Ziegen und Rinder

Schlumpfie
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Ziegen und Rinder

Beitrag von Schlumpfie »

Hallo,
hat hier jemand Erfahrung mit einer gemeinsamen Weidehaltung von Ziegen und Rindern? Genauer gesagt, wir haben aktuell 23 Milchziegen (Thüringer Waldziegen) + 19 Zicklein und dazu noch den Deckbock, einen Kastraten und 15 Böckchen (die Böcke haben einen extra Stall und Weide). Nun haben wir dieses Jahr ein ausgesprochenes Wurmproblem, trotz Weidewechsel und Entwurmungen. Nun haben wir im Internet die Info gefunden das Rinder den Parasitendruck begrenzen könnten und sind am überlegen ob wir uns 2 Galloway Rinder anschaffen sollten. Wir haben 3,5 ha Weideflächen. Die Herdengröße bei den Ziegen wird auch wieder reduziert. Nur klappt es dieses Jahr einfach nicht mit dem Verkauf der Zicklein und Böckchen. Stalltechnisch würden wir sicherlich gucken das wir Ziegen und Rinder trennen. Ich möchte nur vermeiden das wir uns nachher mehr neue Probleme schaffen als welche zu lösen. Danke.


Manfred
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Re: Ziegen und Rinder

Beitrag von Manfred »

Wie schaut es denn mit eurer Futtergrundlage aus?
Der Ziegenbestand hört sie eh schon nach relativ viel an, für die kleine Fläche.
Wenn ihr die Rinder noch obendrauf packt, werden die Weideruhephasen eher noch kürzer werden.
Die Rinder mögen auch ein paar Ziegenparasiten abtöten, wenn diese durch ihre Verdauung wandern, aber hauptsächlich wirken sie, wenn sie im Wechsel mit den Ziegen weiden, also der zeitliche Abstand zwischen zwei Ziegenbeweidungen auf einer Fläche zunimmt.
Stall, Tränken, Schattenplätze etc. sind auch alle Vermehrungshorte für die Parasiten. Heißt, wenn sie ständigen Zugang zu diesen immer gleichen Plätzen haben und nur die zugeteilten Weideparzellen sich ändern, wird die Infektionskette nicht unterbrochen.

Wir stecken da in D in einem Teufelskreis. Eine Resistenzzucht/-Selektion bei den kleinen Wiederkäuern gibt es praktisch nicht. Gleichzeitig nehmen die Resistenzen gegen die zugelassenen Parasitenmittel zu und Neuzulassungen von Wirkstoffen gibt es kaum (die Briten sollen da z.B. deutlich mehr Auswahl haben).
Und viele der Tiere befinden sich in kleinen Beständen mit wenig Fläche, was ein parasitenreduzierendes Management schwierig macht.
Was wird dringend bräuchten, wäre ein von den einschlägigen Universitäten begleitetes Resistenzzuchtprogramm, wo in den Herden vor jeder Behandlung jedes Einzeltier untersucht und die Tiere mit den geringsten Parasitenlasten unbehandelt zur Zucht weiterverwendet werden.
Wir sind ja nicht das erste Land, das solche Problem hat. Ich denke z.B. an die behördlichen Programm zur Behandlung gegen Zecken in Rhodesien und Südafrika damals, die so kläglich gescheitert sind, weil halt das gleiche passiert ist wie bei uns. Es wurden anfällige zeckenanfällige Tiere vermehrt und medikamentenresistente Zecken herausselektiert, die dann regelrechte Urstände in den Herden feierten, trotz immer kürzerer Behandlungsintervalle.
Gelöst wurde das Problem nach Aufgabe des Behandlungsprogramms durch konsequente Resistenzzucht.


Charlotte II.
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Re: Ziegen und Rinder

Beitrag von Charlotte II. »

Sehr viele Ziegenhalter wissen nicht, daß Ziegen der doppelten Schafsdosis bedürfen, um ordentlich entwurmt zu werden. Ferner: daß eine Nachentwurmung notwendig ist.
Solange wir nicht erfahren, womit und in welcher Dosis bei welchem Körpergewicht entwurmt wurde, kann man kaum helfen.


Schlumpfie
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Re: Ziegen und Rinder

Beitrag von Schlumpfie »

Hallo Manfred,
bei dem Wetter aktuell, wächst natürlich nichts mehr auf den Weiden. Heu können wir zum Teil selber machen, müssen aber auch zukaufen. Wie gesagt es war erstmal nur ein Gedanke. Dieses Jahr sind es definitiv zu viel Tiere, das ist uns bewusst. Eigentlich konnten wir bisher die Zicklein im Frühjahr immer ganz gut verkaufen. Das hat aber dieses Jahr nicht geklappt. Erst jetzt trudeln nach und nach Anfragen ein. Aber danke für Deine Antwort.


Schlumpfie
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Re: Ziegen und Rinder

Beitrag von Schlumpfie »

Hallo Charlotte, wir entwurmen mit der doppelten Schafdosis und kontrollieren auch nach 10- 14 Tagen ob die Entwurmung funktioniert hat. Wir verwenden Panacur und Cydectin im Wechsel. Und bevor der Aufschrei kommt, wir hatten noch nie Panacur, daher kam die Empfehlung unserer Tierärztin. Auch hier haben wir natürlich kontrolliert.


Manfred
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Re: Ziegen und Rinder

Beitrag von Manfred »

Wie genau manifestiert sich denn euer Wurmproblem?
Haben die Behandlungen nicht angeschlagen?


Schlumpfie
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Re: Ziegen und Rinder

Beitrag von Schlumpfie »

Doch, die Behandlungen schlagen an. Wir kontrollieren 10-14 Tage später nochmal den Kot. Wir haben auch Ziegen die nur eine ganz geringe Wurmlast haben. Andere, vor allem sind es eigentlich zwei, könnte ich anscheinend im Moment monatlich entwurmen. Das eine ist eine ältere Ziege (10 Jahre), ihr hat man es auch angemerkt, sie war nicht so agil wie sonst, hat langsamer gefressen und an zwei Abenden Ödeme am Unterbauch aber glattes, glänzendes Fell und schöne Kügelchen geschissen. Das andere ist ein Bock den wir letztes Jahr zugekauft haben. Eigentlich wurde mir zugesagt das er entwurmt wurde und das eine Probe im Labor negativ war, es hat sich aber leider herausgestellt das er alles mögliche mitgebracht hat, Magen-Darm-, Band-, Peitschenwürmer und Kokzidien. Wir haben es zwar halbwegs in den Griff bekommen aber er infiziert sich sehr schnell immer wieder neu. Klar sind die Weiden jetzt belastet aber ich kann die Tiere auch nicht bis zum nächsten Frühjahr in den Stall sperren. Dem Bock merkt man übrigens die Wurmbelastung (noch) nicht an. Der ist putzmunter und möchte endlich zu seinen Damen ;-)


Manfred
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Re: Ziegen und Rinder

Beitrag von Manfred »

Wenn du zwei Haupt-Wurmschleudern sogar schon identifiziert hast, wieso schlachtest du die nicht umgehend?
Und weshalb möchtest du ausgerechnet den anfälligen Bock vermehren?


Schlumpfie
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Re: Ziegen und Rinder

Beitrag von Schlumpfie »

ehrlich gesagt habe ich so darüber überhaupt noch nicht nachgedacht.


Charlotte II.
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Re: Ziegen und Rinder

Beitrag von Charlotte II. »

Bei so vagen Aussagen, auch zweifelhaften (von der Vorbesitzern), würde ich nie (!!) den Tieren eine diesbezügliche Disposition anlasten, gar andichten.
Seit über zwanzig Jahren sind Resistenzen gegen Panacur bekannt -- auf Seiten der Würmer, Wurmpopulationen --, nicht eine Affinität oder Schwäche in der Genetik der Ziegen.
Auf der schweizer Vetpharm-Seite wird obendrein empfohlen, für eine effizientere Entwurmung der Ziegen diesen (den Ziegen***) 36 bis 24 Stunden vor der Entwurmung eine geringere Futtermenge zukommen zu lassen, weil dies zu einem langsameren Transit der Futtermenge durch den Darm und dadurch einer längeren Verweildauer auch des Entwurmungsmittels im Organismus und damit zu einer noch höheren Wirkung führt.

Die Überlegung, (teil)resistente Ziegen bzw. Böcke zu züchten ist alt und wurde vor ca 18 - 12 Jahren hier im Ziegen-Treff mal zerpflückt. Das Interessante an diesen Forschungen war, dass sich sogar ein Professor aus Göttingen daran beteiligte - erfolglos.

Zu viele Unwägbarkeiten, vor allem hasardöse Ahnenforschung bei den angeblich resistenten Böcken, ausserdem die Fülle von anderen Faktoren wie Witterung, Futter, Fütterung, Bodenverhältnisse, sonstige Vorerkrankungen, Stress und vieles andere mehr ließen das ganze Vorhaben als unseriös (nicht belastbar) erscheinen.

Damals wurde u. a. damit argumentiert, daß in Afrika eine Ziegenrasse in X nachweislich viel weniger wurmanfällig sei als die Rasse Y in einer anderen
Region. Ganz einfache Erklärung (sogenannter "gesunder Menschenvertand"): in der Region X als einer Dürreregion mußte der Lebenszyklus der Würmer
zwangsläufig stärker "zerbombt" werden als im Wurmschlaraffenland ( = Region Y). Das hat schlechterdings mit den Ziegen nichts zu tun.

***Ziegen können wochenlang hungern.


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