Sammelkotprobe - die trügerische Sicherheit

Piroschka
Beiträge: 2788
Registriert: 15.07.2012, 18:15

Sammelkotprobe - die trügerische Sicherheit

Beitrag von Piroschka »

Wie beim Menschen wurde noch längere Zeit nach dem 2. Weltkrieg auch bei Nutz-Tieren und Heimtieren mit Kupfersulfat, Vitriol, Arsenik entwurmt, für den Organismus ebenso giftigen Stoffen wie für die Würmer. Beide hängen mit den (in vielen Systematiken so genannten) Schwermetallen Kupfer und Arsen zusammen. Außerdem wurden Alkaloide, die man aus Pflanzen gewann, eingesetzt, also auch starke Gifte.
Noch in jüngster Zeit wird von homöopathischer Seite gern Kupfersulfat empfohlen, meist unter Berufung auf Pat Coleby, eine ältere Dame in Neuseeland, die dies unbeirrt vertritt und Gläubige findet; so auch auf einer Seite einer Selbsternannten im Lande Brandenburg.

Nach dem Krieg wurde von der veterinärpharmazeutischen Industrie synthetische Entwurmungsmittel entwickelt, gegen die heute zum Teil massive Resistenzen bestehen.
Zum Teil weiß man noch nicht einmal, wie diese Mittel wirken, d. h., ob die Würmer abgetötet oder nur gelähmt und dann entweder als tierisches Eiweiß im Dünndarm verdaut oder ausgeschieden werden. Auf jeden Fall wirkt das Mittel auf den Zellstoffwechsel des Wurms, was ihn schwächt oder sterben läßt.

Was sind Resistenzen?
Bei Bakterien wissen wir, daß sie sich ständig vermehren, sich dabei teilen. Dabei entstehen einzelne Bakterien, deren Gene mutieren und die dann resistent sind. Diese Mutation erfolgt im Erbgut des Bakteriums. Aufgrund der hohen Vermehrungsgeschwindigkeit erfolgt dies schnell.
Bei Würmern, die ja keine Einzeller sind, dauert es, so nimmt man an, bis zu 10 Generationen (die Vermehrungsgeschwindigkeit mag für einzelne Wurmarten unterschiedlich sein), bis Resistenzen einsetzen und genetisch weitergegeben werden.
Deshalb wird dazu geraten, das Entwurmungsmittel häufiger zu wechseln.

Die Methode der Sammelkotprobe kam etwa Mitte der 90er Jahre auf. Die veterinärpharmazeutische Industrie hatte erkannt, daß in Massenbetrieben eine durchgängige Bestandsentwurmung zu erheblichen Kosten führen mußte, vielleicht zu Betriebaufgaben führen würde.
Wie in der Natur der Parasit über längere Zeit kein Interesse am Tod seines Wirtes hat (wenigstens bis sein Reproduktionszyklus abgeschlossen wäre), hat ein Industriebetrieb ein Interessse am Fortbestand der Abnehmer über viele Jahre und an einer Ausweitung des Marktes.

Die Sammelkotprobe sollte so aussehen (Säugetiere):
es wird jeweil bei einigen (immer denselben) Tieren über mehrere Tage aus dem Enddarm eine Kotprobe entnommen, für jedes Tier getrennt gesammelt und zur Untersuchung eingeschickt. Die Untersuchungsmethoden, die dann durchgeführt werden, unterscheiden sich teilweise.
Aus dem Ergebnis für beispielhaft ausgesuchte Tiere sollte dann auf die ganze Herde geschlossen werden.

An dieser Stelle sei erwähnt, daß man bei entsprechender Untersuchung eine Erkrankung durch Kopromikroskopie immer erkennen kann:
Paratuberkulose.

Hier im Forum wird bei Durcharbeiten älterer Beiträge deutlich, daß der Begriff der Sammelkotprobe im Forum ca um 2005 auftaucht. Dabei werden ganz unterschiedliche Auffassungen vertreten: beliebiges Aufsammeln von Kotpillen im Stall oder auf der Weide, Vermischen des Kots von verschiedenen Tieren (wohl um einen Durchschnitt zu erreichen?), aber auch mehrtägiges Sammeln, also sozusagen Kotproben nach dem Zufallsprinzip. Sammelsurium.

Einschub einer "Anekdote": in einer der Diskussionen erwähnte eine Diskutantin, sie entwurme immer mit Abrotanum, einem pflanzlichen Mittel. Auf die Frage einer homöopathisch Interessierten, woher sie die Sicherheit nehme, daß das Mittel wirke, kam die Antwort, es sei in einem längeren Vortrag empfohlen worden, während dessen sie nicht ein einziges Mal habe gähnen müssen. Damit war die Fragestellerin zufrieden.

Meines Erachtens ist es ein gewaltiger Unterschied, ob es sich um einen großen Betrieb mit 70 oder 300 Tieren handelt, mit vielen Weideflächen, Aufstallung im Winter und einem professionellen Weidemanagment oder um eine Hobbyhaltung, in der Tiere durcheinander wuseln und ohnehin zu wenig Fläche vorhanden ist.

So wird geraten, nur einen Teil der Tiere zu entwurmen, was zu einer Immunisierung der Herde führen soll; wie das funktionieren soll, hat mir noch niemand erklärt.
Aufgrund der vielen verzweifelten Anfragen hier im Forum, sterbenden Tieren, Tierärzten, die nicht wissen, welche Mittel inzwischen aufgrund von Resistenzen obsolet sind oder wie man bei Ziegen überhaupt dosieren muß, halte ich Teilentwurmungen nach Kotprobe von kleinen Gruppen für gefährlich.

Manche Tierhalter haben sicher noch nicht darüber nachgedacht, daß Würmer nicht das ganze Jahr Eier legen (die Kotprobe trotz Verwurmung also negativ sein kann), manche Arten mehrere Larvenstadien haben, und vor allem: daß die männlichen Würmer keine Eier legen, aber dennoch den Organismus schwächen.


_______________
Haarriss
Beiträge: 2562
Registriert: 22.05.2013, 11:32

Beitrag von Haarriss »

Okay...danke für die Informationen....und du rätst jetzt wozu?


Viele Grüße
Haarriss
ElliBesch
Beiträge: 3882
Registriert: 17.03.2008, 10:35

Beitrag von ElliBesch »

Ich denke, das hängt leider wieder einmal- wie so oft, vom Geldbeutel des Tierhalters und /oder dessen Bezug zu seinen 'Nutz'-Tieren ab.

Bei wenigen Tieren (der Begriff ist relativ!) müsste man in der Lage sein, jedes Tier einzeln und gezielt, in regelmäßigen Abständen (die wichtige Nach-Entwurmung bzw. Konrolle nach der verabreichten 'Wurmkur' nicht vergessen!) mit den passenden Wirkstoffen zu versorgen. Da sollte man sich auch nicht von den TÄ bequatschen lassen, dass die Tiere ja so ein enges Verhältnis haben, es würde ein Marmeladenglas mit allen Kötteln der Hobby-Schmusegruppe reichen...

Sehe ich mich hier im Heimatdorf um und/oder betrachte große Schafherden, wird die Entwurmung meist im Hauruck-Verfahren nach der Devise: 'Friß oder stirb' verabreicht. (Pellets sind da an der Tagesordnung)

LG Elli


Bild

Not being vegan is a mistake. ^^
Dipla
Beiträge: 2804
Registriert: 17.08.2011, 10:14

Beitrag von Dipla »

Was ist für dich ein regelmäßiger Abstand und was "wenige Tiere"?
Bei uns kostet eine Kotprobe inkl. Lungenwurm um die 14€ pro Tier. Ein guter Tierhalter gibt nicht nur Kotproben vor der Entwurmung ab um zu sehen ob und was überhaupt vorhanden ist sondern auch nach der Entwurmung um zu sehen ob die Entwurmung angeschlagen hat. Macht bei zb 5 Tieren und einer durchschnittlichen Testung von 2-3x jährlich (zumindest machen wir das so) 450€.
Ich verstehe jeden Hobbyhalter der sich bei solch einer Summe an den Kopf langt...


Jeder Tag ist ein Geschenk.
die_Alex
Beiträge: 2424
Registriert: 01.08.2008, 12:59

Beitrag von die_Alex »

[quote='ElliBesch','http://ziegen-treff.de/forum/index.php? ... post200092'](die wichtige Nach-Entwurmung bzw. Konrolle nach der verabreichten 'Wurmkur' nicht vergessen!)
[/quote]Aber Piri schrieb doch im letzten Absatz, dass Tiere verwurmt sein können, aber die Proben sauber sind.

Mir ist das vor allem bei meinen Lamas immer aufgefallen: Ich habe die ersten Jahre regelmäßig Kotproben eingeschickt, und da wurde nie was festgestellt. 1 Wallach hatte aber öfter Matschkot, und eine Stute war relativ dünn. Seit ich stur regelmäßig entwurme, sind alle Tiere wieder fit und haben eine gute Figur.
Ich kenne viele Hundehalter, die ihre Hunde nie entwurmen, vor allem Barfer, die meinen mit Möhren und Kokosöl hat der Hund keine Würmer....ich lasse mir mittlerweile von neuen Pensionshunden eine Bescheinigung über Entwurmungen vom Tierarzt geben.


**********

Fleisch, das; -es, -; 1.Leichenteil(e) eines getöteten Tieres, das leben wollte


Warum vegan? - - -Carne vale
Piroschka
Beiträge: 2788
Registriert: 15.07.2012, 18:15

Beitrag von Piroschka »

Offensichtlich ist mein Beitrag nicht verstanden worden.

[quote='Dipla','http://ziegen-treff.de/forum/index.php? ... post200093']Macht bei zb 5 Tieren und einer durchschnittlichen Testung von 2-3x jährlich (zumindest machen wir das so) 450€.
[/quote]Dreimal ist 50 Prozent mehr als zweimal.
Ergäbe bei den Angaben aber schon mal bei richtiger Rechnung nur 420 €.
Bringt eine Kotprobe keinen Verwurmungsnachweis, erübrigt sich a) die Entwurmung, b) die Kontrolluntersuchung.
Damit brechen die Kosten weg.

Meine Hoffnung war, gut erklärt zu haben, weshalb es unsinnig ist, etwa drei Kotanalysen machen zu lassen: weil Larven und Eier nicht das ganze Jahr ausgeschieden werden, bedingt durch den Entwicklungszyklus der Würmer. Auch weniger häufig durchgeführte Kotanalysen sind nur aussagekräftig, wenn sie zur richtigen Zykluszeit der Würmer erfolgen.

Das war die Zielaussage meines Beitrags.

Kotuntersuchung, so wollte ich obendrein deutlich machen, von auf engem Raum lebenden wenigen Hobbytieren muß logischerweise auch nicht von jedem Tier erfolgen, weil im Fall eines Befalls Durchseuchung der ganzen Gruppe vorausgesetzt werden kann.

Das reduziert die Kosten auf vernachlässigbare Beträge.

Gehe ich dennoch bei fünf Hobbytieren von 2 Kotproben pro Jahr für alle Tiere und eine Kontrolluntersuchung nach 20 Tagen aus (wofür eigentlich, wenn ich richtig entwurmt habe?), komme ich auf 280 €. Das sind unter 25 € pro Monat für diesen Posten.

Falls mein Mann für mein/unser Hobby nicht soviel Geld - weniger als einen Euro pro Tag - ranschaffen kann, sollte ich das Hobby aufgeben.

Irgendwer schrieb schon einmal: "Ein Hobby muß man sich leisten können".

Das ist eine Frage, die durch das Tierschutzgesetz berührt wird.

Ziegen sind keine Oldtimer, die ich auf eine Brennnesselwiese stelle, um sie im Gestrüpp verrosten zu lassen.


_______________
Dipla
Beiträge: 2804
Registriert: 17.08.2011, 10:14

Beitrag von Dipla »

Lieber Piri, rechne noch die Portokosten drauf und schon sind mehr als 450€ futsch. Es diente mir auch einzig und allein als Beispiel denn je nach Wunsch nach was gesucht wird variiert der Preis natürlich noch einmal. ;)
Seit wir ein Microskop haben und mir meine TA über Wochen hinweg gezeigt hat was wo und wie zu finden ist bin ich ein wenig entspannter bezüglich der Würmer. Jedoch traue ich, wie Piri auch schreibt, keiner negativen Kotprobe denn für mich gibt es keine wurmleere Zone.


Jeder Tag ist ein Geschenk.
ElliBesch
Beiträge: 3882
Registriert: 17.03.2008, 10:35

Beitrag von ElliBesch »

[quote='die_Alex','http://ziegen-treff.de/forum/index.php? ... post200094'][quote='ElliBesch','http://ziegen-treff.de/forum/index.php? ... post200092'](die wichtige Nach-Entwurmung bzw. Konrolle nach der verabreichten 'Wurmkur' nicht vergessen!)
[/quote]Aber Piri schrieb doch im letzten Absatz, dass Tiere verwurmt sein können, aber die Proben sauber sind.
Mir ist das vor allem bei meinen Lamas immer aufgefallen: Ich habe die ersten Jahre regelmäßig Kotproben eingeschickt, und da wurde nie was festgestellt. 1 Wallach hatte aber öfter Matschkot, und eine Stute war relativ dünn. Seit ich stur regelmäßig entwurme, sind alle Tiere wieder fit und haben eine gute Figur.
Ich kenne viele Hundehalter, die ihre Hunde nie entwurmen, vor allem Barfer, die meinen mit Möhren und Kokosöl hat der Hund keine Würmer....ich lasse mir mittlerweile von neuen Pensionshunden eine Bescheinigung über Entwurmungen vom Tierarzt geben.
[/quote]@ Alex: Die Frage ist doch dann, was Du gezielt bekämpfen willst. In der Menge der verschiedenen Wirkstoffe wüsste ich garnicht, welches ich dann präferiere- oder wechselst Du immer wieder die Mittel?

Ich lasse dann schon gerne Kotanalysen machen um jeder Ziege das richtige Mittel verabreichen zu können.

@ Piri Stimmt. Irgendwie hatte ich das nicht ganz verstanden. Aber das 'sture' Entwurmen bietet sicher eher Vor-als Nachteile, oder? Zumindest hoffe ich das, denn das ist m.E. ein guter Weg, Ziegenleid zu verhindern.


Bild

Not being vegan is a mistake. ^^
Haarriss
Beiträge: 2562
Registriert: 22.05.2013, 11:32

Beitrag von Haarriss »

Piri, iwie versteh ich nicht für was du jetzt genau bist...erst meinst du, Proben wären fragwürdig, dann meinst du man sollte als Halter doch genug Geld dafür haben. Sag uns doch mal wie genau du es machen würdest, momentan werd ich aus deinen "Ratschlägen" nicht so schlau...


Viele Grüße
Haarriss
die_Alex
Beiträge: 2424
Registriert: 01.08.2008, 12:59

Beitrag von die_Alex »

[quote='ElliBesch','http://ziegen-treff.de/forum/index.php? ... post200097'][quote='die_Alex','http://ziegen-treff.de/forum/index.php? ... post200094'][quote='ElliBesch','http://ziegen-treff.de/forum/index.php? ... post200092']
[/quote]
[/quote]@ Alex: Die Frage ist doch dann, was Du gezielt bekämpfen willst. In der Menge der verschiedenen Wirkstoffe wüsste ich garnicht, welches ich dann präferiere- oder wechselst Du immer wieder die Mittel?

Ich wechsel die Mittel.
Bei Pferden ist es ganz normal, dass man 1x im Jahr ein Set mit verschiedenen Wurmkuren kauft, und diese dann stur nach Kalender gibt, z.B. hier A1 und A2.
[/quote]


**********

Fleisch, das; -es, -; 1.Leichenteil(e) eines getöteten Tieres, das leben wollte


Warum vegan? - - -Carne vale
Antworten