Sammelkotprobe - die trügerische Sicherheit

Manu
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Beitrag von Manu »

Manches hier kann man unterstreichen, manches ist - wie schon angemerkt - widersprüchlich. Aber es ist auch ein kniffliges Thema!

Kotuntersuchungen stellen immer nur eine Momentaufnahme dar, dessen muss sich jeder bewusst sein. Im Sezierkurs gesehen: Ein Pferd, gestorben an wurmbedingtem Darmverschluss, wo div. Kotproben zuvor allesamt negativ waren...
Hier hätte der Halter über seinen Schatten springen sollen, und - rechtzeitig - "trotzdem" entwurmen.

"Unzeiten", wie im Beitrag genannt, könnte man die Wintermonate nennen, wo einige Wurmarten eine Art Ruhepause einlegen und diagnostisch nicht erfassbar sind.
Heißt also nicht, dass eine negative Probe die Entwurmung überflüssig macht.
Hat aber auch nicht unbedingt mit "kenntnislos" zu tun, denn es gibt immer wieder Stadien, wo weniger Eier ausgeschieden werden.
Deswegen ist leider die vielzitierte "gezielte Entwurmung" nur insofern zutreffend, als ich gesundheitlich auffällige oder Tiere mit positiv befundeten Proben behandeln kann, die negativen fallen durch den Rost.
Diplas "es gibt keine wurmleere Zone" unterstreich ich hier dreimal!!

Ziegen können durchaus eine gewisse Immunität betr. Würmer und anderer Parasiten aufbauen, - wenn alle damit klarkommen, kann man das so belassen. Doch habe ich nur EIN krankes oder schwächliches
Tier in der Herde, und ich entwurme nur dieses, ist es trotzdem mit den Ausscheidungen der anderen konfrontiert, und der Spaß beginnt von neuem.
Ich selber entwurme mittlerweile einmal jährlich die ganze Bande vor dem Kitzen, (wg. Standweide im Winter) ohne Proben, im Herbst je nachdem, wo die Tiere gestanden sind, Wetter, Zustand der Ziegen natürlich usw.
Die Jungtiere werden vor dem Auftrieb auf die Sommerweiden (im Frühsommer) entwurmt.
Wenn ein Tier auffällig ist, lasse ich jedoch Proben anschauen (@Dipla, falls du neben dem bisher genannten auch div. Oozysten, Erythrozyten etc. erkennst in deinen Proben, wäre ich an einem Austausch sehr interessiert, die machen mir nämlich immer noch Probleme! ) zahle hier nur 5€ je Probe, nebenbei bemerkt.

Abrotanum ist übrigens ein Homöopathikum, das in der 1. Dezimalpotenz beiträgt, ein wurmwidriges Milieu zu schaffen. Hilft also auch, den Befall in Grenzen zu halten - einem komplett verwurmten Tier kann es nicht mehr helfen. Gerade für die Beweisführung solcher "Experimente" sind Kotproben durchaus geeignet - allerdings in einer Intensität, wie das im Normalbetrieb nicht gemacht wird. Auf diesem Weg haben wir z.B. auch die von den Altvorderen praktizierte Fütterung von Rainfarn (Tanacetum vulgare, zum Googeln ;-) ) als durchaus sinnvoll beurteilen können - wird hier auch weiter so gehandhabt.

Zu der hier gestellten Frage bzgl. Wurmmittel
- die meisten erhältlichen Breitbandmittel wirken gg. den "Standardbefall" (fast immer handelt es sich schließlich auch um Mischinfektionen), in höherer Dosierung meist auch gg. Bandwürmer. Einzig Leberegeln werden oft nicht bekämpft.

Von Ivermectin, Febendazol, Mebendazol u.a., vor allem eben Benzimidazole, sind Resistenzen schon weit verbreitet. (Das sind die Namen der Wirkstoffe, nicht der Präparate.)
Ich weiß nicht, ob man Präparate, die z.Zt. als empfehlenswert gelten, namentlich hierher schreiben darf? Ist das Werbung?

Durch häufigen, unkontrollierten und vielleicht auch noch zu niedrig dosierten Einsatz kann sich aber jeder mit etwas Ausdauer eine resistente Wurmpopulation heranziehen :whistling:

Weidehygiene ist natürlich das A und O für die Prävention - erst in jüngerer Zeit findet jedoch auch die Zuchtauslese langsam Beachtung. (Ja, es gibt auch hier eine erbliche Prävalenz!)
Wenn also ein Tier immer wieder mittel- bis hochgradig verwurmt ist, obwohl alle Parameter so gut wie möglich beachtet werden, und die anderen Tiere kein Problem haben -
entweder trenne ich mich davon, oder, Hobbyhalterlösung: Ich züchte wenigstens nicht damit!!

Doch eines muss uns allen klar sein:
Mit den zur Verfügung stehenden Methoden des Wurm-Managements können/ sollen wir den Befall in einem gut erträglichen Rahmen halten. Wurmfrei ist eine Illusion.
Lg
Manu


Piroschka
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Beitrag von Piroschka »

[quote='Manu','http://ziegen-treff.de/forum/index.php? ... post200504']falls du neben dem bisher genannten auch div. Oozysten, Erythrozyten etc. erkennst in deinen Proben, wäre ich an einem Austausch sehr interessiert, die machen mir nämlich immer noch Probleme!
[/quote]Entweder fehlt mir ein Textteil ("neben dem bisher genannten"???) oder ich verstehe nicht, was Oozysten (die ich nur von Toxoplasma und Kokzidien kenne) sowie rote Blutkörperchen (Erythrozyten) mit Wurmeier-Nachweis in Kotproben zu tun haben.


[quote='Manu','http://ziegen-treff.de/forum/index.php? ... post200504']erst in jüngerer Zeit findet jedoch auch die Zuchtauslese langsam Beachtung. (Ja, es gibt auch hier eine erbliche Prävalenz!)
Wenn also ein Tier immer wieder mittel- bis hochgradig verwurmt ist, obwohl alle Parameter so gut wie möglich beachtet werden, und die anderen Tiere kein Problem haben -
entweder trenne ich mich davon, oder, Hobbyhalterlösung: Ich züchte wenigstens nicht damit!!
[/quote]Das ist ja eine gewagte, ja kühne, wenn nicht gar leichtfertige Behauptung; die belastbare Studie möchte ich sehen, in der Wissenschaftler, die ja bei jedem Zeugungsakt (also nachweisbar erfolgreichem Deckakt) dabei sein müßten, über Generationen von Ziegen bockseitig wie muttertierseitig an jeweils lebenden Tieren den Verwurmungsstatus sowie die Art der Verwurmung, die Entwurmung, Haltungsformen usw; kontrolliert verfolgt und dokumentiert haben.

Ich frage mich , wer sich solche Sachen ausdenkt bzw. nicht in der Lage ist, mal die Dauer, Kostenfrage und, falls so etwas wirklich je versucht wird, Täuschungsmöglichkeit auch nur grob zu überschlagen.

Ähnliches gilt für die Entwurmung mittels Abrotanum. Mehr als an Behauptungen wäre man an gesicherten Nachweisen interessiert, damit nicht immer wieder Gutgläubige ihre Tiere einem Kraut anvertrauen.


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Manu
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Beitrag von Manu »

Die Frage an Dipla bezog sich generell auf Kotuntersuchungen. Jede Kotuntersuchung, die sich auf "Wurmeier-zählen" beschränkt, ist eine halbe Sache. Gerade Kokzidien können durchaus auch im Rahmen einer Mischinfektion große Probleme machen, und Erythrozyten können zeigen, dass der Darm schon geschädigt ist (bevor man die Färbung des Kots mit bloßem Auge sieht).


Zum anderen: Das ist weder gewagt, noch eine Behauptung ;-)


Und die Wirtschaftlichkeit, die du neben allem anderen in Frage stellst, ist sogar die treibende Kraft hinter dem ganzen...


In Unkenntnis der aktuellen Forschung
"Unmöglich! " zu schreien, macht nicht den Eindruck großer Lernbereitschaft...


Die Australier und Briten sind uns in dieser Causa weit voraus, es geht um Schafe - doch wie man weiß, sind große Ähnlichkeiten zu den Ziegen gegeben, gerade was Parasiten betrifft - Vergleiche also durchaus legitim. Interessante Arbeiten mit noch interessanteren Ergebnissen, vielerorts nachzulesen.


Es gibt im Netz auch deutschsprachige Artikel dazu, u.a. von der Thüringer Tierseuchenkasse, und auf österreichischem Boden von der Forschungsanstalt Raumberg-Gumpenstein.

Wenn du allerdings glaubst, die damit Befassten seien nicht in der Lage, alle von dir als notwendig erachteten Parameter zu berücksichtigen, steht dir diese Meinung selbstverständlich zu. Es ist aber eben das - deine Meinung. Mehr nicht.


Bzgl. Abrotanum habe ich unmissverständlich formuliert, dass das MEINE Erfahrungen sind. Und klargemacht, dass es kein Wundermittel ist. Für manchen naturheilkundlich Interessierten mag das als Ergänzung durchaus interessant sein...


Weißt du, auch ich gehe gern skeptisch an neue Informationen heran - von Haus aus aber gleich alles zu verteufeln erlaubt keinen Fortschritt und kein Wachstum. Nur Offenheit und Neugier, durchaus gepaart mit eben einer gesunden Portion Skepsis, haben uns aus dem teils finsteren Mittelalter ins Heute gebracht - und werden uns die heutigen Probleme für ein besseres Morgen lösen helfen.


Piroschka
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Beitrag von Piroschka »

[quote='Manu','http://ziegen-treff.de/forum/index.php? ... post200518']Bzgl. Abrotanum habe ich unmissverständlich formuliert, dass das MEINE Erfahrungen sind. Und klargemacht, dass es kein Wundermittel ist.
[/quote]Nö, nö, denn da steht als allgemeine Behauptung:

[quote='Manu','http://ziegen-treff.de/forum/index.php? ... post200504']Abrotanum ist übrigens ein Homöopathikum, das in der 1. Dezimalpotenz beiträgt, ein wurmwidriges Milieu zu schaffen. Hilft also auch, den Befall in Grenzen zu halten
[/quote]Beweis und Kontrollweg ungenannt.

[quote='Manu','http://ziegen-treff.de/forum/index.php? ... post200518']Erythrozyten können zeigen, dass der Darm schon geschädigt ist
[/quote]Wie wir ständig Erythrozyten im Harn haben, so haben auch wir wie unsere Tiere solche im Kot, schon bedingt durch die ständige Darmwanderosion durch Nahrungsbestandteile.
Was meinst Du denn, wie Dipla Erythrozyten zählt? Und daraus schließt?

[quote='Manu','http://ziegen-treff.de/forum/index.php? ... post200518']Die Australier und Briten sind uns in dieser Causa weit voraus, es geht um Schafe [.....] Interessante Arbeiten mit noch interessanteren Ergebnissen, vielerorts nachzulesen.
[/quote]Ein, zwei Titel für den Anfang bitte, und auch Thüringer Seuchenkasse, Gumpenstein, damit man mal den (schaf)tiergenerationsüberschreitenden begleitenden, wissenschaftlich gesicherten Untersuchungsablauf nachvollziehen kann - und vergleichen.

Bis dahin habe ich von dem, was schrieb ich doch?

[quote='Piroschka','http://ziegen-treff.de/forum/index.php? ... post200508']die belastbare Studie möchte ich sehen, in der Wissenschaftler, die ja bei jedem Zeugungsakt (also nachweisbar erfolgreichem Deckakt) dabei sein müßten, über Generationen von Ziegen bockseitig wie muttertierseitig an jeweils lebenden Tieren den Verwurmungsstatus sowie die Art der Verwurmung, die Entwurmung, Haltungsformen usw; kontrolliert verfolgt und dokumentiert haben.
[/quote]nichts zurückzunehmen.

Ich freue mich über den Austausch.

Damit steht aber nicht ungläubiges Mittelalter gegen blinde Fortschrittsgläubigkeit.

Viele liebe Grüße
Piroschka


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Manu
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Beitrag von Manu »

Ich habe die Artikel zu den Arbeiten bzgl. "Zucht auf Parasitenresistenz" in altmodischer Papierform hier liegen, müsste also selber googeln, um Links setzen zu können - diese Arbeit nehme ich dir nicht ab
:D

Mit ein bisschen Mühe wirst du - und jeder, den es interessiert - unter obigen Schlagwörtern , oder (viel umfangreicher) auf englisch z.B.

"Internal parasite resistance in sheep/lambs", "Resistance or resilience to internal parasites" jede Menge Lesestoff finden.

Ein faszinierendes Thema, das nur für den Uniformierten mit blinder Forschungsgläubigkeit verwechselt werden kann!



Ich weiß nicht, was dich an meiner Frage an Dipla so stört - jedoch zeigt deine Ausführung bzgl. Erythrozyten (hab mich mit der Zitierfunktion noch nicht auseinander gesetzt) eine Menge Halbwissen, gepaart mit einer großen Überzeugung.

Eine kritische Mischung in meinen Augen - aber das gehört nicht mehr hierher, wenn du mehr wissen willst, kannst du dich gerne per PN an mich wenden.


Manu - die weder verlangt noch erwartet hat, dass du irgendwas zurücknimmst ;)


Dirk
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Beitrag von Dirk »

Hallo
habe seit längerem mal wieder hier vorbeigeschaut und bin bei dem Thema hier gelandet. ich weiß jetzt nicht wie viele , und wie lange Piroschka schon Ziegen hält und von daher kann ich auch nicht beurteilen was von den ganzen Beiträgen aus Erfahrung oder aus angelerntem resultiert.
Aber ich frage mich : was will der/die Schreiber/rinn einem mit den Beiträgen die ja fast schon eine wissentschaftliche Abhandlung sind sagen?
wie die alex schon geschrieben hat bei jedem sind die Gegebenheiten anders. Ich traue mich zu behaupten das immer Wurmbefall vorhanden ist, die Frage ist nur wie groß ist der Befallsdruck und können die Tiere noch damit umgehen soll heißen wie weit ist alles in einem relativen Gleichgewicht. Meiner Meinung nach sind regelmäßige Kotproben, egal ob jetzt einzel oder als Sammelprobe rausgeschmissenes Geld , und die Aussagekraft mehr als fragwürdig.
Bei akutem verdacht, okay. Jetzt kommt dann natürlich der einzelne Halter ins Spiel, der ja entscheiden muß was und wie er es handhabt, die Haltungsform das Futter usw und letztendlich der zugezogene Tierarzt der einen berät, wie auch immer, und am Ende des Tages das Entwurmungsmittel ausgeben muß, kriegt mann ja nicht so einfach um jede Ecke.
Ich glaube es wird viel zu viel unnötig entwurmt und mann kann die Resistenzen die sich da bilden mit dem Antibiotika beim Menschen vergleichen.
Man muß sich mit dem Thema Würmer befassen und gewisse Grundregeln beachten, ganz wichtig das Weidemangemaent und nicht Ziegen, Hühner Gänse usw im selben Stall und auf die selbe Weide und man entwickelt ja im Laufe der Jahre auch einen Blick dafür wie steht die Ziege da, wie geht es ihr was fehlt ihr usw. Wie schon gesagt ob Gefahr in Verzug ist und ob die chemische Keule geschwungen werden soll entscheidet jeder selber und oft wird aus übertriebener Tierliebe auch das falsche entschieden. Ich habe vor über 15 Jahren aufgehört meine Ziegen überhaupt noch zu entwurmen, hatte aber auch die Möglichkeit Ihnen regelmäßig die anfallende Molke aus der Käserei zu verfüttern. Die Tiere haben es mir mit einer super Gesundheit und Langlebigkeit gedankt.
Gruß Dirk


Piroschka
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Beitrag von Piroschka »

[quote='Manu','http://ziegen-treff.de/forum/index.php? ... post200504']erst in jüngerer Zeit findet jedoch auch die Zuchtauslese langsam Beachtung. (Ja, es gibt auch hier eine erbliche Prävalenz!)
[/quote]Ich hatte gedacht, daß es den Genetik-Interessierten auffällt. Weder die Humanmedizin noch die Veterinärmedizin und insofern noch viel weniger die entsprechenden Genetikbereiche der beiden Medizinstränge kennen den Begriff der "erblichen Prävalenz". Er ergibt auch keinen Sinn.

Was sollte er bedeuten?
Daß bestimmte Individuen einer Art (hier Ziegen) genetisch so ausgestattet worden sind, daß sie besonders leicht verwurmen.

Dies würde in der Evolution bedeuten, daß die Natur in einzelnen Tierarten Linien hervorbringt, die besonders leicht verwurmen und damit zum leichteren Aussterben der Art beitrügen.

Das widerspricht dem gesamten Evolutionsprinzip.

Artensterben erfolgt durch Katastrophen (Meteoriten, Vulkanausbrüche) mit langanhaltenden klimatischen Folgen oder durch menschliche Eingriffe (nordatlantische Seekuh, reiner Pflanzenfresser, ausgerottet durch Bejagung im 19. Jhdt.; persischer Löwe,Anfang des 20. Jhdts.; Laufvogel Dodo 17. Jhdt.)
https://de.wikipedia.org/wiki/Dodo

Auf die Frage der "Zucht auf Parasitenresistenz" werde ich noch eingehen.


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Manu
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Beitrag von Manu »

*lach* Du kannst gerne versuchen, diese vielversprechende Entwicklung im Alleingang aufzuhalten!


Aber mit Wortanalysen wird das nicht gelingen...

Ich bin kein Genetiker, du auch nicht - wenn also diese Bezeichnung ursprünglich nicht so verwendet wurde (was ich nicht beurteilen kann), so hat sie sich jedenfalls in der Zwischenzeit in dieser Bedeutung durchaus etabliert, im Sinne von Disposition.

Du wirst sie in Arbeiten/Vorträgen immer wieder hören oder lesen -aber das wird dich genauso wenig zufriedenstellen, weil der Hintergrund derselbe ist.


Es geht hier nicht um Artensterben, es geht um Anpassung an die Erfordernisse. Selektion - die hier vom Menschen forciert wird, aber auch selber geschieht.


Das war mein letztes Statement hierzu, es geht dir doch nur ums Recht haben, du siehst nicht die große Chance, die diese Entwicklung bringt.


Lg

Manu


Piroschka
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Beitrag von Piroschka »

[quote='Dirk','http://ziegen-treff.de/forum/index.php? ... post200572']ich weiß jetzt nicht wie viele , und wie lange Piroschka schon Ziegen hält und von daher kann ich auch nicht beurteilen was von den ganzen Beiträgen aus Erfahrung oder aus angelerntem resultiert.
[/quote]Solche Sätze (Doro74 stellte mal eine nahezu identische Frage) sind irgendwie erschütternd.
Stellt Ihr die Euren Tierärzten auch?
Was ergibt denn "Erfahrung" an gesichertem Wissen bei komplexen Stoffwechselprozessen oder auch bei Verwurmung. Was läßt sich denn gegen Belesenheit, lebenslanges Studium, Lesen neuerer Veröffentlichungen und Vergleich von Einzelfällen oder mit anderen Tierarten sagen? Ich halte das für besser, als sich auf Hildegard von Bingen, Plinius oder australische Ureinwohner zu berufen.


[quote='Dirk','http://ziegen-treff.de/forum/index.php? ... post200572']
Ich habe vor über 15 Jahren aufgehört meine Ziegen überhaupt noch zu entwurmen, hatte aber auch die Möglichkeit Ihnen regelmäßig die anfallende Molke aus der Käserei zu verfüttern. Die Tiere haben es mir mit einer super Gesundheit und Langlebigkeit gedankt.
[/quote]Es ist zu hoffen, daß das keiner nachmacht. Wie froh wäre die Viehwirtschaft, wenn man mit Molke Verwurmung bekämpfen, mindern, verhindern könnte.
Da Molke ein breites pH-Wert-Spektrum hat (frische Molke pH-Wert 7, also basisch, ältere Molke ph-Wert bis 4,5, also recht sauer), kan man sich vorstellen - vielleicht nicht die 2, die den Beitrag geliked haben -, was das für das empfindliche Pansenmilieu jeweils bedeutet. Wie "Molke" oder das, was daraus in den verschiedenen Wiederkäuermägen wird, Würmer beseitigen oder ihre Ansiedlung verhindern soll? Ein Rätsel = Unmöglichkeit. Molke, einmal aufgenommen, knackt keine Wurmeier, tötet keine Larven, kein Würmer.


[quote='Piroschka','http://ziegen-treff.de/forum/index.php? ... post200904']Auf die Frage der "Zucht auf Parasitenresistenz" werde ich noch eingehen.
[/quote][quote='Manu','http://ziegen-treff.de/forum/index.php? ... post200518']In Unkenntnis der aktuellen Forschung
"Unmöglich! " zu schreien, macht nicht den Eindruck großer Lernbereitschaft...

Die Australier und Briten sind uns in dieser Causa weit voraus, es geht um Schafe - doch wie man weiß, sind große Ähnlichkeiten zu den Ziegen gegeben, gerade was Parasiten betrifft - Vergleiche also durchaus legitim. Interessante Arbeiten mit noch interessanteren Ergebnissen, vielerorts nachzulesen.
Es gibt im Netz auch deutschsprachige Artikel dazu, u.a. von der Thüringer Tierseuchenkasse, und auf österreichischem Boden von der Forschungsanstalt Raumberg-Gumpenstein.
[/quote][quote='Manu','http://ziegen-treff.de/forum/index.php? ... post200544']Mit ein bisschen Mühe wirst du - und jeder, den es interessiert - unter obigen Schlagwörtern , oder (viel umfangreicher) auf englisch z.B.

"Internal parasite resistance in sheep/lambs", "Resistance or resilience to internal parasites" jede Menge Lesestoff finden.

Ein faszinierendes Thema, das nur für den Uniformierten mit blinder Forschungsgläubigkeit verwechselt werden kann!
[/quote]Da ich damals (Winter 2015/16) zu bemerken glaubte, daß relativ geringes Interesse an dem Thema bestand und die Diskussion abglitt, nehme ich es erst heute wieder auf.




Die Versuchsreihe der Thüringer Seuchenkasse, seltsamerweise unter Beteiligung eines Wissenschaftlers einer niedersächsischen Universität durchgeführt, mußte vorhersagbar scheitern. Und ist gescheitert.
Man versuchte, aus einer Gruppe von Schafsböcken ein Tier herauszufinden, das über seine Gene (anders geht es ja nicht) eine gewisse Resistenz gegen Würmer (genauer: Wurmbefall) vererben würde.
Das ist aber in der Natur nicht vorgesehen, es widerspricht dem grundlegenden Prinzip der Natur.
Die Natur macht keinen Rang-Unterschied in der Wertigkeit ihres Systems zwischen einem Nutztier und einem Wurm.
Der Wurm in Schaf oder Ziege schadet nicht der Natur, sondern dem eventuellen Profiteur Mensch, der im Sinne der NATUR EIN PARASIT WIE JEDER ANDERE IST.

Nun noch kurz zu der umfangreichen Literatur zur "resilience" (was nichts anderes als "Resistenz" bedeutet).
Praktisch wurde da der gleiche Fehler begangen, wie oben erläutert.
Wer mag, kann das im folgenden link unten nachlesen.
Wir brauchen uns gar nicht bei dem Versuchsaufbau und seinen Mängeln aufzuhalten.
Triebkraft war auch hier: wie erhalten wir durch genetische Auswahl kleine Wiederkäuer (als Nutztiere, denn "bedrohte" Wildziegen, Wildschafe stehen nicht im Fokus dieser Forschung) mit Tendenz zu geringerer Verwurmung = wirtschaftlicher Vorteil, weniger Verluste.
Der Irrtum (wie oben Thüringer Seuchenkasse):
man hatte beobachtet, daß bei bestimmten regionalen Schafsrassen eine geringere Wurmbelastung existierte.
Hoffnung: durch Einkreuzen "teilresistente" Exemplare zu erhalten.
Indessen handelte es sich im einen Fall um Rassen, die in feuchteren Gefilden lebten, und im anderen Fall um Tiere aus semi-ariden (trockenheitsbestimmten) Gebieten, in denen logischerweise Eier und Larven in feindlichem Umfeld geringere Überlebenschancen haben, folglich der Neubefall erschwert ist.
Auch dies hat also nichts mit Genetik zu tun. Aber sie dürfen ja weiter forschen.

http://www.blackbellysheep.org/about-th ... arasites/t


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Piroschka
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Re: Sammelkotprobe - die trügerische Sicherheit

Beitrag von Piroschka »

Drei empfehlenswerte Entwurmungsmittel
Hapadex
https://www.msd-tiergesundheit.at/produ ... -50-mg-ml/
Vorsicht: es gibt auch 100 mg/ml

Synanthic (von Boehringer Ingelheim)
Vorsicht: existiert ebenfalls in unterschiedlicher Konzentration.

Cydectin
Auch hier auf die Konzentration achten und gemäß Körpergewicht die erforderliche Menge berechnen.

Wenn in der Schweiz berichtet wird, daß in Ziegenbeständen mehr Resistenzen gegen Würmer
festgestellt wurden, liegt das daran, daß auch dort nicht bekannt war, daß Ziegen wegen ihres schnelleren Metabolismus die doppelte Menge der Schafsdosis benötigen. Den Wurmpopulationen wurde Gelegenheit gegeben, sich an die Mittel zu gewöhnen.
Da diese Unwissenheit auch bei Tierärzten grassiert, obliegt es dem Halter, hier einzugreifen.


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