Muss ich auch auf der Weide füttern?

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Mountain Meadows
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Registriert: 12.02.2007, 16:50

Muss ich auch auf der Weide füttern?

Beitrag von Mountain Meadows »

Ich habe drei WDE. Sie sollen jetzt demnächst endlich auf die Weide. Das eine ist eine Mutterziege und sie wird von uns auch gemolken. Muss ich den dreien auch auf der Weide Heu und Pellets füttern? Die Weide ist gut bewachsen und die Ziegen wechseln sich dort mit zwei Ponys ab.
Gebe der Mutterziege beim Melken immer Pellets, dann steht sie ganz brav, bis ich fertig bin. Wie macht ihr dass auf der Weide? Ich will ja nicht, dass die Drei nur auf das Futter warten und die Weide nicht anrühren...

Viele Grüsse
Tine


Fridolin
Beiträge: 1662
Registriert: 26.02.2006, 22:26

Beitrag von Fridolin »

Servus Tine80

Du solltest Deine Ziegen schon beim ersten zaghaften Ergrünen auf die Weide lassen, damit sich ihre Mägen schön langsam vom Winterfutter auf das eiweißreiche Frischfutter umgewöhnen können. Erfolgt die Umstellung zu schlagartig, kann es zu bösen Komplikationen kommen.

Deine Ziegen brauchen auch im Sommer immer Rauhfutter, also Heu. In ihrer natürlichen Umgebung würden sie ihren Nahrungsbedarf nur zu 20 Prozent mit Gräsern decken, den Rest durch Blätter, saftige Äste und Rinde. Wenn Du also zu Baumschnitt kommst - ideal wären Obst- und Nadelhölzer - keinesfalls aber Ziersträucher wie Tujen, Eiben oder Liguster - machst Du Ihnen mit diesem Angebot große Freude. Pellets solltest Du aber wirklich nur im Winter zufüttern.

Auch wir haben unserer Milchziege beim Melken früher immer einen Happen Pellets gegeben, sie hat die aber immer in Rekordzeit aufgefressen und fing dann zu hüpfen an, bis man notgedrungen nachlegte. Wir sind deshalb auf Gerstenschrot übergegangen, das ist nicht nur billiger, die Ziege kann das Schrot auch nicht so hinunterschlingen wie die Pellets. Sie muss es mit der Zunge aufnehmen und braucht daher entsprechen länger. Für die Verdauung ist dieses Schrot allerdings nichts wert, weil der Magen damit nicht viel Arbeit hat. Daher streuen wir das Schrot über eine Ladung Heu, die Ziege hat noch mehr Arbeit und nimmt dadurch auch Rauhfutter zu sich.

Noch etwas zur Weidehaltung. Gib Deinen Tieren nie die komplette Weidefläche über die ganze Saison über frei. Dadurch verhinderst Du erstens die Übertragung von Würmern und zweitens wird die Grasnarbe nicht völlig zerstört. Teile die Weide also in mindestens drei Teilbereiche und wechsle diese alle vierzehn Tage. Nach der Abweidung mähe das verbliebene Gras nieder, so können sich die geschlossenen Bereiche wieder erholen und treiben kräftig aus. Ich streue oftmals auch Holzasche aus, das desinfiziert und gibt dem Boden zusätzlich wertvolle Spurenelemte.

Ob das gut ist, dass die Ziegen mit den Ponys abwechselnd die Weide benützen sollen glaube ich eher nicht, habe darin aber keine Erfahrung. Ich denke mir bloß, dass bei einer solchen Beweidung kein Weidewechsel möglich sein kann. Ich würde sie dann eher gleichzeitig auf ein und dieselbe Weidefläche lassen, sofern sie sich miteinander vertragen.

Würde mich freuen, wenn der eine oder andere Tipp dabeigewesen wäre, den Du umsetzen kannst.


sanhestar
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Registriert: 17.03.2003, 11:56

Beitrag von sanhestar »

Hallo Tine,

ich stimme Fridolin zu, Ziegen sind keine 100%igen Grasfresser. Sie werden Dir über kurz oder lang das Gras nicht mehr anrühren, da sie für die Pansengesundheit andere Pflanzen(teile) ebenfalls benötigen (z.B. auch Buschwerk wie Brombeeren, Himbeeren, Holunder, Unkräuter wie Brennesseln, junger Sauerampfer, Disteln, usw.) Man kann sagen, je stachliger, umso lieber fressen es Ziegen.

Ich würde die Ziegen als Vorweider auf die Weide lassen, sie fressen deutlich lieber langstieliges Gras und beissen nicht so tief wie Pferde und die Ponies dann nachweiden lassen. Lässt man sie gleichzeitig auf eine Weide, zeigen sich die Ziegen oft mäkelig, da sie sehr hohe Ansprüche an die Qualität (auch Sauberkeit) ihres Futters stellen.

Im ersten Aufwuchs würde ich noch Heu zufüttern, bis das Gras mehr Rauhfaser enthält.

Und eine milchgebende Ziege sollte zugefüttert werden, wenn sich herausstellt, dass sie mit dem Futterangebot der Weide nicht klar kommt. Das kann z.B. entweder Rauhfasermangel sein, oder Eiweiß bzw. Energiemangel, je nach Zustand der Weide.

Rauhfaser kann z.B. auch Weizenkleie liefern (hier jedoch den hohen Phosphorgehalt durch mehr Kalzium ausgleichen).

Gruss


Sabine M.H.
http://www.working-goats.de Pack- und Fahrziegen
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