Was macht man bloß? Unser eines Pferd.

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Ortrud
Beiträge: 154
Registriert: 23.05.2007, 11:09

Was macht man bloß? Unser eines Pferd.

Beitrag von Ortrud »

Hallo,
irgendwie erwarte ich jetzt keine konkrete Hilfe, kann gar keiner, aber vielleicht helfen mir ja ein paar Meinungen weiter.

Wir haben u.a. einen jetzt reichlich 10jährigen Wallach. Er ist seit seinem 4. Lebensjahr bei uns.

Irgendwann begann es, dass wir gedacht haben, läuft er jetzt komisch oder nicht? Dann war er mal lahm - behandelt - wieder o.k.. Gleiches Spiel ein paar mal. 2006 ging gar nichts mehr, wir sind mit ihm in die Uniklinik Leipzig gefahren, dort wurde er gründlich untersucht und am Ende festgestellt "...die Prognose für Lahmfreiheit ist ungünstig.". Gesagt wurde uns damals, aus medizinischer Sicht stünde einem Einschläfern nichts im Wege, also wenn wir wollten, würden sie es machen. Es wäre wohl ein irreparabler Gleichbeinschaden.

Wir wollten (konnten) nicht, haben den Kerl geschnappt, alles auf eine Karte gesetzt, seine monatelange Boxenhaft beendet und ihn wieder mit auf die Koppel gelassen. Dort stand er anfangs, dann lief er langsam mit den anderen mit und irgendwann lahmte er gar nicht mehr. Er wurde von uns nur noch gemütlich im Gelände geritten, wir sind mit ihm spazieren gegangen, also schon mehr als Spielzeug, ansonsten lebte/lebt er glücklich in seiner Herde.

In der letzten Zeit häuften sich wieder kleine Lahmheiten, immer am gleichen Bein. Wieder behandelt, es ging immer wieder.

Jetzt steht er wieder da und kann sich kaum rühren. Klar, wir behandeln wieder (also nicht einfach so, sondern schon mit Tierarzt). Aber wir wissen ja, was es ist und dass es eben nie wieder richtig werden wird. Und die Tendenz ist eben so, dass er immer öfter lahmt.

Es ist so ein Mist. Das Thema Einschläfern schwängert hier überall wieder die Luft, im Reitstall werden wir angeguckt wie: na ihr wisst es doch, erlöst ihn doch.
Mit einer Behandlung bekommen wir ihn vielleicht wieder koppelfähig (kann ich noch nicht sagen). Wie es weiter geht weiß ich auch nicht, ob er sich wieder für ein Stück länger erholen würde. Keine Ahnung.

Als Beistellpferd kann man ihn mit so einem Schaden (kann sein er lahmt ewig, kann sein er erholt sich und lahmt ne Weile nicht oder für länger oder was weiß ich) nicht weggeben. Wie entscheidet man denn nun bloß richtig?

Na, danke für's Zuhören, Kerstin


Locura
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Registriert: 31.05.2007, 10:01

Re: Was macht man bloß? Unser eines Pferd.

Beitrag von Locura »

Uih, schwierig....

Ich glaube, wenn ich an Eurer Stelle wäre, würde die Basis aller meiner Überlegungen sein, ob das Pferd überwiegend schmerzfrei ist und artgerecht mit Kumpels auf die Koppel kann.
Dazu käme die Überlegung, ob ich die weiterführende Behandlung wie tierärzliche Kontrolluntersuchungen, ggf. Medikamente und Zusatzfutter finanzieren kann.

Meine Prämisse für ein Behalten des Pferdes wären o.g. Punkte...steht bei allen drei Fragen ein JA als Antwort, würde ich ihn behalten und ihm ein tolles Leben ermöglichen...viel Weidegang/ Freilauf mit anderen Pferden in einer ruhigen Gemeinschaft und in "Nicht lahm-Phasen" auch durchaus ein wenig Ausreiten auf weichem Boden (so es denn wirklich der Knochen und keine Sehene ist, die Probleme macht).

Als Beisteller weggeben würde ich persönlich ein Pferd nur, wenn ich die zukünftigen Besitzer zu 100% kenne - zu oft wurde schon mit solchen Pferden Schindluder getrieben und die Exbesitzer haben sie als Sportpferd im Anzeigenteil wiedergefunden oder sie in Zuchtbetrieben wiedergesehen...


Ich wünsche Euch, dass Ihr eine gute Entscheidung trefft!

LG, Petra


Man sollte sich die Ruhe und Nervenstärke eines Stuhles zulegen. Der muss schließlich auch mit jedem Ar*** klar kommen!
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Ortrud
Beiträge: 154
Registriert: 23.05.2007, 11:09

Re: Was macht man bloß? Unser eines Pferd.

Beitrag von Ortrud »

Thema Beistellpferd: Mann oh Mann. Bin auf dieser Strecke nicht so informiert, aber das ist natürlich u.U. ein ganz wichtiger Aspekt. Klar, es denkt nicht jeder so wie wir (Tierliebhaber).
Ja, diese Gedanken kreisen halt alle so im Kopf herum. Ist er in der Box (diese Boxenruhe, wie ich die hasse) wie jetzt wieder, dann regt er sich halt logischerweise völlig auf und tritt z.B. an die Boxenwände, was wiederum dazu führt, dass er alles noch schlimmer macht. Deswegen steht z.Zt. unser zweiter Wallach mit oben, aber eine Dauerlösung über z.B. Monate wie beim letzten Mal kann das nicht sein und wir wollen das auch nicht mehr. So toll wie Boxenruhe klingt - alle die sie kennen werden sie nicht lieben, denke ich. Und bringen tut sie in unserem Fall (!) nur bestenfalls eine vorübergehende Normalisierung, wenn überhaupt. Ja, er war über drei Wochen in Leipzig, es ist der Knochen. Es heißt bzw. hieß, normalerweise hätten so ein "Schadensbild" z.B. früher nur Pferde, die große Lasten ziehen mussten. Es wäre also eher ungewöhnlich für ein Freizeitpferd. Ich weiß nicht, ob das stimmt.

Auf der Koppel sind es halt 18 Pferde. Normalerweise schön, aber er hat da halt wirklich nicht unbedingt Ruhe, wobei ich sagen muss, dass die Herde schon lange unverändert zusammen ist und von daher keine großen Raufereien an der Tages- ordnung sind. Geht also so lala.

Thema Kosten. Ich will uns nicht positiv darstellen, aber wir haben schon einiges in ihn gesteckt, und das auch gern. Wie gesagt, seit 2006 ist er mehr oder weniger glückliches Koppelpferd, ohne großen "Nutzen" für uns. Aber das halte ich (zunächst) für normal. Wenn ich mir ein Tier anschaffe muss ich auch mit solchen Sachen rechnen und aus. Andere sehen das anders: Ihr müsst Geld haben; das ist doch sinnlos, der nützt Euch doch gar nichts mehr usw., ich kanns nicht mehr hören. Aber gut, man muss langsam darüber nachdenken, was Sinn macht. Für uns und ihn.

Wichtigster Punkt Schmerzfreiheit: ich denke, wenn ein Pferd Schmerzen (im Beinbereich) hat, dann lahmt es, hat es keine, lahmt es nicht. Von daher hat(te) er anfangs lange/längere schmerzfreie Intervalle, in letzter Zeit wurden diese weniger. Und zur Zeit ist es ganz schlimm. Der Tierarzt kommt (hoffentlich) nachher wieder, er kennt ihn und hat uns damals auch geraten ihn nach Leipzig an die Uniklinik zu bringen. Ich vertraue ihm, mal sehn was er sagt. Vielleicht ist es ja diesmal wirklich was anderes, aber glauben tu ich das selbst nicht. Ich bin dafür, ihn wenn möglich wieder koppelfähig zu bekommen und abzuwarten (und die Entscheidung zu schieben und zu schieben).

Klingt wahrscheinlich alles sehr durcheinander, aber das bin ich auch. Danke dafür, dass jemand mitdenkt! Liebe Grüße Kerstin


Uzou

Re: Was macht man bloß? Unser eines Pferd.

Beitrag von Uzou »

Hallo, richtig helfen kann ich Dir nicht, aber da spielen ja auch soviele Sachen ineinander! Verstehen kann Dich jeder, der schonmal ein Pferd hat gehen lassen müssen. Ich musste im letzten Jahr meine 23 jährige Lieblingsstute gehen lassen, nachdem sie am "equinen metabolen Syndrom" erkrankt war. 19 Jahre haben uns verbunden und ich habe nur 3 Monate Hoffnung gehabt. Dann musste ich auf das Tier hören. Sie signalisierte, dass es zuende war! Oft ist es so, dass uns die Tiere abseits von allen rationalen Erwägungen sagen, wenn es soweit ist. Kann es sein, dass Dein Pferd noch leben möchte, dann lass es. Wir möchten evtl auch nicht eingeschläfert werden, nur weil wir im Rollstuhl sitzen, was ja auch mit Schmerzen verbunden sein könnte. Sicher wirst Du bei den vielen Gedanken die Dir durch den Kopf gegangen sind das richtige tun! Da bin ich ganz sicher! Liebe Grüße Marion
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Ortrud
Beiträge: 154
Registriert: 23.05.2007, 11:09

Re: Was macht man bloß? Unser eines Pferd.

Beitrag von Ortrud »

Hallo,
ja ich verstehe was Du meinst. Wir haben letztes Jahr unseren reichlich 17jährigen Rüden einschläfern lassen müssen. Bei ihm war es so, er wollte nicht mehr. Klingt irgendwie, weiß nicht, merkwürdig, ist aber so.

Es tut bloß weh, wenn man ihn so stehen sieht, Bein angezogen und läuft keinen Schritt. Und immer und immer wieder. Wenn wir in den Stall (bzw. halt Koppel) kommen, reden wir meistens schon kein Wort mehr weil wir nur denken: Hoffentlich steht er nicht wieder allein mit angezogenem Bein rum. Aber wie gesagt, das war schon mal so, dann lange Zeit nur immer wieder kleinere "Zwischenfälle", aber immer irgendwie allgegenwärtig. Aber es ging. Und jetzt eben wieder so schlimm. Es wäre was anderes wenn wir wüssten, dass er halt anfällig für irgendwas ist und man darauf achten und es wenn möglich vermeiden könnte. Oder eben erfolgreich behandeln. Hier ist es eben so, dass wir die Diagnose "schrecklich" schon haben aber eben trotzdem hoffen und kämpfen. Eben weil ich mir sag, es ist doch ein kerngesundes Pferd mit "nur" einem kaputten Fuß. Ich glaube nicht, dass er sterben will. Er will rennen und fressen und seine Pferde um sich haben. Er erwartet -denk ich- von uns schon Hilfe. Ach mann, es ist zum K...
Liebe Grüße


Uzou

Re: Was macht man bloß? Unser eines Pferd.

Beitrag von Uzou »

Hallo, ich wage mal noch einen Vorschlag... Habt Ihr mal an Akupunktur gedacht? Ich frage aus folgendem Grund: Ich hatte ein wunderschönes Fohlen von obiger Stute, einen richtigen Köranwärter. Auf dem Weg zum Brennplatz hat er sich verletzt. Vermutlich hat er auf dem Hänger gegrätscht. Man kann noch so vorsichtig fahren, das passiert bei Fohlen auf dem Hänger schon mal. Bei diesem war es so schlimm, dass er nicht beurteilt werden konnte. Zuhause angekommen sah ihn sich der TA an und sagte, dass seine Chancen schlecht stünden, aber wir sollten ihn in die Hengstaufzucht geben und erstmal abwarten. Haben wir gemacht und nach zwei Jahren haben wir ihn mit einer leichten Bewegungsanomalie nach hause geholt. Dann wurde mir ein TA empfohlen,der mit Akupunktur arbeitet. Wohlgemerkt, wir hatten bis zu diesem Zeitpunkt keine gesicherte Diagnose. Aber der TA hat ein halbes Jahr genadelt und der Hengst ging völlig beschwerdefrei. Toll, wir waren begeistert und haben ihn zur Körung gemeldet. Es kam wie es kommen musste: Er wurde unter dem Applaus der Warmbluthengsthalter gekört. Wir waren seelig! Bei der Vorbereitung zur Leistungsprüfung zeigte sich unter dem Reiter aber wieder eine Bewegungsanomalie. So zogen wir ihn zurück und ließen ihn röntgen. Da ergab sich das Bild, dass sein Beckengelenk nicht in Ordnung war ! Die Kugel passte nicht korrekt in die Pfanne. Er war vier. Lange Rede kurzer Sinn. Hier hatte der Akupunteur nur die Schmerzen weggenadelt. Der Schaden aber blieb natürlich. Bei unserm Hengst war das das Falsche. Bei Eurem Pferd aber könnte das etwas sein, denn er muss ja nicht mehr belastet werden.Gruß Marion
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Anni71

Re: Was macht man bloß? Unser eines Pferd.

Beitrag von Anni71 »

Wie wird der Wallach denn behandelt? Ich denke auch, dass die Schmerzfreiheit an erster Stelle stehen muss, wenn man sowieso keine Heilung erziehlen kann. Die Belastung fällt ja aus.
Im Dezember haben wir auch die Stute meiner 12 J. alten Tochter einschläfern lassen müssen. Aus schlechter Haltung aufgepäppelt, 2 Hufabzesse, Tumore (gutartig) am Auge etc. Dann nach einem halben Jahr ein Darmverschluss und keine Chance mehr... Es war furchtbar.
Ganz vielleicht ist es ja eine andere Ursache. Ich weiß, ihr haltet viel von dieser Klinik (ich kenne sie nicht) aber vielleicht gibt es ja eine andere Diagnose und andere Behandlungsmethoden.
Boxenruhe ist mist, davon halte ich gar nichts, da sich die Tiere dort so aufregen und dann die beine mehr belasten. Auch bauen sich Muskeln schnell ab.

Ich wünsche Dir die richtige Entscheidung...
Liebe Grüsse
Anja


Ortrud
Beiträge: 154
Registriert: 23.05.2007, 11:09

Re: Was macht man bloß? Unser eines Pferd.

Beitrag von Ortrud »

Hallo,
direkt an Akkupunktur hatten wir noch nicht gedacht. Aber in die Richtung schon. Also irgendwie Alternativmedizin. Wir haben unseren beiden vor ca. 2 Jahren die Eisen abnehmen lassen (wir sind Freizeitreiter bzw. "nutzen" den kleinen Schecken zur Therapie für unsere behinderte Tochter; den Schimmel -den, der lahmt- reitet mein Mann), und die Umstellung auf barfuß unter wirklich fachmännischer Aufsicht eines Huforthopäden durchgeführt. Hat gut geklappt. Besagter Huforthopäde beschäftigt sich auch mit verschiedenen alternativen Heilmethoden. Gerade vorhin haben wir darüber gesprochen, ihn mal auf die Möglichkeiten, die er aus seiner Sicht sieht anzusprechen. Warum nicht. Freilich, Schmerzfreiheit zu erreichen wäre toll.
Vielen Dank und viel Erfolg mit Deinen Pferden weiterhin, Kerstin


Locura
Beiträge: 4653
Registriert: 31.05.2007, 10:01

Re: Was macht man bloß? Unser eines Pferd.

Beitrag von Locura »

Könntest Du das Gleichbeinproblem ein wenig genauer definieren? Haarriss? Sehnenbeteiligung?

Dann wären evtl. konkretere Vorschläge möglich...

LG, Petra


Man sollte sich die Ruhe und Nervenstärke eines Stuhles zulegen. Der muss schließlich auch mit jedem Ar*** klar kommen!
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Annabella
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Registriert: 19.11.2003, 10:48

Re: Was macht man bloß? Unser eines Pferd.

Beitrag von Annabella »

Hallo Kerstin,
wie hat denn die genaue Diagnose gelautet?
Handelt es sich um Zubildungen am Knochen oder um Knochenabbau?


Liebe Grüße,
Katja
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