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Freddy hat Milben

Verfasst: 30.01.2007, 00:27
von BiancaliebtTiere
Hallo, wer kann mir einen Rat geben?
Freddy hat Milben (hat der Tierarzt festgestellt). Er hat an den Beinen fast kein Fell mehr, auch um die Augen. Die Beine sind ganz schuppig und auch blutig vom Kratzen.
Im Sommer ist es immer ganz schlimm, im Winter oder nach der Milbenspritze ist es phasenweise besser. Aber ich kann ihn doch nicht alle 8 Wochen spritzen lassen?
Die anderen beiden Ziegen haben nichts.
Wer kann mir helfen?

Verfasst: 30.01.2007, 11:14
von Moritz
Deine Angaben sind zu ungenau.
Was fütterst Du (genau)?
Seit wann und in welchen Schüben tritt es auf?

Es kommen in Betracht: Borkenflechte (ein Pilz) oder Milben (verschiedene Arten), eventuell Allergie (z.B. gegen Haare von anderen Tierarten).
Differentialbeobachtung (muß man aber etwas Ahnung haben, um zu vergleichen):
Bei Borkenflechte mehr Krusten, nicht soviel Kratzen durch das Tier.

Bei Milben genau umgekehrt, natürlich in fortgeschrittenem Stadium auch Krusten (auf den wundgescheuerten Stellen). Also sehr heftiger Juckreiz.

Die Behandlung ist nicht dieselbe.

Für genaue Diagnose müßte für Borkenflechte Kultur angesetzt werden.
Bei Milben kann man es unter dem Mikroskop sehen.
Ich weiß nicht, was der Tierarzt geleistet hat.
Nur mal geschaut und gemutmaßt???

Sind es Milben (also RÄUDE) und der Zustand ist schon so schlimm:
muß entsprechend dem Gewicht des Tieres ZWEIMAL im Abstand von 4 Wochen (wichtig!!!!!!!, um erneute Infektion auszuschließen) entweder gespritzt werden oder (einfacher) als POUR ON (= englisch "draufgießen")
die Rückenlinie entlang das entsprechende Mittel vom Nacken bis zur Schwanzwurzel gegossen werden. Es ist dickflüssig. Am besten aus einer großkalibrigen Spritze ohne Nadel. Tut dem Tier nicht weh (im Gegensatz zu Spritze), ist genauso effektiv. Gibt es wenigstens als Produkt für Rinder, kann man sicher kubikzentimerweise beim TA aus Großkanister kaufen.
Achtung: es sollte nicht regnen.
Das Produkt diffundiert über die Haut (verteilt sich) und wirkt.
Wiederholung nicht vergessen (siehe oben).

Stall, Einstreu, Raufen, Eimer, Scheuerstellen, Durchgänge, Pfähle usw.
desinfizieren.

Der Abstand von 8 Wochen (Dein TA?) entspricht nicht dem Zyklus der Milben.
Es gibt viele Milbenarten, die Mittel sind aber "breitband"-mäßig.

Falls Borkenflechte: Achtung, Ansteckungsgefahr für Menschen .
Behandlung eine ganz andere, nicht vergessen.
In den meisten Fäüllen sind es Räudemilben, deshalb habe ich das so ausführlich beschrieben.
Das POUR ON-Mittel hat denselben Wirkstoff wie das zu spritzende, aber natürlich darf man das Pour-on-Mittel als solches nicht spritzen u. umgekehrt. Ich kann Dir hier keinen Produktnamen nennen, weil sie sich in den einzelnen Ländern leicht bis gewaltig unterscheiden.

Berichte bitte weiter. MO

Verfasst: 30.01.2007, 21:23
von BiancaliebtTiere
Hallo,
vielen Dank für deine ausführliche Antwort.

Der Tierarzt hat eine Haar- und Haut-Probe der betroffenen Stellen ins Labor zur mikroskopischen Untersuchung geschickt.
Das Ergebnis lautete: Räude
Das war im April 2006
Daraufhin hat mein Tierarzt Cydectin 1% (Räude) gespritzt - steht auf der Rechnung und an diesem und am nächsten Tag ein Langzeitpenicillin (Chassot).
Meine Ziegen wurden ausgestallt (Sommerresidenz) und es wurde mit der Sonne besser. Am Ende des Sommers war nichts mehr.
Im Herbst wurde es dann plötzlich wieder schlimm.
Der Tierarzt spritzte wieder und sagte mir, ich solle die betroffenen Hautstellen mit einer Zinksalbe (Penaten o.ä) eincremen. (Aber mach das mal, wenn die Ziege vor Juckreiz und wahrscheinlich Schmerzen nicht stillsteht und mit den Beinen stampft - und die Beine muß ich schließlich eincremen)
Der Tierarzt sagte mir, ich solle mich in 3 Wochen wieder bei ihm melden, falls bis dahin keine Besserung eintritt.
Es wurde besser, deshalb habe ich mich nicht gemeldet.
Und jetzt ist es wieder ganz schlimm.
Die schlimmen, zum Teil auch blutigen Stellen sind nur an den Beinen (komplett).
Seltsam ist, daß die beiden anderen Ziegen nicht betroffen sind.
Die Ziegen wohnen im Winter im Pferdestall, aber in einer anderen Box, aber trotzdem sehr luftig (Halboffenstall). Futter: hauptsächlich Heu, ab und zu trockenes Brot und Äpfel, Karotten. Ich habe auch schon eingeweichte Zuckerrübenschnitzel gefüttert, aber nur im Winter.
Von Frühling bis Herbst (wenn kein Frost) kommen sie auf die Weide. Dort bekommen sie außer Gras noch Heu und fressen das Fallobst.

Ich hoffe, die Informationen reichen.
Gruß, Bianca

Verfasst: 30.01.2007, 21:29
von BiancaliebtTiere
Hallo,
ich habe noch etwas vergessen.
Zum ersten Mal aufgetreten ist das Problem ca. Winter 2005.

Gruß, Bianca

Verfasst: 30.01.2007, 22:57
von Moritz
Mehrere Punkte nach Deinen klaren und ausführlichen Angaben, für die ich Dir recht herzlich danke. Muß nun leider auch ausführlich sein.
1) Es kann heute etwas anderes sein als 2005/2006, muß man im Hinterkopf haben.
2) Ich würde vorsorglich absolut das Brot weglassen (für immer).
3) Ich darf davon ausgehen, daß der Bock nicht 10 cm tief in urindurchtränktem Mist steht.
4) Kenne das gespritzte Produkt nicht.
Wir würden Ivermectin nehmen gegen Räude (ich glaube so heißt das Zeug in Deutschland), dagegen gibt es angeblich noch keine Resistenzen wie gegen andere Räudemittel.
(Wir haben allerdings gehört, von unserem hiesigen TA, der gewisse Kompetenzen hat, die wir bewundernd zur Kenntnis nehmen, daß es eine sehr seltene Räudemilbenart gibt, gegen die auch Ivermectin nicht immer hilft).
Was nun offensichtlich ist (jedenfalls muß ich das aus Deiner Darstellung herauslesen): Ihr habt nicht "den Zyklus durchbrochen", d.h. nicht nach 4 Wochen nachbehandelt. - Wahrscheinlich auch nicht desinfiziert.
5) Es gab einen Fall, der - glaub ich - in der Tierärztlichen Hochschule Hannover nach langen Analysen geklärt wurde: Ziege reagierte allergisch auf Pferdehaare und verlor Fell usw... Diagnose hat lange gedauert, Ziege konnte nicht zum Pferd zurück.
Google mal, findest Du sicher, oder gib hier oben in der Suchfunktion Schlüsselwörter ein wie "Allergie", "Pferdehaare", ich weiß nicht mehr, wo ich das gelesen habe innerhalb der letzten Monate. Bei Google dann "Ziege + Allergie" ohne Anführungsstriche.
Du kannst auch in Hannover anrufen.
Ich würde damit nicht zu lange warten, damit nicht sein ganzes Immunsystem zusammenbricht. Das stresst unendlich. Darfst Du nicht unterschätzen, er kann in einen Schock fallen, habe inzwischen Deinem Profil entnommen, daß Du wisssen dürftest, was ein anaphylaktischer Schock ist.
6) Du bist sicher, daß es nicht von eigenem Urin (Bepinkeln) kommt????
Das kann nämlich auch ganz schön ätzen bis hin zu den Augenbereichen.
Da hilft dann lauwarmes Waschen, vorsichtig abtupfen (Küchenrolle) und
Traumeel. Sind die Beine auch an den Vorderseiten betroffen?? Wie weit nach oben? Sei nett zu ihm und arbeite mit Latexhandschuhen.
7) Sind die Klauen und die Zwischenräume der Klauen absolut in Ordnung?
Du fütterst kein Kraftfutter hoffentlich?

Verfasst: 31.01.2007, 05:48
von sanhestar
Moritz,

Cydectin enthält Moxidectin. Kannte es bislang auch nur gegen Endoparasiten, Google sagt aber, auch bei Ektoparasiten und Milben.

@Bianca: wenn es immer wiederkehrt, würde es Sinn machen, die Milben auf Resistenzen zu testen. Auf der anderen Seite hast Du immer wieder über lange Zeiten Ruhe gehabt. Dass es im MOment wieder losgeht, kann man sicherlich - auch - auf das verrückte Wetter schieben. Feuchtkalt mag keine Ziege, das Immunsystem ist entsprechend beansprucht.

Hier würde ich als nächstes ansetzen: Immunsteigerung und, wie Moritz empfiehlt, Stall gründlich desinfizieren. Da es im Sommer besser wird, liegt die Vermutung nahe, dass sich Dein Bock immer wieder im Stall ansteckt.

Gruss

Verfasst: 02.02.2007, 00:24
von BiancaliebtTiere
Hallo ihr,

vielen Dank für eure hilfreichen Tipps.
Ich kann einiges verwenden.
Ich vermute stark, daß er sich im Stall ansteckt. Er steht zwar nicht direkt im uringetränkten Mist, aber es stimmt, ich mache immer eine Matratze (wegen der Wärme wird immer nur trocken nachgestreut). Wahrscheinlich muß ich dort ansetzen. Ich habe auch schon überlegt, ob ich die Stroheinstreu ersetze durch Dinkeleinstreu (sehr gute Erfahrungen bei meinen Pferden - viel saugfähiger als Stroh, weniger Mistvolumen).
Ich probiere einfach mal alle eure Empfehlungen aus. Hoffentlich hilft es.
Vielen Dank.
Gruß, Bianca

Verfasst: 02.02.2007, 07:12
von sanhestar
Hallo Bianca,

ich denke nicht, dass die Matratze das Problem ist sondern die restliche Stalleinrichtung. Fakt ist, wenn die nächste Milbenbehandlung durchgeführt wurde, muss zeitgleich der Stall gesäubert, gereinigt (ich würde, wo möglich, einen Dampfstrahler einsetzen) und desinfiziert werden (Mittel muss gegen Milben wirken).

Gruss

Verfasst: 02.02.2007, 07:55
von Jürgen
hallo

also bei aussenparasiten fällt mir spontan nur SEBACIL ein das hilft .



grüße jürgen

Verfasst: 02.02.2007, 10:58
von BiancaliebtTiere
Hallo ihr,
vielen Dank für eure Tipps.
Ihr habt mir sehr geholfen. :-)
Bin froh, dieses Forum gefunden zu haben.
Werde es jetzt regelmäßig benutzen.
Gruß, Bianca.