger Behandlungen.

Flächendeckende Untersuchungen zu dieser Thematik liegen für Deutschland leider nicht vor. Lediglich aus Hessen wurde über Benzimidazol-Resistenzen, aus Südbayern auch zusätzlich über mögliche Resistenzen gegenüber den Levamisolen berichtet. Positive Befunde bei Kontrolluntersuchungen durch den Schafgesundheitsdienst nach Einsatz von Benzimidazolen lassen vermuten, dass auch in einzelnen Herden in NRW mit Resistenzen zumindest gegenüber dieser Gruppe zu rechnen ist.

Bei den Benzimidazolen wurden schon 1973, 13 Jahre nach Markteinführung, Wirkungsverluste auf Grund von Resistenzen festgestellt. Aber auch für die Gruppe der makrozyklischen Laktone, die erstmals 1982 eingesetzt wurden, werden schon seit 1990 resistente Stämme beschrieben.

Da auch durch langjährige Nichtanwendung einer selektierten Wirkstoffgruppe ein Rückgang der Resistenz nicht zu erwarten ist, sollten unter den bei uns noch günstigen Ausgangsbedingungen alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um die Entstehung resistenter Populationen zu unterbinden. Dazu werden für die Praxis folgende Maßnahmen, die zweifellos zunächst gewöhnungsbedürftig sind, empfohlen:

Zur Verminderung von Gruppenresistenzen, bei denen zum Beispiel alle Präparate auf Benzimidazolbasis nicht mehr wirksam sind, wird ein jährlicher Wechsel der Wirkstoffgruppen zwischen den Gruppen der Benzimidazole, der makrozyklischen Laktone und Levamisol, empfohlen. Ein mehrfacher Wechsel innerhalb des Jahres soll die Entwicklung von Mehrfachresistenzen provozieren, das heißt, Präparate unterschiedlicher Wirkstoffgruppen verlieren gleichzeitig ihre Wirkung.

Das bisher empfohlene „Dose-and-Move-System“, das bedeutet das Verbringen der Schafe nach dem Entwurmen auf eine saubere Weide oder das kurzfristige Aufstallen, begünstigt offenbar die Entwicklung resistenter Populationen. Ein Weidewechsel nach der Entwurmung sollte daher unterbleiben und die Tiere sollten zur Behandlung auch nicht aufgestallt werden, damit sich auf einer anfangs sauberen Weide keine einheitlich resistente Population anreichert. Ziel ist, das Schaf mit einer Mischinfektion aus unempfindlichen und empfindlichen Würmern zu konfrontieren, so dass der Organismus über eine Konkurrenzsituation der beiden unterschiedlich sensiblen parasitären Stadien künftig therapierbar bleibt und man überhaupt noch die Chance hat, auf den Gesundheitsstatus des belasteten Schafes positiv einzuwirken.

In diesem Zusammenhang ist es auch konsequent, nicht wie bisher, alle Tiere einer Herde zu behandeln. Auf der Grundlage von Kotuntersuchungen entwurmt man beispielsweise gezielt nur die klinisch erkrankten Jungtiere, wobei man bewusst die besten Lämmer und Altschafe ausnimmt. Als Orientierungshilfe kann man sich in zeitlichen Abständen von zwei bis drei Wochen einer Farbskala bedienen, die im direkten Vergleich mit den Farben der Lidbindehäute im Stall im Einzelfall eine Einstufung der Tiere hinsichtlich der Therapienotwendigkeit erlaubt.

Bei Zukäufen lässt sich über eine Quarantänephase mit anfänglicher Entwurmung und einer Kontrolluntersuchung des Kotes nach zehn Tagen feststellen, ob man Gefahr läuft, sich Anthelminthika-resistente Populationen einzuschleppen.

Zur Sicherung der Wirtschaftlichkeit der Schafhaltung ist auch in Deutschland eine Limitierung der Resistenzentwicklung durch Umsetzung dieser wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse unbedingt erforderlich. Nach Einschätzung des Schafgesundheitsdienstes könnten sich allerdings in extensiv geführten Schafhaltungen im Hinblick auf die Einstufung der Tiere und die selektive Therapie erhebliche wirtschaftliche und nicht zuletzt tierschutzrelevante Probleme ergeben. Das Verfahren dürfte am ehesten für ausgewählte, gut geführte Koppelschafhaltungen, besonders aber für professionelle Wander- und Hüteschafhaltungen geeignet sein und dort auch auf Akzeptanz stoßen. Hier wird ein ähnliches Prozedere ja schon seit Jahren aus Kosten- und Arbeitszeit sparenden Überlegungen beobachtet. Eine Auswahl zurzeit im Handel befindlicher, verschreibungspflichtiger Präparate, ihre Dosierung, ihr Wirkungsspektrum und die Wartezeiten enthält die Tabelle.