Ich bin nun seit gut vier Wochen dabei, meinen Stiefelbock zu erziehen. Er kam Mitte August im Alter von viereinhalb Monaten zu uns und ich hab ihm knapp zwei Monate Zeit gelassen, sich mit den drei Mädels zu arrangieren, ehe ich mit dem "Training" begonnen habe.
Was ich erreichen möchte: Dionysos soll handzahm und leinenführig werden, auf gewisse Kommandos hören und mich als Chefin respektieren.
Was ich bislang gemacht habe:
1. Woche, Übungsplatz Einzelboxe (ca. 6 qm), Ziel: den Bock am ganzen Körper berühren, Halsband umlegen, Beine anheben, Klauen reinigen -- hat alles wunderbar geklappt und ich war überrascht, wie schnell Dionysos gelernt hat und wie ruhig er am Ende der Woche stehen blieb, wenn ich in der Boxe auf ihn zuging, und wie gelassen er die weitere "Prozedur" über sich ergehen liess.
2. und 3. Woche, Übungsplatz Stall (ca. 50 qm), Ziel: Halsband umlegen, am ganzen Körper berühren, Klauen kontrollieren, Leine festmachen und den Bock im Stall umherführen, Kommandos "Komm" und "Stopp" -- das war schon wesentlich schwieriger, d.h. Dionysos rannte anfänglich bis zu 10 Minuten im Stall umher, ehe er in der Boxe Zuflucht suchte, wo er sich dann aber willig berühren und festmachen liess; inzwischen läuft er (im Stall) nur noch ungefähr eine Minute vor mir weg, lässt sich dann auch ausserhalb der Boxe anfassen und festmachen; "Komm" und "Stopp" begreift er noch nicht wirklich.
4. Woche, Übungsplatz Gehege & Stall, Ziel: Halsband im Gehege umlegen und den Bock an der Leine in den Stall führen, Kommandos "Komm" und "Stopp", im Stall dann die übliche Ganzkörperberührung inklusive Klauenkontrolle -- auch ziemlich schwierig, d.h. Dionysos rennt immer noch weg, wenn ich mit Halsband und Leine auf ihn zugehe; am ersten Tag hat es eine halbe Stunde (!) gedauert, ehe er im Gehege stehen blieb und sich anfassen und anleinen liess, inzwischen sind's noch ca. 5 Minuten; das Führen an der Leine klappt relativ gut, "Komm" und "Stopp" begreift er aber immer noch nicht wirklich; Ganzkörperberührung und Klauenkontrolle ist inzwischen Routine und klappt super. (Ich hab ihm die Klauen vor drei Tagen in der Boxe geschnitten, ohne dass er angebunden war -- er stand wie eine Eins und war so gelassen, wie ich noch keines der Mädels beim Klauenschneiden erlebt habe.)
5. Woche, Übungsplatz Gehege/Stall/Boxe, Ziel: gleich wie in der 4. Woche, zusätzlich führe ich den Bock zum Schluss in die Boxe und tausche das Halsband gegen das neue Halfter, was er relativ gelassen toleriert, obwohl ihm das komische Ding nicht ganz geheuer scheint -- heute war der dritte Halfter-Tag und ich bin insgesamt sehr zufrieden mit Dionysos' Fortschritten, verstehe aber nicht, warum er immer noch wegrennt und erst mal seine Runden im Gehege drehen muss, ehe er sich anleinen lässt; "Komm" und "Stopp" funktionieren auch noch nicht wirklich.
Nächste Woche will ich das Halsband ganz weglassen und nur noch das Halfter verwenden; damit Dionysos sich besser daran gewöhnt, bekommt er das Halfter seit gestern während der Spaziergänge angezogen (ohne Leine), und übernächste Woche will ich damit beginnen, ihn auch während der Spaziergänge zeitweise an der Leine zu führen.
Dionysos hat sich in diesen viereinhalb Wochen insgesamt dreimal gegen mich erhoben (letztmals vor etwa zehn Tagen), d.h. er stieg auf die Hinterbeine, als ich auf ihn zuging. Ich hab mich dann "gross gemacht" und bin weiter auf ihn zugegangen, hab ihn mit lauten Hoho-Rufen "in die Flucht geschlagen" und anschliessend das Training wie üblich fortgesetzt.
Ich muss gestehen, dass es mir ziemlich schwer fällt, autoritär aufzutreten, und es ist ja auch das erste Mal, dass ich einen Bock erziehe -- mit den Mädels lief und läuft das alles ganz anders, da muss ich nicht explizit darum bemüht sein, als Chefin respektiert zu werden, oder jedenfalls nicht so, wie ich mir beim Bock Respekt verschaffen und erhalten muss. Zwischen den Mädels und mir herrscht eher so was wie "Solidarität unter Weibern". *fg*
Trotzdem macht mir die Arbeit mit Dionysos grosse Freude und ich liebäugle inzwischen mit dem Gedanken, ihn zu einem Packbock auszubilden. Er ist nun gute sieben Monate alt, Widerristhöhe 63 cm, Rückenlänge ebenfalls 63 cm, kräftige Beine, lern- und laufwillig, guter Charakter -- kurz: ein Prachtbursche, der sich meiner Ansicht nach wirklich gut zum Packen und auch für anspruchsvolle Bergtouren eigenen würde. (Bislang hab ich lediglich Perle auf grössere Touren mitgenommen, da sie von Kindsbeinen an daran gewöhnt ist, und auch weil nur eine Ziege Platz hat in meinem kleinen Auto…)
Ich bin halt einfach nicht sicher, ob ich mich wirklich zur Packbock-Ausbildnerin eigne (bin eher zaghaft und nachgiebig denn forsch und bestimmt im Umgang mit meinen Tieren), und ob das so, wie ich das Training mit Dionysos bislang handhabe, wirklich was werden könnte. Einerseits hab ich das Gefühl, dass er tolle Fortschritte gemacht hat während der viereinhalb Wochen, andererseits ist er immer noch recht scheu und weicht mir im alltäglichen Umgang (ausserhalb der Trainingszeiten) konstant aus, sobald ich die Hand nach ihm ausstrecke -- es sei denn, es befindet sich ein Leckerli drin… :D
Wer hat Erfahrung mit der Erziehung/Ausbildung eines Bockes und mag sich mit mir austauschen?
Liebe Grüsse
Abra
p.s. Der Prachtbursche Mitte Oktober während eines Wald-und-Weide-Streifzugs:




Zwei Wochen später hat er zum ersten Mal Bekanntschaft geschlossen mit dem weissen Wunder:

Dieses Bild hat ihm den Spitznamen Elvis eingetragen... *fg* *fg* *fg*