Mistmanagement II

Erika
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Registriert: 08.05.2008, 11:18

Re: Mistmanagement II

Beitrag von Erika »

Therapiehof hat geschrieben:das Thema Mist bzw. Kompost ist natürlich fast unüberschaubar, es geht ja hier auch nicht um Wissenschaft (eine spannende Studie von Itada hier Achtung fast 5 MB und 162 Seiten). Es sind eben neben Mikroorganismen und Würmern noch viele physikalische Größen, die eine Rolle spielen: Sauerstoff, d.h. viel umsetzen oder festtreten und abdecken - Feuchtigkeit, d.h. befeuchten oder gar unter Dach, bzw. mit Kompostvlies abdecken - Temperatur usw. Die Gefahr besteht, daß der im Mist gebundene Stickstoff entweicht, sei es gasförmig als Ammoniak oder umgesetzt in Methan/Stickoxide oder flüssig als Nitrat ins Sickerwasser. Der Stickstoff soll im Kompost gebunden bleiben und zwar so, daß er später mehr oder weniger rasch Pflanzenverfügbar ist. Aus diesem Grund betreiben wir Bioland-Betriebe oft Flächenkompostierung, d.h. es wird gerne Frischmist direkt auf die Felder verteilt, so daß er auf dem Acker verrottet und dabei freiwerdendes Nitrat direkt von den Pflanzen aufgenommen werden kann.

Bisherige Methoden mit Erfahrungswerten:

1). die einfachste Methode ist nichts zu tun, d.h. den Mist irgendwie zu lagern und vor sich hin verrotten lassen. Anmerkung hierbei: Man kommt ziemlich schnell in Bedrängnis, Geruchsbelästigung der Nachbarn, Fliegenplage und der Amtsschimmel. Man muß Mist nämlich auf einer Betonplatte lagern, Lagerkapazitäten für 6 Monate vorweisen und den Sickersaft (Jauche) in einer Grube auffangen, zumindest wenn man Landwirt ist und Subventionen der EU möchte. Aber auch für den Hobbyziegenhalter hält der Gesetzgeber Knüppel bereit: Umwelt- und Wasserschutzrecht z.B. Fazit : von allen die bequemste, aber unschönste Methode

2). den unbehandelten Misthaufen mit Starkzehrern zu begrünen, wie Gabi #daumen_hoch* z.B. Kürbis. Sieht dann schöner aus, man hat Erträge durch Kulturpflanzen, Geruch- und Fliegen werden evtl. gemindert.

3) Zusatz von Kompostbeschleunigern:

a) EM (Effektive Mikroorganismen)
b) biologisch-dynamische Präparate
c) zugekaufte Kompostwürmer
d) .... wer weiß noch mehr??

alles eventuell noch zusätzlich mit Gesteinsmehlen

zu a) siehe Erfahrungen von Fridolin #daumen_hoch* hier, die Kurzfassung von Loise #daumen_hoch* : Der Mist wird mit EMa und Urgesteinsmehl versetzt, gut gestapelt, festgetreten und mit weißer Folie abgedeckt. Nach ca. 6 Wochen ist der Mist durchfermentiert (statt vergammelt) und zur weiteren Verarbeitung bereit.

zu b) Ich habe weit über 10 Jahre positive Erfahrungen mit dieser Methode, die mir aber dennoch immer suspekt bleiben wird. Weil es den meisten doch unbekannt sein dürfte, eine kurze Erläuterung:

biologisch-dynamisch heisst die Anbauweise der Anthroposophen, deren Gründer Rudolf Steiner war und deren Produkte unter dem Namen Demeter recht bekannt sind. Steiner hat 1924 den sog. landwirtschaftlichen Kurs gehalten, Vorträge für Landwirte und damals ein Verfahren zur Mistverbesserung vorgeschlagen:

In den aufgesetzten Misthaufen wird ca. alle 30 cm mit einem Stil ein Loch von oben bis ca. zur Mitte gemacht und in diese Löcher abwechselnd die sogenannten Kompostpräparate gegeben, anschließend der ganzen Haufen noch mit einem weiteren Präparat besprüht. Die Präparate im Einzelnen kurz vorgestellt:

Schafgarbe (502)
Die Blütenköpfe der Schafgarbe werden in eine Hirschblase gefüllt und über den Sommer an einem luftigen, sonnigen Platz Licht und Sonne ausgesetzt. Im Herbst werden sie dann bis zum Frühjahr im Boden vergraben.
Der Hirsch als Geweihträger nimmt kosmische Kräfte auf und strahlt diese über den Stoffwechsel bis in die Harnblase. Niere und Blase sind die Ausscheidungsorgane von im Harn gelösten Salzen wie Stickstoff und Kali.


Kamille (503)
Einjähriger Lichtkeimer, der Verdichtungen auflöst und Struktur in den Oberboden bringt.
Wirkt lösend und heilend. Über Winter ruht das Präparat im Boden, rottet an verliert aber nicht den charakteristischen Duft. Es belebt und verleiht der Pflanze Widerstandsfähigkeit.


Brennessel (504)
Wirkt auf den Boden strukturverbessernd, entzieht ihm überschüssiges Eisen und Stickstoff.
Die Präparation der Brennessel verstärkt ihre Wirkung: Kurz vor der der Blütezeit geschnitteb verbleibt die Brennessel ein Jahr von Hochmoortorf umgeben im Boden.

Eichenrinde (505)
Die Eiche ist ein Symbol des Lebenskampfes und der Kraft. Die Rinde der Stieleiche reißt mit zunehmendem Stammumfang borkig auf und gibt Schutz nach außen. Sie weist einen sehr hohen Kalzium-Gehalt auf, der gegen Pilzwachstum wirkt sowie die insektizid wirkende Gerbsäure.
Die abgehobelte Eichenrinde wird Ende August in eine tierische Hülle gefüllt und vergraben. Im Faulprozess wird die Naturanlage durch die Präparation weiter geführt. Das Präparat schützt vor wuchernder Lebendigkeit wie z.B. Pilzbefall.


Löwenzahn (506)
Aufblühende Blütenkörbchen werden zeitig im Frühjahr an einem sonnigen Morgen gepflückt, in der Sonne einige Stunden angewelkt und im luftigen Schatten getrocknet. Im Herbst – Michaeli bis Ende Oktober – werden die Blüten mit einem Tee oder dem Presssaft einer ganzen oberirdischen Pflanze benetzt.


Baldrianpräparat (507)
Bekannt als Beruhigungsmittel, das aus der Wurzel gewonnen wird.
Baldrian ist eine Wärmepflanze: Blüten regen bei Pflanzen Phosphorprozesse an, die z.B. bei der Obstblüte frostschützend wirkt aber auch die Blüten- und Fruchtbildung fördert. Das Präparat, ein milchsauer vergorener Blütensaft, wirkt als schützende Wärmehülle.


soviel "Mist" für heute, in der Hoffnung auf eine fachlich/sachliche Diskussion

Andreas
Hallo Andreas,

#heul# Ich komme überhaupt nicht mehr zum Ziegenforum-Lesen vor lauter Hirschblase suchen!?! Ich renne mir die Füße wund, und finde keinen Jäger, der eine für mich übrig hätte.
Kamille find ich ja in meinem Garten, Löwenzahn, Brennessel und Schafgarbe auch. Aber Eiche ist weit und breit keine zu sehen. Uff, Kompliziert ist das System schon! Da lob ich mir (vorläufig?) noch mein EMa: Ansetzen, verdünnen, aussprühen, fertig! Und in ein paar Wochen duftender Kompost.
Sag mal ehrlich, Andreas: Wie drückst du das bitte durch???


Gabi

Re: Mistmanagement II

Beitrag von Gabi »

Hallo

Bei uns ist die Kürbis Ernte jetzt abgeschlossen. Mit einem Ertrag von 74 Kürbis in der Zeit von Juni bis September. Ich habe die Kürbis Pflanzen in der letzten Woche entfernt und mein Misthaufen besteht nur noch aus einer 10 cm hohen Erdschicht. Das werde ich im nächsten Jahr wieder machen, schneller kann es nicht gehen. Fliegen hatten wir auf dem Misthaufen während des Sommers auch nicht.


Erika
Beiträge: 52
Registriert: 08.05.2008, 11:18

Re: Mistmanagement II

Beitrag von Erika »

Gabi hat geschrieben:Hallo

Bei uns ist die Kürbis Ernte jetzt abgeschlossen. Mit einem Ertrag von 74 Kürbis in der Zeit von Juni bis September. Ich habe die Kürbis Pflanzen in der letzten Woche entfernt und mein Misthaufen besteht nur noch aus einer 10 cm hohen Erdschicht. Das werde ich im nächsten Jahr wieder machen, schneller kann es nicht gehen. Fliegen hatten wir auf dem Misthaufen während des Sommers auch nicht.
Hallo Gabi, ich hab' auf meinem (alten) Misthaufen auch Kürbis angepflanzt, und der Haufen ist natürlich ebenfalls niedriger geworden. Was drunter noch ist, haben wir noch nicht kontrolliert, wir werden erst am Wochenende abräumen. Mit allzu großer Ernte kann ich allerdings nicht aufwarten, weil uns der Hagel vor einem Monat alles kaputt gemacht hat, leider!

A propos: Wie hoch hattest du den Misthaufen angelegt?

LG Erika


Gabi

Re: Mistmanagement II

Beitrag von Gabi »

Hallo Erika

Unser Misthaufen hat ungefähr eine Höhe von 1 m gehabt. Ich konnte es selber nicht glauben, das die Pflanzen den Mist so reduzieren.


Gabi

Re: Mistmanagement II

Beitrag von Gabi »

Hallo
So sieht mein Misthaufen in diesem Jahr aus.


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