Diskussion über Unterwerfungsmethoden

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Dorchen
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Re: Diskussion über Unterwerfungsmethoden

Beitrag von Dorchen »

@Marion
Vielen Dank für Deinen informativen Beitrag und ganz besonders dafür:
Uzou hat geschrieben: Ein weiterer Fehler ist die Denkart: Alles Verhalten sei erworben! Dies Idee ist inzwischen überholt! Wieviel ererbt oder erworben ist ist noch nicht ganz geklärt, aber der Prozentsatz von Ererbtem ist größer als wir annehmen.
Ich bin immer wieder entsetzt, wie jede kleinste Verhaltensauffälligkeit eines Hundes (kann es nur bei dieser Tierart beurteilen) auf das bisher Erlebte geschoben wird. Häufig weiß man rein gar nichts über die Vergangenheit des Tieres und schmückt diese bunt aus aufgrund gewisser Verhaltensweisen, die er in bestimmten Situationen zeigt.

LG
Ute


Bolivar
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Registriert: 17.05.2007, 18:56

Re: Diskussion über Unterwerfungsmethoden

Beitrag von Bolivar »

Hallo,

man kann aber nun auch nicht den Umkehrschluss machen alles Verhalten sei vererbt.Man muss das einzelne Tier sehen bzw. wenn Verbung so wichtig ist, auf die Auswahl der Zuchtiere schauen.
Wenn ich einem Tier helfen will, welches verhaltensauffällig ist, sehe ich grössere Chancen zu helfen, wenn ich die Vorgeschichte kenne als einem Tier das unter seinem "Erbe" leidet.Meine Erfahrung mit Tierheimhunden ist die, das mir
vom Tierheimpersonal nichts ausgeschmücktes, sondern eher zu wenig berichtet wurde.

Gruss Michael


"Zeige ihnen einen roten Kometenschweif, jage ihnen eine dumpfe Angst ein, und sie werden aus ihren Häusern laufen und sich die Beine brechen.Aber sage ihnen einen vernünftigen Satz und beweise ihn mit sieben Gründen und sie werden dich einfach auslachen."

Bertolt Brecht
ClaudiaH
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Re: Diskussion über Unterwerfungsmethoden

Beitrag von ClaudiaH »

Hallo,

hab jetzt mal wegen Müdigkeit überlesen, hole ich nach. Nur noch mal kurz: Der Hund kam aus absolut ungeeigneten Händen und ließ sich als Dreijähriger von seinen Besitzern nicht mehr anfassen. Wir haben den Hund wegen eingerollter Lidränder und übelst entzündeter Augen in der TA- Praxis, wo ich arbeitete, operiert. Wir mußten uns zu viert auf ihn drauflegen, um uns die Augen auch nur ansehen zu können. Der Hund war über Jahre faktisch blind und permanent unter Schmerzen. Er hatte auch einfach nie gelernt, daß da jemand stärker (nicht nur körperlich!) sein kann als er. Nachdem er wieder sehen konnte, lief er über Wochen mit der Nase im Himmel und hat ganz neue Welten entdeckt.

Ich bin wirklich kein Schisser, aber als der Hund mal die Box aufbekommen hatte, als ich nicht da war, hatte ich doch arge Befürchtungen, ein Blutbad vorzufinden und angegriffen zu werden. Der war gar nicht einfach nur aggressiv, der hat sich nur nicht ankommen lassen. Wenn er beschlossen hatte, er will jetzt nicht vom Auslauf in die Box, dann konnte der Versuch, das Halsband zu nehmen böse enden. Eine Stunde später konnte die gleiche Sache völlig problemfrei sein. ICH lasse mich dann auf keinerlei Experimente ein, weil ICH hänge kein Tier irgendwo hin außer an den Haken nach sachgerechter Schlachtung. Ansonsten gab es keine Schläge, kein Geschrei, keinen Unterordnungsmarathon etc., lediglich diese eine Situation mit diesem einen Hund. (Ich muß dazu sagen, ich hatte elf untergebracht.) Alle anderen Hunde waren entsprechend ihren Macken zu händeln, alle hatten Respekt und ihre Aufmerksamkeit beim Menschen, ohne Gewalt. Die Person war übrigens elf Jahre lang TH- Leiterin, bildet Therapiehunde aus, geht selbst in Einrichtungen, arbeitet als Dozentin an einer Fachschule für Erzieher, hat (seit dem Auszug bei mir) einen Wanderreiterhof (FeWo und Boxen) an der See mit Hundeschule und Hundepension, nimmt die schlimmsten Fälle einer Molosser- Nothilfeorganisation usw....

"Sinnvoll" heißt für mich in diesem Zusammenhang, daß ich der Person zutraue, den Hund so weit wieder hinzukriegen, daß er in einem erfahrenen Haushalt eine Chance auf ein Leben hat.

Übrigens ist es einem Hund irgendwie egal, ob er seine Menschen quält oder nicht *fg* .

Ich denke sowieso, manche Rassen dürften per se schon mal nicht frei gehandelt werden, Border Collies oder ...äh....Hänger....wie heißen diese ....ach ja, Malinois z.B.

Ich muß ins Bett. Aber ich kriege mal raus, was mit dem Shar Pei passiert ist, vielleicht braucht er noch einen schönen Endplatz :D

LG,
Claudia


Locura
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Registriert: 31.05.2007, 10:01

Re: Diskussion über Unterwerfungsmethoden

Beitrag von Locura »

ClaudiaH hat geschrieben: Nur noch mal kurz: Der Hund kam aus absolut ungeeigneten Händen und ließ sich als Dreijähriger von seinen Besitzern nicht mehr anfassen. Wir haben den Hund wegen eingerollter Lidränder und übelst entzündeter Augen in der TA- Praxis, wo ich arbeitete, operiert. Wir mußten uns zu viert auf ihn drauflegen, um uns die Augen auch nur ansehen zu können. Der Hund war über Jahre faktisch blind und permanent unter Schmerzen. Er hatte auch einfach nie gelernt, daß da jemand stärker (nicht nur körperlich!) sein kann als er. Nachdem er wieder sehen konnte, lief er über Wochen mit der Nase im Himmel und hat ganz neue Welten entdeckt.

Ich bin wirklich kein Schisser, aber als der Hund mal die Box aufbekommen hatte, als ich nicht da war, hatte ich doch arge Befürchtungen, ein Blutbad vorzufinden und angegriffen zu werden. Der war gar nicht einfach nur aggressiv, der hat sich nur nicht ankommen lassen. Wenn er beschlossen hatte, er will jetzt nicht vom Auslauf in die Box, dann konnte der Versuch, das Halsband zu nehmen böse enden. Eine Stunde später konnte die gleiche Sache völlig problemfrei sein.

Hm, das erklärt doch auch schon fast alles. Über Jahre keine solide Führung und dazu auch noch Schmerzen - da fängt vermutlich jeder Hund irgendwann an, so richtig aufzudrehen und das Leben nach seinen Wünschen zu gestalten.

Leider kann ich mir bei so was nie den Gedanken verkneifen, dass man den Exbesitzer bis kurz vorm Erstickungstod aufhängen sollte. Wäre deutlich sinnvoller als bei dem Hund, bei dem ich schon sagen würde, dass er mindestens die Hälfte seines Verhaltens erlernt hat.
Schade, dass nur in den seltensten Fällen die Besitzer zur Verantwortung gezogen werden...

Hunde testen ihre Grenzen aus (wie alle Tiere einschließlich dem Säugetier Mensch) - kommt kein Contra, gehen sie halt einen Schritt weiter. Irgendwann artet es dann in einen Machtkampf wie mit dem Shar Pei aus; eine Situation, die mit Sicherheit vermeidbar gewesen wäre.
Ein Hund zeigt im Regelfall eine Drohphase, die man erkennen und lesen können sollte. Hier hat man offenbar versäumt, gleich zu Beginn geeignete Maßnahmen durchzuführen oder, wenn man es nicht allein hinbekommt, jemanden zu Rate zu ziehen.

Leider informieren sich wohl auch wenige Menschen, welche Rasse sie sich ins Haus holen. Wach- und Schutzhunde, zu denen auch definitiv ein Shar Pei zählt, sind immer schwieriger zu führen als Rassen, die weniger auf eigenständiges Arbeiten und Denken gezüchtet wurden.


Man sollte sich die Ruhe und Nervenstärke eines Stuhles zulegen. Der muss schließlich auch mit jedem Ar*** klar kommen!
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Die meisten Tiere haben Besitzer - Ziegen haben Personal!
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Nehmt Euch mal die Zeit!!!
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Bunnypark
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Re: Diskussion über Unterwerfungsmethoden

Beitrag von Bunnypark »

Locura hat geschrieben: Leider kann ich mir bei so was nie den Gedanken verkneifen, dass man den Exbesitzer bis kurz vorm Erstickungstod aufhängen sollte.
meine vollste zustimmung #sleep# .....plus zwei minuten


Herrchen unser, der du bist am Hofe; geheiligt werde deine weide; das astwerk komme, unser Wille geschehe, wie im stall so auch auf der Weide; Uns're täglichen Kräuter gib uns heute; Und vergib uns unsere Schuld, wenn wir hopsen auf nachbars Weide; führ uns also nicht in Versuchung, sondern Erlöse uns von dem Astwerkmangel....so is'es .Bild
ClaudiaH
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Re: Diskussion über Unterwerfungsmethoden

Beitrag von ClaudiaH »

Hallo Petra,

der Hund zeigte auch Drohverhalten - da bin ich dann nicht mehr reingegangen. Man konnte es immer sehr schön beobachten: Steigerung über Wochen, bis auch andere Hunde nicht mehr in der Box bleiben konnten, weil er sie so heftig dominiert hat, selbst wenn sie (wie meine griechische Colliehündin) so unterwürfig waren, das es schon ins Devote ging. Dann versuchte er es auch mit Menschen (z.B. Halsband nicht anfassen lassen, nicht über den Kopf greifen lassen, knurren, Türen blockieren usw.), bis ihm von der Chefin die Spielregeln noch mal so verdeutlicht wurden (Unterordnung), bis er es wieder geglaubt hat. Na ja, bis auf das eine Mal, wo er nicht wollte, daß sie seine entzündeten Hautfalten behandelt. Dann hat er den Blödsinn gelassen, bis das Spiel so langsam von vorne losging. Ich habe ihm immer eine kurze Schleppleine angehängt, so daß ich ihn gut zu fassen kriegte, ohne mich darüber beugen zu müssen.

Den Ex- Besitzern kann man natürlich ohne Ende Vorwürfe machen, aber das eine Entscheidung eine totale Überforderung bedeuten kann, weiß man auch erst hinterher. Und so einen Knaller muß man dann erst mal in gute Hände abgegeben kriegen! Wie gesagt, er kam über die Nothilfe, an die er abgegeben wurde.

Liebe Grüße,
Claudia


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