Sammelkotprobe - die trügerische Sicherheit

Piroschka
Beiträge: 2788
Registriert: 15.07.2012, 18:15

Beitrag von Piroschka »

Vielleicht erinnert Ihr Euch an Frida, dessen Bock laut Tierarzt einen Sehnenabriß hatte (was sich als falsch herausstellte).
Sehnenabriss

Nach meiner Erinnerung hatte Frida als Halter (Dieter) seit Jahren nicht entwurmt. Er hat viel Land......

oder an diese Thema, das wir im Oktober 2015 noch einmal aufgegriffen haben (ab S. 9, Beitrag 180) und wo ich Meli versprochen hatte, mich zur Sammelkotprobe zu äußern:

Ziegenbock stolpert dauernd..

@Haarriss:
Als "fragwürdig" habe ich Kotproben nicht bezeichnet, sondern versucht, die Gründe zu nennen, weshalb sie - zur Unzeit untersucht - keine aussagekräftigen, zuverlässigen Ergebnisse liefern können, von daher Tierhalter zwangsläufig in falscher Sicherheit wiegen.

Beispiel Lungenwürmer: das einzige, was im Kot auftauchen kann, ist die erte Larvengeneration.
Die Würmer selbst sitzen in der Lunge (männliche wie weibliche) und schwächen den Organismus, Gewebezerstörung usw. Nur in einer bestimmten Phase produzieren die weiblichen Würmer Eier. Die gelangen nie aus dem Darm, sondern werden hochgehustet, abgeschluckt, woraus im Darm 1. Larvenstadium entsteht.
Diese Larven können, müssen ausgeschieden werden, damit auf der Weide das 2. Larvenstadium entstehen kann. Dieses wird von (anderen) Wiederkäuern aufgenommen und wandert über Maul, Magen, Darm, Darmwand und das Gefäßsystem in die Lunge, wo die weiblichen Würmer zur rechten Zeit (befruchtet) erneut Eier legen, mit den männlichen aber eifrig so wie die Generation davor, die den Körper nicht verlassen hat, Blut verzehrt. Es ist also nicht gesagt, daß die "Wurmkinder" wieder bei ihren Eltern landen.

Was nutzten 3 Kotproben (Diplas Beispiel), wenn nicht mal eine zur richtigen Zeit gemacht wird?

Wenn man als Hobby-Halter so kenntnislos ist, daß man drei Kotproben und drei Kontrollproben zur Unzeit machen läßt, die jeweils 14 € kosten (bei Yougin in der LUA Dresden kosten sie nur 3,70, bei Vego in Leipzig 10 € - siehe Vegos Beitrag in 2014), dann ist den Leuten nicht zu helfen.
In Diplas Beitrag über einen Hobbyhalter mit 5 Tieren wollte sie uns ja vermelden, daß dreimal jährlich trotz Entwurmung immer wieder Wurmbefall vorliegt, sonst wäre ja eine Kontrolluntersuchung nicht nötig.
Diese ganze Rechnung geht doch nicht auf, bzw. begreift der arme Hobbyhalter nichts von den Lebenszyklen der Würmer. Die Veterinär-Pharmaindustrie freut sich, Virbac, Pfizer und andere sind interessante Börsenwerte.

Ich würde es also nicht machen wie jener, hoffentlich erfundene, Hobbyhalter, sondern das Geld eher in entsprechende Aktien stecken.
Rechnen kann er offensichtlich auch nicht, denn bei fünf Tieren kann man die Kotpillen mischen oder nur von 3 Tieren nehmen und mischen. Das kostet dann in Dresden 3, 70 € (laut Yougin) statt 450 € in Sachsen-Anhalt.

Ich kann auch gleich entwurmen, denn wenn keine Würmer vorhanden sind (so kann es ja sein), kann ich auch keine Resistenzen züchten (mangels Würmern, die antworten).
Gegen Lungenwürmer würde ich nur bei entsprechendem Husten (also nicht einmaligem Verschluckhusten) vorgehen, aber dann mit einem wirksamen Mittel und nachentwurmen wegen des komplizierten Zyklus.

Empfehlungen haben wir schon oft gegeben.
Ich möchte niemandem reinreden.
Es ist oft die Rede von Wurmbürde, Besatzdichte usw, was sicher alles eine Rolle spielt.

Mir sind inzwischen Profihalter lieber, bei denen ich weiß, daß ihr wirtschaftliches Interesse sie sich um die Tiere kümmern läßt.
Lieber jedenfalls als Hobbyhalter, denen man nicht mal sagen darf, daß ihre Weide nur aus Sand und Dreck besteht wegen Überbelegung u.a. mit zusätzlichen Poneys. Sie hauen einem dann zum Selbstschutz den Begriff der "artgerechten Haltung" um die Ohren und bekommen dabei dann noch von anderen Unterstützung, die es besser wissen könnten.

Was nützte es also, wenn ich dafür plädiere, den diagnostischen Blick zu schulen, Fell, Schleimhäute, Dynamik, Brustbemuskelung, Bemuskelung der vorderen Innenschenkel zu begutachten, wenn dies nicht jedem am Herzen oder im Verstand liegt, sondern eine narzisstische Selbstgefälligkeit die Halter berauscht, bis das Tier zusammenbricht.
In mir vertrauten Offen-Ställen halten sich mit den Ziegen bei schlechtem Wetter und/oder Jagdgetöse auch manchmal zum Schutz Füchse oder Rehe auf (die Rehe, zur Flucht bereit, im Eingangsbereich). Von daher besteht durch diese Wildtiere zusätzliche Infektionsgefahr. Dennoch wird wegen ausreichend Land, das zur Verfügung steht, nicht häufig entwurmt. Die Infektionsgefahr besteht natürlich auch, wenn die Wildtiere nur nachts "wechseln".


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Cirkle-B-Ranch

Beitrag von Cirkle-B-Ranch »

wir entwurmen nach "augenmaß" - da wir uns täglich mit unseren tieren beschäftigen,
fällt uns auf, wenn "irgendwas" nicht stimmt - da sollte man dann reagieren.

wir machen wechselweiden und mischbeweidung - ausserdem denk ich, dass futter macht`s -
heu (top qualität), verbuschte weide (wir pflanzen, was andere loswerden wollen) -
äste und zweige, bekommen wir mitlerweile von unseren nachbarn - und leckerlie`s,
in form von apfelspalten, karrottensticks und max 10 g brot getrocknet und net täglich ...

somit reicht bei uns, 2 x im jahr entwurmen.


Dipla
Beiträge: 2804
Registriert: 17.08.2011, 10:14

Beitrag von Dipla »

Ich wusste garnicht daß ich umgezogen bin #wb#


Jeder Tag ist ein Geschenk.
Haarriss
Beiträge: 2562
Registriert: 22.05.2013, 11:32

Beitrag von Haarriss »

Wie würdest du es selbst handhaben Piri?
Was bringt denn eine kontrolluntersuchung, wenn die Würmer gerade in einem anderen Stadium sind? Dann denke ich ja vll nur, dass es effektiv ist...? Wann mache ich die Untersuchung am besten?


Viele Grüße
Haarriss
Nymphy
Beiträge: 62
Registriert: 01.07.2011, 14:59

Beitrag von Nymphy »

Falls mein Mann für mein/unser Hobby nicht soviel Geld - weniger als einen Euro pro Tag - ranschaffen kann, sollte ich das Hobby aufgeben.
Oder den Mann :D *oops*


Steinbock=> Mach die Tür zu - ich will da durch
PassatKombi
Beiträge: 59
Registriert: 11.11.2015, 08:23

Beitrag von PassatKombi »

Hallo,

würde mich freuen, wenn man hier mal schreiben würde, gegen was dann entwurmt wird, wenn "irgendetwas" nicht stimmt ? Bin neu
(ohne Ziegen) und deshalb stellen sich mir da eben solche Fragen. Oder gibt es bei Ziegen ein Mittel, das gegen alle Wurmarten wirkt?
Vielleicht sollte mal jemand einen "Wurmthread" (oder Wurmtabelle) machen (den man vielleicht oben anpint ?) in dem steht, welche Wurmarten bei Ziegen es überhaupt gibt (vielleicht auch mit dem entsprechenden Lebenszyklus, mit Lebensdauer der einzelnen Stadien, wegen Weidemanagement) , welche Mittel gegen welchen Wurm wirken und wie die Dosierung sein sollte (gerade weil sich anscheinend viele TÄ nicht richtig mit Ziegen auskennen). Ich lese hier ja seit einigen Tagen, aber was Ähnliches habe ich noch nicht gesehen.

LG
Rea


Haarriss
Beiträge: 2562
Registriert: 22.05.2013, 11:32

Beitrag von Haarriss »

Wohl nicht gewünscht...


Viele Grüße
Haarriss
die_Alex
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Registriert: 01.08.2008, 12:59

Beitrag von die_Alex »

Das ist doch bei jedem Tierhalter anders.
Manche züchten und haben regelmäßig tragende Ziegen, Lämmer und Absetzer, manche halten ihre Ziegen zusammen mit Pferden oder Geflügel auf einer Fläche, manche sperren ihre Ziegen über den Winter in einen geschlossenen Stall, manche haben nur eine Wiese, manche haben pro Monat eine frische Wiese, manche haben trockene Wiesen, manche haben nasse Wiesen usw usw.


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Fleisch, das; -es, -; 1.Leichenteil(e) eines getöteten Tieres, das leben wollte


Warum vegan? - - -Carne vale
Jassi
Beiträge: 1034
Registriert: 26.04.2014, 12:19

Beitrag von Jassi »

Nur kurz, da gerade unterwegs.Ich finde diese Tabelle als Übersicht ganz gut.

http://www.tsk-sachsen.de/index.php/sch ... und-ziegen

Im Text oben ein paar genauere Erläuterungen.


Jassi


Biber
Beiträge: 440
Registriert: 21.11.2008, 07:36

Beitrag von Biber »

hier erstklassige animationen für eifrige ziegenparasitenstudierende.....
http://www.goatbiology.com/animations/parasites.html


:)
biber


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