Tobias und Manuel Seitz, Leutershausen (Mittelfranken)

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Manfred
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Tobias und Manuel Seitz, Leutershausen (Mittelfranken)

Beitrag von Manfred »



Piroschka
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Re: Tobias und Manuel Seitz, Leutershausen (Mittelfranken)

Beitrag von Piroschka »

Daß eine Schweinerasse ausgerechnet Duroc heißt, läßt beim ersten Hinsehen an französische Herkunft denken. Jedoch ist der Name Duroc in Frankreich extrem selten; zwischen 1916 und 1940 wurden nur 39 Personen mit diesem Familiennamen geboren
https://www.filae.com/nom-de-famille/DUROC.html
Man kann nachlesen, daß ein amerikanischer Farmer diese Schweine"rasse" (ein Mix aus vielen Bastarden wie alle "Rassen") nach einem Hengst benannt habe.
Interessant ist, daß die normale Lebensform dieser Tierart mit großem Auslauf und Suhle als Freilandhaltung bezeichnet wird, so als sei das Aufstallen mit seinen Begleiterscheinungen der Technopathien (also quasi lebenslangen Krankheiten bedingt durch Stallhaltung) die eigentliche Normalität.
Ich habe aus diesem folgenden Film viel gelernt


Manfred
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Re: Tobias und Manuel Seitz, Leutershausen (Mittelfranken)

Beitrag von Manfred »

Das ist halt auch wieder zu stark vereinfachend.

Bei den Freilandhaltungen haben wir massive Probleme mit Parasiten und Gelenkerkrankungen.
Einfach der Tatsache geschuldet, dass auch hier viel Masse erforderlich ist, wegen der geringen Margen.

Rein aus Tierschutzsicht evtl. optimale Verfahren würden relativ geringe Tierbesätze auf großen Wechselweiden erfordern und eher langsam wachsende Rassen, deren Gelenke die Bewegung bei der Freilandhaltung aushalten, bzw. sich dem Gewicht entsprechend schnell genug mit entwickeln können.
Aber die enormen Kosten dafür sind nur in sehr kleinen Nischenmärkten einspielbar.
Solches Schweinefleisch ist teuer als Rindfleisch.

Was das einseitige Anziehen der Tierschutzschrauben bei gleichzeitig fehlendem Außenschutz bewirkt, sehen wir seit Jahren. Nur Betriebe, die die steigenden Kosten und damit sinkenden Margen durch immer mehr Volumen ausgleichen können, schaffen es zu überlegen. (Von den paar Nischenschweinen mal abgesehen, aber die machen ja nicht mal 1% der Masse aus). Diese Tierkonzentration an wenigen hafen- und schlachthofnahen Standort ist aus ökologischer Sicht schlecht.

Und würde sich die Politik überwinden, den Weg des Außenschutzes zu gehen, wie es z.B. die Schweiz und Norwegen machen, und so im Schnitt höhere Haltungsstandards bei besseren Einkommen für die Bauern zu ermöglichen, würden halt die Lebensmittelpreise deutlich ansteigen müssen, was die Verbraucher und Wähler auch wieder nicht wollen, auch wenn sie bei Umfragen gerne das Gegenteil lügen. Siehe die gescheiterte Bauernsoli-Aktion von Lidl. Dann gehen die Leute halt zu Aldi, wenn dort das Kotelett 1 Euro / kg billiger ist.

Ohne Außenschutz werden wir jedenfalls eine weitere starke Konzentration auf immer weniger Betriebe und eine vermehrte Abwanderung der Produktion an billigere Standorte mit weniger Auflagen in den Nachbarländern sehen. Deswegen wird kein Schwein weniger produziert und kein Schwein ist glücklicher. Nur die Transportwege nehmen zu.

Mit Außenschutz wäre zumindest eine moderate Anhebung der Standards ohne große Verwerfungen möglich. Eine Deckelung der Bestandsgröße, wie es Norwegen schon vor vielen Jahren gemacht hat, scheint mir hier kaum mehr durchsetzbar. Der Zug ist abgefahren. Wir haben längst Betriebe mit mehreren 10.000 Schweinen. Und selbst die sind international gesehen noch Zwerge.
Wenn ich daran denke, welche Dimension von Ställen in China und Russland gerade gebaut wird... Da sind unsere größten Schweinehalter Kleinbauern dagegen.


Piroschka
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Re: Tobias und Manuel Seitz, Leutershausen (Mittelfranken)

Beitrag von Piroschka »

Manfred hat geschrieben: 08.02.2021, 20:28 Nur die Transportwege nehmen zu.
Das habe ich mir auch gedacht, als ich bei den Bauern aus Mittelfranken las, die Kunden kämen aus 100 km Umkreis. Da man ja nicht auf einer geraden Linie radial fahren kann, sind also teils 130 km für eine Strecke anzusetzen, mit Rückfahrt 250 km. Das verteuert den Einkauf aus erheblich. Ist mir aber egal, manche fahren ja für ne Fête auch mal eben ein paar Hundert km.

Alles andere ist mir ebenfalls egal, sollen doch die Leute verzehren, was sie möchten mit allen gesundheitlichen Folgen. Wir sind angeblich eine Solidargemeinschaft.
In den 50er Jahren waren die meisten Leute schlank, man sehe sich alte Filme und Dokumentaraufnahmen an. Einmal in der Woche gab es Fleisch oder ausgekochte Knochen, je nachdem, was der Geldbeutel hergab.
Man weiß doch, welche Ressourcen die Produktion eines Kilos Fleisches verbraucht.

Apropos Gelenkerkrankungen: nicht nur haben wir die auch bei Käfighaltung und Boxenhaltung, sondern man könnte ja den Schweinen wieder die angezüchteten Mehrrippen wegzüchten und bei Puten und so weiter .....


Manfred
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Re: Tobias und Manuel Seitz, Leutershausen (Mittelfranken)

Beitrag von Manfred »

Wie sagen meine amerikanischen Freunde immer so schön:
"Don ́t blame the meat for what sugar did."


Manfred
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Re: Tobias und Manuel Seitz, Leutershausen (Mittelfranken)

Beitrag von Manfred »

Zu dem 2. Video nochmal:
Eine Freundin von mir hat einen ähnlichen Versuch laufen.
Sie hat die letzte Zeit nebenher in einem auslaufenden Zuchtsauenbetrieb als Betriebshelferin gearbeitet.
Inzwischen sind dort die letzten Sauen weg und es stehen nur noch "Ferkel" in den Ställen, die wegen des aktuellen Schweinestaus und der schlechten Preise noch nicht an Mäster verkauft werden konnten. Die sind inzwischen so groß, dass der Bauer sie bald selbst als Mastschweine vermarkten kann. Zum Glück sind die Sauenställe leer, so dass sie dort untergebracht werden konnten. In den Ferkelbuchten hätten sie längst keinen Platz mehr.

Sie hat sich von dort eine Muttersau und 2 Ferkel mitgenommen, die jetzt auf ihrem Hof in Freilandhaltung leben.
Vorher hatte sie sie aus dem Warmstall über mehrere Wochen in mehreren Stufen bis auf Kaltstallniveau abgehärtet.
Natürlich schwierig, so ein Experiment ausgerechnet im Winter zu beginnen...

Die ersten Tage bei Nächten um Null grad war ihnen wohl trotzdem noch ganz schön kalt und sie haben sich die meiste Zeit tief ins Stroh gemümmelt.
Inzwischen haben sie sich an die Temperaturen gewöhnt und laufen auch bei aktuell unter -10°C viel draußen herum.
Und sie haben in der kurzen Zeit einen erstaunlichen "Pelz" entwickelt, den man bei Warmstallschweinen gar nicht mehr vermutet, dessen evolutionäre Anlagen aber wohl noch vorhanden sind.

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